: Birgit Fiolka
: Sati. Töchter der Sonne
: Birgit Fiolka
: 9783956900709
: 1
: CHF 6.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 218
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB

Die Geburt der Zwillingsschwestern Inti und Majet steht unter schlechten Vorzeichen. Umso glücklicher können sie sich schätzen, als die Hohepriesterin der Neith in ihr Dorf kommt, um die Mädchen ins ferne Men-nefer mitzunehmen und zu Priesterinnen auszubilden. Fortan scheint sich das Leben der Zwillinge zum Besseren zu wenden. In Men-nefer eröffnet sich vor allem Majet eine neue Welt– die Schwestern werden zu Festen eingeladen und gehören nun zu den MächtigenÄgyptens. Inti, die weniger glücklich in Men-nefer ist, verliebt sich in den Fürstensohn Djau - eine Liebe, die unmöglich und gefährlich scheint. DochÄgypten steht eine Zeit des Wandels bevor, die Königin Nitorkis mit aller Macht zu verhindern versucht. Inti, Majet und auch Djau können nicht verhindern, in den Strudel der Ereignisse hineingezogen zu werden ...

Der Untergang des Alten Reiches - faszinierend erzählt durch die Geschichte zweier Schwestern

 


Prolog

 

Den ganzen Tag schon flirrte die Luft, sodass Memi immer wieder von der Feldarbeit aufsah, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Eine solche Hitze war sogar für die Erntezeit Schemu ungewöhnlich.

Seufzend machte er sich wieder an die Arbeit. Der Emmer musste eingeholt werden, sonst hätten er und Wahit in der kommenden Nilschwemme nichts zu essen. Vor allem jetzt, wo Wahit ihr erstes Kind erwartete, plagten Memi die Sorgen und raubten ihm nachts den Schlaf.

„Die Ernte wird schlecht ausfallen in diesem Jahresumlauf– die Götter sind unzufrieden“, murmelte einer seiner Leidensgenossen.

„Schweig, oder willst duÄrger bekommen?“, ermahnte Memi ihn. Erst vor Kurzem hatte der Gaufürst ihm den Posten des Vorarbeiters zugetragen. Dieser brachte Memi ein wenig mehr Zuwendung für seine Familie, die er nicht verlieren wollte.

Der Andere schwieg, warf ihm jedoch einen verächtlichen Blick zu. Sie erkannten Memi nicht an als Vorarbeiter und neideten ihm seinen Aufstieg. Es wäre besser gewesen, der Gaufürst hätte einen Fremden, der nicht aus dem Wasetgau stammte, zu ihrem Vorarbeiter ernannt. Es bedeutete fast immerÄrger, wenn plötzlich einer, den die Männer schon ihr ganzes Leben kannten,über sie erhoben wurde. Doch Memi hatte Wahit erst vor einer Nilschwemme in sein Haus geholt, und nun gäbe es bald auch noch das Kleine. Er hatte den Vorarbeiterposten nicht ablehnen können.

Trotzdem gab er dem Mann insgeheim recht. Es stand nicht zum Besten in Men-nefer, im Haus des Guten Gottes, nach allem, was man hier im Süden so hörte. Der letzte Feldzug des Einzig Einen gegen Nub hatte die Schatzkammern geleert, und immer, wenn der Vorsteher ihres Dorfes zum Gaufürsten gerufen wurde, kehrte er mit sorgenvoller Miene zurück.

„Es gibt Zwist unter den Großen… unser Fürst ist nach Men-nefer gerufen worden, ins Große Haus.“

Auf die Fragen nach der Art der Unstimmigkeiten winkte der Dorfvorsteher jedoch stets ab.„Von den Dingen der Großen versteht ihr nichts. Lasst sie ihre Arbeit verrichten und kümmert ihr euch um die eure. Der Lebende Gott wird es richten, denn er ist Maat.“

Sie taten, was der Dorfvorsteher ihnen sagte, doch sorgten sich insgeheim trotzdem.

„Schaut zum Himmel! Was ist das?“, wurde Memi von einem der Männer aus seinen Gedanken gerissen. Er hob seinen Kopf und blinzelte. Dann schnürte sich ihm der Hals zu.

„Die Götter zürnen… ich habe es ja gesagt… fleht Neith an, uns zu helfen“, rief derjenige, dem Memi gerade noch den Mund verboten hatte, nun laut.

Dieses Mal maßregelte Memi den Mann nicht. Stattdessen starrte er selbst mit offenem Mund, und kein Laut wollte von seinen Lippen kommen– denn was er sah, ließ auch ihm die Angst den Nacken hinaufkriechen. Re, der allmächtige Weltenschöpfer, der das Schwarze Land mit seinem Licht und seiner Wärmeüberflutete, war im Begriff sich abzuwenden! Rot glühte er– wie Seth selbst, und schon im nächsten Augenblick begann sich, sein Antlitz zu verdüstern. Die strahlende Scheibe verwandelte sich vor ihrer aller Augen in tiefste Schwärze, fraß sich von einer Seite zur anderen und schluckte das lebensspendende Licht des Gottes!

Lange Schatten krochenüber das Emmerfeld gleich dürren Fingern, die nach allem griffen, was das schwindende Licht des Gottes zurückließ. Die Männer fielen auf die Knie und riefen Neith laut um Hilfe an.

Nur Memi stand nach wie vor wie erstarrt und konnte seinen Blick nicht vom Geschehen am Himmel abwenden.

Dann endlich fand er seine Sprache wieder.„Ihr Götter, warum wendet ihr euch ab? Was haben wir getan, dass ihr uns in Dunkelheit hüllt?“

Zwischen die Rufe und das Wehklagen der Männer mischte sich plötzlich eine andere, höhere Stimme. Memi wandte sich um und sah am Rand des Feldes Nofret stehen, die Tochter seiner Nachbarn. Sie zitterte am ganzen Leib, und ihre Augen waren vor Angst weit aufgerissen - doch ihr Pflichtbewusstsein ließ sie das Chaos um sie herum ignorieren. Aufgeregt wedelte sie mit den Armen.„Vorabeiter Memi… du musst sofort zu deiner Frau gehen. Wahits Wehen haben eingesetzt, doch etwas stimmt nicht.“

Nur mit Mühe gelang es Memi, sich zu fassen und seinen Blick vom Himmel abzuwenden. Die Schwärze hatte Re nun fast verschlungen, und es war beinahe so dunkel, als wäre es Nacht, obwohl es doch erst Mittag war. Nur ein feiner Kranz aus Licht umgab die schwarze Scheibe am Himmel.

„Vorarbeiter Memi… bitte, ich habe Angst“, riss Nofret ihn abermals aus seiner Furc