: Jürgen Osterhammel, Jan C. Jansen
: Dekolonisation Das Ende der Imperien
: Verlag C.H.Beck
: 9783406654657
: Beck'sche Reihe
: 1
: CHF 8.90
:
: Regional- und Ländergeschichte
: German
: 144
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Kaum ein Vorgang veränderte die Welt im 20.Jahrhundert so sehr wie das Ende kolonialer Herrschaft in Asien und Afrika. In systematischen und chronologischen Kapiteln beschreibt das Buch diesen Prozess mit seinen weiten Ausläufern im gesamten Jahrhundert und bietet lokale, imperiale und globale Erklärungen an. Es fragt nach den Auswirkungen der Dekolonisation auf Weltwirtschaft, internationales System und Ideengeschichte sowie nach den vielfältigen langfristigen Folgen für die ehemaligen Kolonien und Metropolen.

Jan C. Jansen ist Akademischer Mitarbeiter an der Universität Konstanz. Jürgen Osterhammel ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz. Für sein Buch Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19.Jahrhunderts (52010) wurde er mit dem «Leibniz-Preis» der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

I. Dekolonisation als Moment und Prozess


«Dekolonisation» ist ein technischer und undramatischer Begriff für einen der dramatischsten Vorgänge der neueren Geschichte. Man kann diesen historischen Prozess mit einer Doppeldefinition fassen, die ihn nicht chronologisch unbestimmt hält, sondern eindeutig in der Geschichte des 20. Jahrhunderts verankert: Dekolonisation ist demnach

erstens die gleichzeitige Auflösung mehrerer interkontinentaler Imperien innerhalb des kurzen Zeitraums von etwa drei Jahrzehnten (1945–75), verbunden mit,
zweitens, der historisch einmaligen und voraussichtlich unumkehrbaren Delegitimierung jeglicher Herrschaft, die als ein Untertanenverhältnis zu Fremden empfunden wird.[1]

Alternative Definitionsversuche setzen andere Akzente. Der Historiker Prasenjit Duara etwa betont weniger den Zerfall von Imperien als denlokalen Machtwechsel in spezifischen Kolonien, wenn er Dekolonisation bestimmt als «den Prozess, durch den Kolonialmächte die institutionelle und rechtliche Herrschaft über ihre Territorien und abhängigen Gebiete an formal souveräne Nationalstaaten übertrugen, deren Regierungen aus den jeweiligen Ländern heraus gebildet wurden».