: Christa Langer-Löw
: Antonio Congo Sein Weg von Afrika über Brasilien nach Hamburg und ins Weserbergland
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830116226
: 1
: CHF 10.80
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 260
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Antonio Congo, Häuptlingssohn und getaufter Christ aus dem afrikanischen Dorf Guimbata in der Nähe des unteren Kongo, spricht neben seiner Muttersprache portugiesisch und sogar etwas Latein, kann Lesen und Schreiben. Dies aber nützt ihm gar nichts, als er mit acht Jahren von Sklavenjägern ge­raubt wird und in die Fänge des brutalen deutschen Sklavenhändlers Barthel gerät. Doch Antonio hat Glück im Unglück. Der honorige hanseatische Kaufmann Schlüter nimmt ihn in Brasilien an Sohnes statt zu sich. Aus familiären Gründen muss Schlüter jedoch bald nach Hamburg zurückkehren. Antonio verlässt mit seinem Ziehvater Brasilien und wächst im Kaufmannshaus Schlüter auf. Er erlernt später den von ihm gewünschten Beruf eines Tischlers und findet auch sein privates Glück, aber das, was ihm wie vielen anderen Afrikanern angetan wurde, kann er nicht vergessen. Antonio geht auf die Suche nach dem Sklavenhändler Barthel. Mit ihm hat er noch eine Rechnung zu begleichen ...

Die Autorin Christa Langer-Löw lebt in Bad Pyrmont. Sie ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Sie arbeitete bei verschiedenen Journalen und Magazinen als freie Autorin. Bisher erschienen von ihr die Sachbücher 'Das Glückskind' und 'Charakterpuppen' im Verlagshaus Wohlfarth, Duisburg. Mit ihrem historischen Roman 'Antonio Congo' gibt Christa Langer-Löw ihr Debüt in der Belletristik.

Der Sklavenhändler dagegen hatte einen muskulösen und gesunden Körper. Sein ganzes bisheriges Leben war sicher eine ständige Herausforderung an alle seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten gewesen. Um nicht zu verhungern, wurde er Soldat. Er hatte sich bei Sturm und Kälte, Hitze und Flauten auf den Meeren behauptet und das mörderische Klima am Kongoüberstanden. Dieser Lebenskampf formte ihn zu einem harten, kalten, ja skrupellosen Menschenhändler mit eisernem Willen und animalischer Widerstandskraft. Durch den Sklavenhandel war er in relativ kurzer Zeit vom desertierten Soldaten zu einem reichen Mann geworden. Er besaß sogar ein eigenes Schiff mit dem ungewöhnlichen NamenRattenfängerliebe. Wie hieß doch das Dorf, aus dem er stammte? Er kam aus dem Weserbergland, drei Postmeilen von Hameln entfernt. Den Namen des Dorfes und den seiner Familie hatte er nicht genannt, danach hätte er fragen sollen, aber letztendlich war Schlüter dieses auch nicht wichtig. Im Grunde seines Herzens war er froh, dass dieser grobschlächtige Mann wieder fort war.

Antonio


Mit Besteck zu essen,übte Antonio seit einiger Zeit mit Aldo. In unbeobachteten Momenten nahm er trotzdem schnell seine Finger, obwohl er inzwischen sehr geschickt mit Messer und Gabel umgehen konnte. Am liebsten hätte er auch weiterhin bei Benta in der Küche gegessen, die Tischmanieren und Essen mit Besteck für unwichtig hielt. Antonio bemängelte, dass Löffel und Gabel den guten Geschmack von Bentas Speisen verderben würden und er empfahl Schlüter schließlich, auch nur mit den Fingern zu essen, aber Schlüter bestand darauf, dass sich Antonio der Etikette der Familie Arrende imCasa Mare anzupassen hat.

Bis jetzt trug Antonio einfache Baumwollkleidung, die ihn Benta von den Kindern der anderen Sklaven besorgte, aber der Hausschneider hatte bereits Maß genommen, um ihn neu einzukleiden. Am Tag als seine Garderobe eintraf, war er auch aus Bentas Zimmerchen in einen bisher ungenutzten Schlafraum mit einem großen Himmelbett in Schlüters Wohnflügel umgezogen.

Er probierte den ganzen Abend seine neuen Anzüge an. Natürlich stellte er jedes Kleidungsstück auch Benta vor. Die holte sofort die anderen Haussklaven zusammen und alle bewunderten Antonios schöne Garderobe. Aber dann war auch der letzte Anzug vorgeführt und Schlüter brachte ihn heute zum ersten Mal in seinem neuen Zimmer ins Bett.

»Benta hat mir ein Nachtgebet beigebracht. Soll ich es beten?« fragte Antonio.

»Ja, gern, ich werde nur meine Hände falten und dir zuhören.«

»Schon sinkt der Sonne Feuerglut,

O ewiges Licht, O Einigkeit,

O heiligste Dreifaltigkeit,

gieß Lieb in unsere Herzen ein.«

Dann fügte er noch hinzu:»Xéco, xéco, xéco,Ò ni-ba-rá.«

»Was bedeutet XécoÒ ni-ba-rá, Antonio?«

»Das weiß ich auch nicht, aber Benta sagt, vorsichtshalber sei das gut.«

»Ab morgen brauchst du das Xéco, xéco nicht mehr hinzuzufügen, das ist Unsinn. Ich wünsche dir eine gute Nacht, mein Sohn, und schlaf gut, bis morgen früh.«

Schlüter löschte die Kerzen und schloss die Tür. Er fand, dass es höchste Zeit wurde, dass Antonio mit ihm die Nachtgebete sprach. Er hatte sein Zimmer noch nicht erreicht, als er Antonio schreien hörte:»Pai Ferdi, Pai Ferdi, hier kann ich nicht schlafen!«

Schlüter ging ein Stich durchs Herz. Antonio rief ihn Vater. Bisher hatte er ihn immer mit Senhor Ferdi angesprochen. Er eilte zurück in Antonios Zimmer.

»Warum kannst du nicht schlafen?«

»Pai Ferdi, hier bleibe ich nicht! Ich habe noch nie in einem solch riesigen Bett geschlafen und ich war auch noch n