: Michael Crichton
: Micro
: Karl Blessing Verlag
: 9783641074203
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Handvoll Studenten, ausgesetzt im Regenwald, auf der Flucht vor technisch veränderten Organismen: ein hintergründiges und hochaktuelles Actionszenario

Honolulu, Hawaii. Drei Männer liegen tot auf dem Fußboden eines verschlossenen Büros – keine Anzeichen eines Kampfes, keine Einbruchsspuren, keine Tatwaffe. Nur die extrem feinen, rasiermesserscharfen Schnitte, die die Leichen überziehen, liefern einen ebenso grausigen wie rätselhaften Hinweis auf die Todesursache. In Cambridge, Massachusetts, wird eine Handvoll Studenten, die sich durch besondere Fähigkeiten hervortun, von einem Unternehmen für den Einsatz an der Front der Mikrobiologie rekrutiert. Die streng geheime, höchst profitable Arbeit von Nanigen Micro Technologies führt die Forschungstalente nach Hawaii. Doch hier, weit entfernt von der Sicherheit ihrer Labors, plötzlich sich selbst überlassen im Dschungel, sehen sich die Studenten nicht nur einer erbarmungslosen Natur, sondern auch einer radikalen neuen Technik gegenüber, die die Gruppe schnell beherrschen lernen muss, will sie nicht für immer in den undurchdringlichen Wäldern Oahus verschwinden ...

Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin; seine Romane, übersetzt in mehr als 36 Sprachen, verkauften sich über 200 Millionen Mal, dreizehn davon wurden verfilmt. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen »Next«, »Timeline« und »Jurassic Park«. Crichton ist bis heute der einzige Künstler, der es schaffte, mit Film, Fernsehserie und Roman gleichzeitig die ersten Plätze der Charts zu belegen. Im November 2008 starb Michael Crichton im Alter von 66 Jahren.

Prolog

NANIGEN
9. OKTOBER, 23:55 UHR

Westlich von Pearl Harbor fuhr er durch die im Mondlichtdunkelgrün schimmernden Zuckerrohrfelder den Farrington Highway hinunter. Das hier war zwar seit Langem die Ackerbaugegend der Insel Oahu, in letzter Zeit jedoch hatte sich einiges geändert. Auf der linken Seite hoben sich die silbern glänzenden flachen Stahldächer des neuen Kalikimaki Industrial Park von ihrer grünen Umgebung ab. Marcos Rodriguez wusste jedoch, dass es mit der Industrie in diesem Gewerbegebiet nicht weit her war. Die meisten Gebäude waren billig zu mietende Lagerhäuser. Außerdem gab es dort noch ein Schiffsbedarfsgeschäft, einen Mann, der maßgefertigte Surfbretter herstellte, ein paar Maschinenwerkstätten und eine Schlosserei. Das war so ziemlich alles.

Und dann war da noch das, weswegen er heute Nacht hier war: Nanigen MicroTechnologies, ein neues Unternehmen, das gerade erst vom Festland hierhergezogen war und seinen Sitz jetzt in einem großen Gebäude amäußersten Ende des Gewerbegebiets hatte.

Rodriguez bog von der Hauptstraße ab und fuhr die dunkel und still daliegenden Geschäftsbauten entlang. Es war fast Mitternacht. Das Industriegelände war menschenleer. Er parkte vor Nanigen.

Von außen sah das Nanigen-Gebäude wie alle anderen aus: eine einstöckige Stahlfassade und ein flaches Wellblechdach. Im Grunde war es nur ein riesiger, billig und schnell errichteter Kasten. Rodriguez wusste jedoch, dass dies beileibe nicht alles war. Vor dem Bau hatte das Unternehmen ein tiefes Loch in das Lavagestein graben lassen und dieses mit einer Menge elektronischer Geräte gefüllt. Erst danach hatte man diese unscheinbare Fassade errichtet, die jetzt von dem feinen roten Staub bedeckt war, der von den benachbartenÄckern herüberwehte.

