: James Rollins
: Das Blut des Teufels Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641112356
: 1
: CHF 12.60
:
: Spannung
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Indiana Jones meets Lara Croft - mehr Action geht nicht!

Fast fünfhundert Jahre alt ist die Mumie, die der Archäologe Henry Conklin in einer Höhle hoch oben in den peruanischen Anden gefunden hat. Rasch stellt sich heraus, dass es sich bei seinem sensationellen Fund nicht um einen Inka, sondern um die Überreste eines spanischen Priesters handelt. Und die Mumie ist seltsam präpariert: Ihr Schädel wurde mit einer Substanz gefüllt, die aussieht wie reines, flüssiges Gold und verheerende Eigenschaften besitzt …

Neueste Technologiekenntnisse und fundierte wissenschaftliche Fakten, genial verknüpft mit historischen und mythologischen Themen – all das macht die Abenteuerthriller von James Rollins zum einzigartigen Leseerlebnis. Der passionierte Höhlentaucher James Rollins betreibt eine Praxis für Veterinärmedizin in Sacramento, Kalifornien.

PROLOG

Bei Sonnenaufgang,
Anden, Peru 1538

ES GAB KEIN Entkommen.

Während Francisco de Almagro durch den dunstigen Regenwald rannte, hatte er längst jede Hoffnung aufgegeben,seine Verfolger noch abschütteln zu können. Heftig keuchend, hockte er sich neben den schmalen Pfad, bis er wieder zu Atem kam. Mit demÄrmel wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Er trug nach wie vor seine Dominikanerkutte aus schwarzer Wolle und Seide, doch war sie inzwischen schmutzig und zerrissen. Die Inkas, die ihn jagten, hatten ihm alles abgenommen, abgesehen von Kutte und Kreuz. Aus Angst, die Gottheit des Fremden zu beleidigen, hatte der Schamane ihres Volks davor gewarnt, diese Talismane zu berühren.

Obwohl die Kutte für eine Flucht durch den dichten Regenwald der hohen Anden völlig ungeeignet war, wollte der junge Mönch sie doch nicht abwerfen. Papst Clement hatte sie gesegnet, als Francisco seine Weihen empfangen hatte, und er würde sich nicht von ihr trennen. Was ihn jedoch nicht davon abhielt, sie seiner gegenwärtigen Lage anzupassen.

Er nahm den Saum und zerriss die Kutte bis auf Oberschenkelhöhe.

Anschließend horchte Francisco auf die Geräusche seiner Verfolger. Schon schallten die Rufe der Inkajäger immer lauter durch den Bergpass hinter ihm undübertönten inzwischen sogar das Gekreisch der aufgestörten Affen in dem Blätterbaldachin. Bald würden sie ihn eingeholt haben.

Dem jungen Mönch blieb nur noch eine Hoffnung– eine Aussicht auf Erlösung; zwar nicht mehr für sich selbst, aber für die Welt.

Er küsste das abgerissene Stück seiner Kutte und ließ es zu Boden fallen. Er musste sich beeilen.

Als er sich eilig aufrichtete, wurde ihm schwarz vor Augen. Francisco hielt sich am Stamm eines Dschungelsprösslings fest, um ja nicht umzufallen. Er keuchte in der dünnen Luft. Kleine Funken tanzten vor seinen Augen. In dieser Höhe bekam er nicht genügend Luft in die Lunge, deshalb musste er in regelmäßigen Abständen eine Rast einlegen. Seine Kurzatmigkeit durfte ihn jedoch nicht an der Erfüllung seiner Aufgabe hindern.

Francisco stieß sich von dem Baum ab und eilte stolpernd und schwankend weiter den Pfad hinauf. Sein unsicherer Gang war nicht allein auf die Höhe zurückzuführen. Vor seiner Exekution, die zur Morgendämmerung erfolgen sollte, hatte man ihn einem rituellen Aderlass unterzogen und gezwungen, einen Schluck eines bitteren Elixiers zu trinken–chicha, ein gegorenes Getränk, nach dessen Genuss rasch der Boden unter ihm zu schwanken begonnen hatte. Die plötzliche Anstrengung der Flucht verstärkte die Wirkung der Droge noch.

Während er weiterrannte, kam es ihm vor, als griffen dieÄste des Regenwalds nach ihm und versuchten ihn einzufangen, der Pfad kippte erst zur einen, dann zur anderen Seite ab. Das Herz schlug ihm bis zum Hals; das zunehmende Dröhnen in seinen Ohren war inzwischen lauter als die Rufe seiner Verfolger. Francisco stolperte aus dem Dschungel und wäre fastüber einen Felsrand gestürzt. Weit unten entdeckte er die Ursache des donnerähnlichen Lärms– weißes, schäumendes Wasser rauschte die schwarzen Felsen hinab.

Ein Teil seines Bewusstseins registrierte, dass dies einer der vielen Nebenflüsse sein musste, die den mächtigen Urubamba speisten, aber er hatte jetzt keinen Sinn für Topographie. Pure Verzweiflung erfüllte ihn und drückte ihm schier das Herz ab. Der Abgrund lag zwischen ihm und seinem Ziel. Heftig keuchend, stützte Francisco die Hände auf die zerkratzten Knie. Erst da fiel ihm die schmale Hängebrücke aus geflochtenem Gras auf, die rechts den Abgrundüberspannte.

»Obrigado, meu Deus!«, dankte er dem Herrn unwillkürlich auf Portugiesisch. Er hatte seine Muttersprache nicht mehr gebraucht, seit er in Spanien seine Gelübde abgelegt hatte. Erst jetzt, da ihm Tränen der Enttäuschung und der Furchtüber die Wangen liefen, verfiel er wieder in die Sprache seiner Kindheit.

Mühsam richtete er sich auf, ging zu der Brücke hinüber und strich mit den Händenüber das geflochteneIchu-Gras. Ein einzelnes dickes Tau erstreckte sichüber den breiten Fluss unten. Zu beiden Seiten gab es ein dünneres Seil zum Festhalten. Wäre er nicht in seinem gegenwärtigen Zustand gewesen, hätte er die Brückenkonstruktion vielleicht als technische Meisterleistung gewürdigt, aber jetzt waren seine Gedanken einzig und all