: Noah Gordon
: Der Diamant des Salomon Roman
: Karl Blessing Verlag
: 9783641132767
: 1
: CHF 2.70
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Harry Hopeman lebt als Diamantenhändler und Gelehrter in New York. Als ihm das Angebot gemacht wird, sich einen verschollen geglaubten Diamanten anzusehen, fährt er nach Jerusalem. Auf seiner Reise wird er mit der aufregenden Geschichte seiner Familie konfrontiert. So wird die Suche nach dem Diamanten auch zur Suche nach sich selbst.



Noah Gordon (1926 bis 2021) lebte in Boston, Massachusetts, und arbeitete lange Jahre als Journalist beim »Boston Herald«. Mit »Der Medicus« gelang ihm ein internationaler Bestseller, der auch in Deutschland viele Monate auf der Bestsellerliste stand. Noah Gordon wurde weltweit mit mehr als einem Dutzend literarischer Preise ausgezeichnet. Alle seine Romane waren sensationelle Erfolge.

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Der Diamanten-Mann


In Harry Hopemans Büro gab es einen von einer Seite her durchsichtigen Spiegel, der es ihm erlaubte, unbeobachtet auf den gediegenen Reichtum in den Verkaufsräumen der Firma Alfred Hopeman& Sohn nebenan hinabzublicken. Wände, Teppiche und Möbel waren in sanftem Schwarz oder sattem Grau gehalten, und die Beleuchtung bestand aus klarem, weißem Licht, das der Hopeman-Kollektion ihr einzigartiges Funkeln verlieh und den ganzen Laden wie eine mit Samt ausgeschlagene Schmuckschatulle erscheinen ließ.

Harrys Besucher war ein Engländer namens Sawyer, von dem Harry wußte, daß er eben für verschiedene OPEC-Staaten Aktien von amerikanischen Firmen gekauft hatte. Es war allgemein bekannt, daß Sawyer die OPEC außer mit Aktien auch noch mit Informationen für deren schwarze Liste belieferte, auf der alle amerikanischen Firmen standen, die Geschäfte mit Israel machten.»Einer meiner Kunden hat Interesse an einem großen Diamanten«, sagte Sawyer.

Vor acht Monaten hatte ein Kunde aus Kuwait bei Hopeman& Sohn eine Halskette bestellt, dann aber den Auftrag von einer Minute auf die andere storniert. Seitdem hatte die Firma nichts mehr in die arabischen Länder verkauft.»Ich lasse Ihnen gerne von einem meiner Angestellten etwas Passendes zeigen«, sagte Harry gedankenverloren.

»O nein. Meine Auftraggeber wollen einen bestimmten Diamanten, der im Heiligen Land zum Verkauf angeboten wird.«

»Wo?«

Sawyer hob eine Hand.»In Israel. Meine Auftraggeber möchten gerne, daß Sie dorthin fliegen und den Diamanten für sie kaufen.«

»Es ist schön, wenn man gebraucht wird.«

Sawyer zuckte mit den Achseln.»Sie sind eben Harry Hopeman.«

»Und wer sind Ihre Auftraggeber?«

»Ich bin nicht befugt, das zu sagen. Sie verstehen schon.«

»Dieser Auftrag interessiert mich nicht«, sagte Harry.

»Mr. Hopeman. Es wäre ja nur eine kurze Reise, die Ihnen wichtige Türenöffnen und eine Menge Geld einbringen würde. Wir sind doch Geschäftsleute. Lassen Sie doch bitte die Politik aus …«

»Mr. Sawyer! Wenn Ihre Auftraggeber wollen, daß ich für sie arbeite, dann müssen sie mich schon selber fragen.«

Der Besucher seufzte.»Guten Tag, Mr. Hopeman.«

»Auf Wiedersehen, Mr. Sawyer.«

Aber der Mann drehte sich noch einmal um.»Könnten Sie mir vielleicht jemanden empfehlen, derüber eineähnlich große Sachkenntnis verfügt wie Sie?«

»Würde man dann meine Firma von der Liste der boykottierten Unternehmen streichen?«

»Was für eine Liste?« fragte Sawyer verschlagen. Weil er aber ein Geschäft witterte, entfaltete sich ein zuvorkommendes Lächeln auf seinem Gesicht. Auch Harry lächelte.»Ich fürchte, daß ich einmalig bin«, sagte er.

