: Will Jordan
: Der Absturz Thriller
: Blanvalet
: 9783641124359
: Ryan Drake Series
: 1
: CHF 8.90
:
: Spannung
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Absturz des Black-Hawk-Helikopters in Afghanistan ist schon schlimm genug. Doch an Bord befand sich ein hochrangiger Geheimnisträger der CIA. Wenn die Informationen in seinem Besitz an die Öffentlichkeit gelangen, würde das die ISAF-Allianz zerschlagen und Afghanistan dem Chaos preisgeben. Ryan Drake wird angeheuert, den Mann aufzuspüren und die Informationen sicherzustellen. Ein Routineeinsatz. Doch unvermittelt taucht die ehemalige CIA-Agentin Maras auf, die mit Drakes Schützling noch eine eigene Rechnung offen hat ...

Will Jordan lebt mit seiner Familie in Fife in der Nähe von Edinburgh. Er hat einen Universitätsabschluss als Informatiker. Wenn er nicht schreibt, klettert er gerne, boxt oder liest. Außerdem interessiert er sich sehr für Militärgeschichte.

1

Provinz Parwan, Afghanistan, 8. August 2008

Staub.

Staub und Sand und Felsen, vom einen Ende des Horizonts bis zum anderen.

Aus der offenen Schiebetür an der Seite des Helikopters, einesUH-60 Black Hawk, betrachtete Bordschütze Lawrence»Law« Carter die unwirtliche,öde Landschaft desöstlichen Afghanistans,über die er mit etwa 120 Knoten in der Stunde hinwegglitt.

Wohin er auch blickte, sah er vertrocknete Felder, vom Wind geschliffene und geformte Felsbrocken, endlose Flächen staubiger Erde und gewundene, verschlungene Täler, die nirgendwo hinführten. All das erstreckte sich unter ihm und verlor sich in einem dunstigen, gelbgrauen Horizont, der alle Einzelheiten verhüllte und es unmöglich machte, Entfernungen abzuschätzen.

Das ganze Land sah aus, wie seiner Vorstellung nach die Dust Bowl in den Dreißigerjahren im Mittleren Westen gewirkt haben musste; alles Leben war verdorrt, jede Farbe schien ausgebrannt, weggeschmirgelt vom gnadenlosen Wind und dem allgegenwärtigen Staub.

Was für ein höllischer Platz, um Krieg zu führen.

Er schwenkte die sechsläufige M134-Minikanone, die an der Tür des Helikopters montiert war, langsam von links nach rechts. Er erwartete nicht wirklich, etwas zu sehen, aber er hatte das Gefühl, etwas gegen die Langeweile tun zu müssen. Da sie in etwa 2000 Fuß Höhe flogen, waren sie ohnehin zu hoch, um erkennen zu können, was genau sich auf dem Boden tat.

»Hab gehört, dass sie uns morgen Nacht auch rausschicken wollen«, meldete sich eine dünne, nasale Südstaatenstimme. Carter konnte fast das zu dieser Stimme gehörende spöttische Lächeln vor sich sehen. Es gehörte Eric Myers, einem hageren rothaarigen Texaner aus San Antonio, der seinen Heimatstaat kein einziges Mal verlassen hatte, bis er zur Armee gegangen war.»Nachtpatrouille am Rand der Green Zone. Der Captain hat sich uns dafür gezielt herausgepickt.«

»Wirklich? Wem hast du denn für diese Information einen blasen müssen, Myers?« Die Stimme des Fragenden klang tief und rau. Sie gehörte Dino Hernandez, einem drahtigen Latino aus Fresno, Kalifornien. Er war zur Armee gegangen, weil seine beidenälteren Brüder das auch getan hatten.

»Das ist bei Gott die ganze Wahrheit, ich schwöre«, beteuerte Myers, als würde das irgendetwas bedeuten. Die Hälfte von dem, was er redete, war völliger Blödsinn.»Hab gehört, wie eines dieser Etappenschweine, so ein Taktikgenie, darüber geredet hat. Wir stehen auf der schwarzen Liste des Hauptquartiers, Bruder, merk dir meine Worte!«

Als Etappenschwein bezeichnete man wenig schmeichelhaft die Offiziere und Soldaten, die zwar für die Planung von Operationen an der Front, aber nicht für deren Durchführung verantwortlich waren.

»Du meinst wohl,du stehst auf der schwarzen Liste«, erwiderte Carter und riss seinen Blick von dem staubigen Gelände los, um mit Myers zu reden.»Und zwar ganz oben, seit diesem Scheiß mit der 203.«

Während eines Feuergefechts mit aufständischen Taliban vor etlichen Monaten hatte Myers auf einem Flachdach gekauert und in einem Anfall von Heldenwahn mit seinem M203-Granatwerfer eines der schwer fassbaren Ziele anvisiert und gefeuert. Die Granate war in die steinerne Umrandung unmittelbar vor ihm eingeschlagen. Zum Glück wurden diese Granaten erst scharf, wenn sie etwa zwanzig Meter weit geflogen waren.

»Ich glaube, diese Granaten sind wirklich idiotensicher«, meinte Hernandez und lachte, als er sich an Myers’ panischen Sprung vom Dach erinnerte. Dessen Tollkühnheit hatte sich damals schlagartig in Luft aufgelöst.

Carter musste ebenfalls lachen, und nach einigen Sekunden störrischen Schweigens fiel selbst Myers ein.

Ein Mann jedoch lachte nicht, und zwar der vierte Passagier in der Mannschaftskabine. Er war ein ziemlich finsterer Kunde und saß auf der Bank achtern an der Backbordseite, direkt hinter Carter.

Der junge Bordschütze blickte unwillkürlich zu ihm.

Er schätzte den Mann auf mindestens fünfzig. Er hatte ein gebräuntes, zerfurchtes Gesicht, das durch den grau melierten Bart nochälter wirkte. Es war offensichtlich, dass er sich schon länger hier im Land aufhielt. Mit seinen dunklen Augen starrte er nachdenklich durch das schmutzige Fenster