: Sandra Brown
: Glut unter der Haut Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641102982
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nichts ist unvergesslicher als ungezügelte Leidenschaft ...

Kathleen Haley ist fest davon überzeugt, dass Erik Gudjonsen – der Mann den sie leidenschaftliche liebt – sie auf schamlose Weise benutzt und betrogen hat. Ohne ein Wort verschwindet sie aus seinem Leben und findet in San Francisco einen neuen Job und die ersehnte Geborgenheit in den Armen von Seth Kirchoff, einem wohlhabenden Unternehmer. Doch Erik und die Leidenschaft, die sie von Anfang an mit ihm verband, gehen ihr einfach nicht aus dem Kopf. Und bald gerät sie in einen verzehrenden Kampf gegen ihr eigenes Herz und die Liebe, die immer noch in ihr brennt …

Sandra Brown arbeitete als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman »Trügerischer Spiegel«auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der »New York Times«-Bestsellerliste erreicht! Ihr endgültiger Durchbruch als Thrillerautorin gelang Sandra Brown mit dem Roman»Die Zeugin«, der auch in Deutschland zum Bestseller wurde. Seither konnte sie mit vielen weiteren Romanen ihre Leser und Leserinnen weltweit begeistern. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.

Kapitel 2

Am liebsten hätte Kathleen ihm eine Ohrfeige verpasst, so herausfordernd selbstgefällig war seine Miene, doch ihr fehlte der Mut dazu. Stattdessen sagte sie mit Rücksicht auf ihre Freunde:»Dann nochmals herzlich willkommen,
Mr. Gudjonsen.«

»Komm und setz dich zu uns, Kathleen«, forderte B. J. sie auf.»Mr. Gudjonsen hat soeben einige Fragenüber unser Camp gestellt, und ich sagte ihm, dass du wohl am besten unser Konzept erläutern könntest.Wir gehen dann bald zum Essen.«

Da Edna und B. J. die beiden einzigen Sessel im Zimmer besetzten, blieb Kathleen nichts anderesübrig, als neben Erik auf dem Sofa Platz zu nehmen. Unbehaglich zupfte sie am Saum ihrer Shorts, als sie sich setzte.

»Wie war euerTag, Edna, B. J.?«, fragte sie.

Die beiden waren für sie wie ihre eigenen Eltern. Mit fast sechzig waren sie noch rüstig und wohlauf. Die Liebe und Fürsorge, die sie denWaisen im Camp Sommer für Sommer entgegenbrachten, war bewundernswert.

Kathleen hatte B. J. und Edna immer als Einheit gesehen, und merkwürdigerweiseähnelten sie sich tatsächlich. Beide waren klein und gedrungen.Während EdnasAugen braun und die ihres Mannes grau waren, strahlten sie beide offenherzige Freundlichkeit aus. Sie hatten beide denselben
energischen Gang und dieselben begleitenden Gesten beim Sprechen.

Kathleen bezweifelte, dass die beiden jemals auch nur einen bösen Gedanken hegten, selbstüber den verdorbensten Charakter nicht. In jedem und allem sahen sie etwas Gutes. Und wenn Kathleen es genau bedachte, war es gar nicht so verwunderlich, dass sich die beiden soähnlich waren. Immerhin waren sie seit mehr als vierzig Jahren miteinander verheiratet.

»Wir hatten ein Leck in einem der Rohre in den Hütten. Ich hab’s repariert. Gut möglich, dass wir uns damit den Klempner gespart haben. Morgen werden wir’s wissen.« B. J. kicherte.

»Danke, mein Lieber.« Edna tätschelte sein Knie.»Morgen kannst du dich gleich an die Klimaanlage machen.«

»Sehen Sie, Erik?« B. J. breitete in einer hilflosen Geste die Hände aus.»Sie sind nie zufrieden…«

»Ach, du!«, schalt Edna ihn und stieß ihn sanft mit der Schulter an. Dann wandte sie sich wieder ihrem Gast zu, der die kleine Neckerei amüsiert beobachtet hatte.»Kathleen kam zum ersten Mal zu uns, als sie vierzehn war. Ich hoffe, es ist dir nicht unangenehm, Kathleen, aber ich glaube, Erik möchte bestimmt gerne deine Geschichte hören.« Sie blickte etwas nervös drein, doch Kathleens Lächeln beruhigte sie.

»Nein, gar nicht. Ich erzähle immer gerne von›Bergblick‹.« Kathleen zwang sich, Erik anzusehen. Er war ihr auf dem engen Sofa unwillkommen nahe. Seine männlicheAusstrahlung jagte ihr kleine Schauer der Erregungüber den Rücken.

»Als ich dreizehn war, kamen meine Eltern bei einemAutounfall ums Leben. Ich hatte keine weiterenVerwandten und auch keine Geschwister. Freunde aus der Kirchengemeinde brachten mich in einemWaisenhaus inAtlanta unter. Es genoss den Ruf als eines der besten im Land.Aber ich, als wohlbehütetes Einzelkind, hatte große Probleme, mich anzupassen. Meine Leistungen in der Schule ließen stark nach, ich wurde bockig– kurz: ein echtes Biest.«

B. J. lachte, worauf Edna ihm einen bösen Blick zuwarf, der ihn verstummen ließ.

»Im Sommer darauf schickte mich dasWaisenhaus hierher. Ich fand es grässlich wie alles andere zu der Zeit auch. Ich hatte das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden– von der ganzenWelt, von Gott. Doch dieser Sommer sollte mein ganzes Leben verändern.«

Ihre Stimme klang belegt bei der Erinnerung daran, und sie schaute nervös lächelnd zu den Harrisons.»B. J. und Edna ließen es nicht zu, dass mein Leben von Bitterkeit und Hass zerstört wurde. Sie schenkten mir Liebe zu einem Zeitpunkt, als ich alles andere als liebenswert war. Ich fing wieder an, mich wie ein Mensch aufzuführen und nicht mehr wie ein verwundetesTier. Ich schulde ihnen so viel. Ich werde es nie zurückzahlen können.«

»Ach, du hast es uns schon tausendfach zurückgezahlt, Kathleen.« Edna sah gerührt zu Erik hinüber.»Sehen Sie, Mr. Gudjonsen, seit diesem Sommer ist Kathleen jedes Jahr zu uns ins Camp gekommen, bis sie zu alt dafür wurde.Als sie dann das College besuchte, haben wir sie gefragt, ob sie als Betreuerin kommen würde.Auf Grund ihrer eigenen Erfahrung kann sie sich besser als sonst jemand in die Kinder einfühlen.Als dann imVorstand eine Position frei wurde, boten wir Kathleen den Platz an. Sie zögerte erst, aber wir bestanden darauf, dass sie annahm. Und sie hat uns nicht enttäuscht. Im letzten Jahr hat sie ganz allein das Geld für eine Klimaanlage in der Mensa und für zwei Basketballkörbe aufgebracht.«

Kathleen errötete angesichts des Lobes. Ihr Unbehagen steigerte sich noch, als sie beme