Am Nachmittag war die Befriedigungüber den Verlauf dieser Begegnung bereits wieder verflogen.

Auf Harrys Tisch lagen Bestandsverzeichnisse und Verkaufszahlen, der ganze Papierkrieg, den er so haßte. Der Mann, der die Juwelenschleiferei in der West Forty-seventh Street leitete, und die Frau, der das elegante Schmuckgeschäft von Alfred Hopeman& Sohn in der Fifth Avenue unterstand, waren beide darauf getrimmt, ohne seine Hilfe zurechtzukommen. Dadurch konnte er sich darauf konzentrieren, den Grundbesitz der Firma zu verwalten und sich einem erlesenen Kreis von persönlichen Kunden zu widmen, der hauptsächlich aus Superreichen, die seltene Juwelen kauften, und Museumskuratoren, die an Edelsteinen von religiöser und historischer Bedeutung interessiert waren, bestand. Diese Geschäfte waren es, die den meisten Profit abwarfen, aber solche Transaktionen fanden nicht jede Woche statt. Und so mußte es eben auch Tage wie diesen geben.

Tot und leer.

Harry wählte ohne den Umwegüber seine Sekretärin eine Telefonnummer.

»Hallo. Soll ich für ein Weilchen zu dir rüberkommen?« Zögerte sie, bevor sie zustimmte?

»Schön«, sagte er.

 

Als er auf dem Rücken lag, die Wange an den Rand der Matratze gepreßt, sagte ihm die Frau, deren lange Haare wie ein Fächerüber das Kissen gebreitet waren, daß sie umziehen wolle.

»Wohin denn?«

»In eine kleinere Wohnung. Meine eigene.«

»Aber hier ist doch deine Wohnung.«

»Ich will sie nicht mehr. Und ich will auch keine Schecks mehr von dir, Harry.« Sie mußte ihre Stimme erheben, damit er sie durch das Geräusch aus dem Fernseherüberhaupt hören konnte. Sie bestand darauf, daß jedes Mal, wenn sie sich liebten, der Fernseher lief, denn die Wände ihrer Wohnung waren zwar teuer, aber dünn. Trotz der Lautstärke war keinÄrger in ihrer Stimme.

»Was soll denn das?« wollte Harry wissen.

»Ich habe neulich etwasüber Rehe gelesen. Kennst du dich mit Rehen aus, Harry?«

»Nicht die Bohne.«

»Rehe vögeln nicht in der Gegend herum. Sie tun es nur, wenn sie brünftig sind. Dann bespringt der Bock irgendein weibliches Reh, und sobald er fertig ist, haut er wieder ab.«

»Wenn er Bock draufhat …«

Sie lächelte nicht.»Entdeckst du da nicht eine gewisse…Ähnlichkeit?«

»Verschwinde ich etwa auch wie der Blitz im Unterholz?«

»Harry Hopeman ist kein Tier, er ist Geschäftsmann. Er sorgt dafür, daß die Dinge in Ordnung sind, damit er sie später wieder benützen kann.Erst dann geht er fort.« Harry stöhnte.

»Ich bin kein Ding, Harry.«

Er hob den Kopf.»Wenn du den Eindruck hast, daß ich dich …benütze, wie erklärst du dir dann die vergangenen zwei Monate?«

»Du hast mich fasziniert«, sagte sie ruhig und sah ihn an.»Dein Haar, diese bronzene Farbe mit den rötlichen Strähnen. Und um deine Haut würden dich die meist