: Andreas Weckel
: Die Romanescus Roman
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830115168
: 1
: CHF 7.10
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: Erzählende Literatur
: German
: 307
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Geschichte einer Roma-Familie, genauer eines Jungen namens Roman, der seinen Weg zum Licht und zur Liebe findet.

2. Kapitel

Das Haus am Fluss


Wenn der Wind eines Unwetters mit einer Geschwindigkeit von über zweihundert Stundenkilometern stürmt, mitleidlose Fluten sich über traumhaft angelegte Gärten ergießen, um tonnenschwere Gegenstände mit sich fortzureißen, dann ist das Sehnen nach einem Ort, der einer solchen Naturgewalt gewachsen ist, ungeheuer groß. Und die Hauptfigur dieser Geschichte besaß eine solche Zufluchtstätte, wie sie mitunter auch in Gesellschaftssystemen, die der totalen Überwachung anheim fallen, existieren. Er selbst nannte sie das Haus am Fluss, welches insbesondere dadurch seine Geborgenheit erhielt, dass es von anderen Menschen der Gegend gemieden wurde, weil man mutmaßte, dort geschähen durch den menschlichen Verstand nicht erklärbare Dinge! Der Platz, an dem das aus vielen unterschiedlich geformten Basaltsteinen errichtete Anwesen stand, war zudem sehr abgelegen, grenzte unmittelbar an einen in Europa einmaligen Lianenwald an, gehörte gleichsam noch zu ihm und war somit Bestandteil einer einzigartigen Natur, zu der auch Raubtiere wie Wölfe gehörten, die zu einer zusätzlichen Sicherung gegen äußere Angriffe wurden. An einem natürlichen Kanal, etwa zwanzig Schritte vom Haus entfernt, befand sich eine Anlegestelle mit einem etwa zehn Meter langen Steg, an dem nur ein Motorboot kontinuierlich vertäut war, dem man, da es von einer tarnenden Plane überzogen war, allerdings nicht ansah, wie schnell es wirklich war: es gewährleistete bei etwaigen Fluchten immerhin eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Knoten; dies verdankte es einer vorgenommenen Leistungssteigerung seitens seines einstigen Besitzers. Dieser hatte die sozialistische Mangelwirtschaft dazu benutzt, einen kleinen Schmuggelring von diesem Ort aus zu betreiben. Es wurden von diesem Spitzbuben über jene Schifffahrtslinie, die über den Brațul Sulina, den mittleren und für Hochseeschiffe tauglichen Hauptarm des Donaudeltas, führt und als Verbindung zur großen Welt dient, aber auch mehrere Schwarzmeerhäfen Rumäniens berührt, westliche Konsumgüter ins Land gebracht, welche er dann auf den