: David Sedaris
: Schöner wird's nicht
: Karl Blessing Verlag
: 9783641135713
: 1
: CHF 6.20
:
: Erzählende Literatur
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dem Alltag wohnt der Wahnwitz inne. David Sedaris weiß das nur zu gut. Das Beste an seinem Leben ist, dass er darüber Buch führt. Er erläutert, wie man sich mit Schallplattenhüllen vor psychopathischen Singvögeln schützt, was modische Herrenaccessoirs über Erektionsstörungen verraten und warum man in Tokio weder Japanisch lernen noch mit dem Rauchen aufhören sollte.

David Sedaris, geboren 1956 in Johnson City, New York, aufgewachsen in Raleigh, North Carolina, lebt in England. Er schreibt u. a. für den New Yorker und BBC Radio 4. Mit seinen BüchernNaked,Fuself eber,Ich ein Tag sprechen hübschundSchöner wird's nicht wurde er zum Bestsellerautor. Zuletzt erschienen im Blessing VerlagDas Leben ist kein Streichelzoo. Fiese Fabeln(2011),Sprechen wir über Eulen - und Diabetes(2013),Calypso /i>(2018) undBitte lächeln!(2023) sowie seine vielbeachteten TagebücherWer's findet, dem gehört's(2017) undKleine Happen(2023).

Das ist ansteckend


Meine Freundin Patsy erzählte mir eine Geschichte. »Ich bin also im Kino«, sagte sie, »und ich habe meinen Mantel über meinen Sitz ausgebreitet, und dann kommt da so ein Typ …« An dieser Stelle unterbrach ich sie, weil ich den Tick mit dem Mantel noch nie verstanden habe. Wenn ich ins Kino gehe, habe ich meinen entweder gefaltet auf dem Schoß oder ich lege ihn über die Armlehne, aber Patsy breitet ihren jedes Mal über den Sitz, als ob ihm kalt wäre und sie sich unmöglich im Kino amüsieren kann, während der Sitz friert.

»Warum machst du das?«, fragte ich. Sie sah mich verwundert an und sagte: »Bazillen, Dummkopf. Alle möglichen Leute haben ihre Köpfe an das Polster gelehnt. Kriegst du da keine Gänsehaut?« Ich musste zugeben, dass ich noch nie darüber nachgedacht hatte.

»Du legst dich im Hotel ja auch nicht einfach auf die Tagesdecke auf dem Bett, oder?«, fragte sie. Und wieder dachte ich: Warum nicht? Ich stecke sie mir vielleicht nicht in den Mund, aber sich darauf ausstrecken und ein paar Anrufe erledigen – das mache ich ständig.

»Aber du wischst doch vorher den Hörer ab.«

»Äh, nein.«

»Also, das ist ja … gefährlich«, sagte sie.

Eine ähnliche Situation hatte ich mit meiner Schwester Lisa in einem Supermarkt erlebt, als mir auffiel, dass sie den Einkaufswagen mit den Ellbogen vor sich her schob.

»Hast du was?«, fragte ich.

»Ach so«, sagte sie. »Fass nie den Griff des Wagens mit bloßen Händen an. Darauf wimmelt es von Bazillen.«

Ist das typisch amerikanisch oder denken die Leute überall so? In Paris sah ich einmal im Supermarkt um die Ecke einen Mann, der seinen Papagei zum Einkaufen mitgenommen hatte. Der Vogel war so groß wie ein halbwüchsiger Adler und hockte auf der Stange des Einkaufswagens.

»Siehst du«, sagte Lisa. »Wer weiß, was für eine Krallenkrankheit das Tier vielleicht hat.«

Das stimmte zwar, aber nicht jeder schleppt einen Papagei mit in den Supermarkt. In meinem ganzen Einkaufsleben war dies der erste exotische Vogel, der mir an der Fleischtheke begegnete.

Meine einzige Vorsichtsmaßnahme besteht darin, alle Klamotten aus dem Secondhandladen zu waschen, seit ich mir einmal durch eine gebrauchte Jeans Filzläuse geholt habe. Ich war damals Mitte zwanzig und hätte mich bis auf die Knochen wund gekratzt, wenn mich nicht ein Freund in die Apotheke geschleppt hätte, wo man mir ein Mittel namens Quell in die Hand drückte. Nachdem ich mich damit eingerieben hatte, kämmte ich mir mit einem speziellen Nissenkamm durchs Schamhaar und staunte nicht schlecht: das also waren die Biester, die sich seit Wochen von meinem Fleisch ernährten. Ich glaube, Patsy hat genau das Bild vor Augen, wenn sie den Sitz im Kino sieht, oder Lisa, wenn sie einen Einkaufswagen schiebt.

Doch ist das alles nichts gegen das, was Hugh erlebt hat. Als er acht Jahre alt war und im Kongo lebte, entdeckte er eines Tages einen roten Fleck auf seinem Bein; nichts Dramatisches, nur ein kleiner Pips, den er für einen Mückenstich hielt. Am nächsten Tag juckte der Fleck noch mehr, und wieder einen Tag später sah er plötzlich, wie ein Wurm aus seinem Bein kroch.

Einige Wochen danach passierte Ma Hamrick, so nenne ich Hughs Mutter Joan, das Gleiche, und obwohl der Wurm etwas kürzer war, dürft