: Martin Zimmermann
: Pergamon Geschichte, Kultur, Archäologie
: Verlag C.H.Beck
: 9783406621406
: Beck'sche Reihe
: 1
: CHF 8.90
:
: Vor- und Frühgeschichte, Antike
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Jahr47v.Chr. ist ein Teil der weltberühmten Bibliothek von Alexandria im Zuge des römischen Bürgerkriegs ein Raub der Flammen geworden. Wenige Jahre später kommt Marcus Antonius, der neue Machthaber im Osten, auf den Gedanken, seiner Königin Kleopatra und der Stadt Alexandria als Ersatz die Bibliothek von Pergamon zu schenken, die zu diesem Zeitpunkt die ungeheure Zahl von 200.000 Schriftrollen beherbergt haben soll. Diese Begebenheit illustriert sinnfällig, welchen Rang Pergamon im Konzert der großen Kulturmetropolen der Antike eingenommen hat. Noch heute stehen wir staunend vor den Kunstwerken und respektgebietenden Ruinen der untergegangenen Stadt - Tempel, Heiligtümer, Paläste, Gymnasien - und nicht zuletzt vor dem monumentalen Pergamonaltar mit seinem dramatisch gestalteten Figurenfries, der bis auf den heutigen Tag Millionen von Besuchern aus aller Welt anlockt und fasziniert. Martin Zimmermann erzählt in diesem Band spannend, informativ und anschaulich die Geschichte vom Aufstieg und Fall Pergamons vom 4.Jh.v.Chr. bis in byzantinische Zeit - von seinen Mythen und seinen Herrschern, von seiner Kunst und seiner Kultur, von seinen Feinden und seinen Förderern. Und er erzählt die Geschichte von der Wiederentdeckung des versunkenen Pergamons im 19.Jh. und von der Freilegung und Bergung seiner kulturhistorisch einzigartigen Schätze.

Martin Zimmermann lehrt als Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universitä München. Er selbst erforscht seit Jahren das Umland von Pergamon und gilt als Fachmann für die griechische und römische Geschichte des westlichen Kleinasien.

I. Geschichte


Auftakt: Die Entdeckung des Pergamonaltars und «einer ganzen Kunstepoche»


Das antike Pergamon an der kleinasiatischen Westküste ist nach seinem Untergang nie ganz in Vergessenheit geraten. Der Name des modernen Städtchens Bergama, das an der Stelle der antiken Stadt entstanden war, und die antiken Texte hielten die Erinnerung wach. Schon Pilgerreisende oder Kaufleute des Mittelalters, wie der italienische Humanist Cyriacus von Ancona (1391–1455), berichteten, daß sie die Ruinen der untergegangenen Stadt gesehen hätten. Aber erst im 19. Jh. begann die wissenschaftliche Erkundung durch gelehrte Reisende. Abenteurertum und der Ehrgeiz, für ihre Heimatländer Kunstschätze zu finden und die Museen zu füllen, waren oft die Motive dieser Expeditionen. Entsprechend knapp blieben meist die Berichte, aber es gab auch Liebhaber der Antike, denen an der Dokumentation der Monumente lag. Für Pergamon sind neben den 1809 publizierten Arbeiten von Marie-Gabriel Choiseul-Gouffier jene von Charles Texier zu nennen, der von 1833 an weite Teile der kleinasiatischen Küste bereiste und seine Erkundungen in seinerDescription d’Asie Mineure 1838 bis 1849 veröffentlichte.

Die eigentliche Entdeckung Pergamons erfolgte wie ein Paukenschlag. So wie die Ausgrabung Troias ohne die Beharrlichkeit Heinrich Schliemanns schwerlich vorstellbar ist, so steht auch am Beginn der Entdeckung Pergamons das Engagement und die Ausdauer eines Laien, aber echten Liebhabers der Antike, nämlich Carl Humanns (1839–1896). Kurz nach der Mitte des 19. Jh.s war der Deutsche als Vermessungsingenieur und Bauleiter vom türkisch-osmanischen Staat mit dem Bau einer Küstenstraße beauftragt worden. Die Trasse sollte von Norden kommend an der kleinasiatischen Westküste entlang nach Smyrna, dem heutigen Izmir, führen, und das florierende Landstädtchen Bergama passieren.

Im Jahr 1869 verlegte Humann seinen Bauhof in diese Stadt und mietete sich dort eine Wohnung. Der Burgberg mit seinen antiken Ruinen, der als mächtiger Hügel über dem malerischen Bergama thront, hatte schon bei ersten Planungen des Straßenbaus 1865/67 seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Bauleiter war nämlich nicht nur ein Organisationstalent und Kenner von Land und Leuten, sondern auch an den antik