: Adam Sternbergh
: Spademan Thriller
: Heyne Verlag
: 9783641125943
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ich töte Männer. Und ich töte Frauen, denn ich will nicht diskriminierend erscheinen.

Eine zweite große Terrorwelle am Times Square hat New York City lahm gelegt. Die Stadt ist verlassen, nur einige Reiche verharren in ihren Hochhauslofts und leben in einer Art digitaler Fantasiewelt, wo sie von schönen heilen Welten träumen. Doch inmitten der ausgebombten Stadt gibt es einzelne Menschen, die geblieben sind. Einer davon ist der Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sich jetzt als eiskalter Auftragskiller über Wasser hält. Sein nächster Opfer ist die Tochter eines mächtigen Predigers. Doch etwas lässt den Spademan zögern, etwas stimmt nicht. Und damit macht er sich auch selbst zur Zielscheibe düsterer Kreise.

Spademan war ein Müllmann. Das war vor der Bombe. Sie verwüstete den Times Square. Sie tötete seine Frau. Und sie vertrieb einen Großteil der Bewohner Manhattens aus der Stadt. Lediglich die Reichen blieben und zogen sich in ihre Elfenbeintürme zurück, wo sie sich in eine virtuelle Welt einloggen und in süßen Träumen der Realität zu entfliehen versuchen. Jetzt ist der Spademan ein Auftragskiller, der eiskalt tötet. Er ist die Kugel, man muss ihm nur die Richtung vorgeben. Seine bevorzugte Waffe: Ein Teppichmesser. Sein neuestes Zielobjekt ist die Tochter eines mächtigen Fernsehpredigers. Sie zu finden ist kein Problem, aber der Job wird plötzlich kompliziert - die junge Frau ist schwanger und der Kunde hat eine Agenda, die weit über einen einfachen Mord hinausgeht. Spademan muss sich entscheiden.

Bevor ADAM STERNBERGH Romanautor wurde, war er Kulturredakteur desNew York Times Magazineund Chefredakteur beim MagazinNew York. Seine Artikel erschienen in diversen Publikationen wieGQ, The Timesund beim Radioprogramm “This American Life”. Spademan war sein Debütroman, der für den Edgar Award nominiert wurde. Er lebt in Brooklyn, New York.

1

Mein Name ist Spademan. Ich bin Müllmann.

– dieser miese Scheißkerl.

Interessiert mich nicht.

Wollen Sie nicht–?

Nur den Namen.

Ich hab seine Adresse.

Gut.

Wissen Sie, der Scheißkerl hat–

Mir egal, hab ich gesagt.

In Ordnung.

Je weniger ich weiß, desto besser.

Wie viel?

Wie vereinbart. Auf das von mir genannte Konto.

Und wie erfahre ich–?

Sie werden nie wieder von mir hören.

Aber woher weiß ich dann–?

Wenn der Typ tot ist. Dann wissen Sie’s.

Ihre Gründe interessieren mich nicht. Ob er Ihnen Geld schuldet oder Sie geschlagen oderüber Ohrs gehauen hat, ob sie Sie betrogen hat oder ob er befördert wurde und Sie nicht, ob Sie seine Frau vögeln wollen oder sie Ihren Mann gevögelt hat oder er Sie in der U-Bahn angerempelt hat, ohne sich zu entschuldigen. Ist mir völlig egal. Ich bin nicht Ihr Beichtvater.

Betrachten Sie mich eher als Ihre Kugel.

Zielen Sie einfach.

– beste Freundinnen. Dachte ich zumindest. Bis sich herausgestellt hat, dasssiemitihmvögelt.

Ma’am, bitte. Noch ein Wort, und ich leg auf. Dann geht unter der Nummer niemand mehr ran.

Moment. Ist die Verbindungüberhaupt sicher?

Was meinen Sie?

Hören die mit?

Natürlich.

Und?

Egal.

Wieso?

Stellen Sie sich Amerika vor.

Okay.

Und jetzt stellen Sie sich vor, wie viele Telefongespräche täglich in jeder Stadt Amerikas geführt werden.

Okay.

Und jetzt stellen Sie sich all die Menschen vor, die am Telefon gerade einen Plan aushecken, um Amerika in die Luft zu jagen.

Okay.

Was glauben Sie, wer interessiert sich da einen Scheiß für Sie und Ihre ehemalige beste Freundin?

Verstehe. Können Sie ihr ausrichten–?

Nein.

Können Sie ihr sagen, dass ich es war? Dass ich Sie beauftragt habe?

Ich bin nicht FedEx. Ichüberbringe keine Nachrichten. Kapiert?

Ja.

Gut. Und jetzt den Namen. Nur den Namen.

Ich töte Männer. Und ich töte Frauen, denn ich will nicht diskriminierend sein. Aber ich töte keine Kinder, denn dazu muss man ein echter Psychopath sein.

Ich töte für Geld. Manchmal auch für andere Arten der Bezahlung. Aber immer aus demselben Grund. Weil mich jemand beauftragt hat.

So einfach ist das.

Ein Kumpel von mir, ein Reporter, hat mir mal Folgendes erzählt: Wenn man in einem Zeitungsartikel zu Anfang eine entscheidende Information vergisst, nennt man das»den Aufmacher beerdigen«.

Deshalb wollte ich sicherstellen, dass ich hier nicht den Aufmacher beerdige.

Obwohl es sicher nicht das Erste gewesen wäre, was ich beerdige.

Das klingt vielleicht hart, aber inzwischen läuft das fast zu leicht. Die Stadt ist anders als früher. Sie ist so gut wie verlassen und dämmert im Halbschlaf vor sich hin, ganz besonders am frühen Morgen.Über dem Hudson wird es hell. Sonne auf den Pflastersteinen. Wenigstens hab ich die Stadt jetzt mehr oder weniger für mich allein.

Diese Gebäude waren mal Lagerhäuser. Jetzt sind es Festungen. Tribeca, ein erfundener Name für ein erfundenes Königreich schlafender Prinzen und Prinzessinnen, die sich im obersten Turmzimmer verkrochen haben. Die Arme voller Schläuche. Die Köpfe voller Gott weiß was. Hier unten lassen sie sich nicht blicken, nicht so früh am Morgen, nicht auf den Straßen, wo sie sich unter die lebenden Toten misc