Rodriguez zog seine Gummihandschuhe an und steckte seine Digitalkamera mit ihrem Infrarotfilter in die Tasche. Dann stieg er aus. Er trug die Uniform eines Sicherheitsunternehmens. Er zog sich die Mütze tief ins Gesicht, falls irgendwelche Kameras die Straßeüberwachen sollten. Er holte den Schlüssel heraus, den er einige Wochen zuvor dieser Nanigen-Empfangsdame stibitzt hatte, nachdem sie von ihrem dritten Blue-Hawaii-Cocktail außer Gefecht gesetzt worden war. Er hatte ihn nachmachen lassen und ihr danach wieder in die Handtasche gesteckt, bevor sie aufgewacht war.

Von ihr hatte er auch erfahren, dass das Nanigen-Gebäude voller Laboratorien und Hightech-Einrichtungen steckte, die insgesamt eine Fläche von 3700 Quadratmetern einnahmen. Sie meinte, sie würden dort Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Robotik durchführen. Was genau sie erforschten, konnte sie jedoch nicht sagen, außer dass die Roboter extrem klein waren.»Die untersuchen da Chemikalien und Pflanzen«, sagte sie etwas vage.

»Dafür braucht man Roboter?«

»Anscheinend.« Sie zuckte die Achseln.

Sie hatte ihm jedoch auch erzählt, dass das Gebäude selbstkeine Sicherheitseinrichtungen hatte. Keine Alarmanlage, keine Bewegungsmelder, keine Wachleute, Kameras oder Laserstrahlen.»Und was benutzen sie stattdessen?«, fragte er nach.»Hunde?«

Die Empfangsdame schüttelte den Kopf.»Nichts«, sagte sie.»Nur ein Schloss an der Vordertür. Sie sagen, sie kämen ohne Sicherheitsmaßnahmen aus.«

Rodriguez begann zu vermuten, dass Nanigen ein Schwindelunternehmen oder irgendein Steuerbetrug war. Keine Hightech-Firma würde sich in einem staubigen Lagerhaus niederlassen, das dermaßen weit von der Stadtmitte und der Universität von Honolulu entfernt lag, von der alle Hightech-Unternehmen ihre Forschungskräfte bezogen. Wenn Nanigen also einen solch abgelegenen Flecken gewählt hatte, musste es etwas zu verbergen haben.

Diese Meinung teilte imÜbrigen auch sein Kunde. Deswegen hatte man Rodriguezüberhaupt erst diesen Auftrag erteilt. Eigentlich war die Untersuchung von Hightech-Unternehmen nicht gerade sein gewöhnliches Betätigungsfeld. Meist riefen ihn Anwälte an und ließen ihn irgendwelche Ehemänner fotografieren, die in Waikiki ihre Frauen betrogen. Auch in diesem Fall hatte ihn einörtlicher Anwalt angeheuert: Willy Fong. Aber Fong war nicht sein eigentlicher Auftraggeber. Er wollte ihm auch nicht sagen, wer es war.

Rodriguez hatte allerdings seine Vermutungen. Nanigen hatte sich angeblich aus Schanghai und Osaka Elektronik im Wert von vielen Millionen Dollar kommen lassen. Einige dieser Lieferanten wollten jetzt wohl wissen, was man mit ihren Erzeugnissen hier so anstellte.»Sind das die, Willy? Die Chinesen oder die Japaner?«

Willy Fong zuckte die Achseln.»Sie wissen doch, dass ich Ihnen das nicht erzählen kann, Marcos.«

»Aber das Ganze ergibt doch keinen Sinn«, hatte Rodriguez gemeint.»Der Laden hat keine Sicherheitseinrichtungen. Ihre Auftraggeber könnten also einfach in der Nacht das Schloss knacken, da reingehen und selbst nachschauen. Dazu brauchen die mich doch nicht.«

»Sie wollen den Job also nicht?«

»Ich will nur wissen, worum’s hier eigentlich geht.«

»Die wollen, dass Sie in dieses Gebäude gehen und ein paar Fotos für sie machen. Das ist alles.«

»Mir gefällt das Ganze nicht. Ich glaub, das ist irgendein Beschi