: Mirjam Müntefering
: Jetzt zu dritt Roman
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783838748856
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Michelin und Angela sind seit einem Jahr ein glückliches Paar. Der Altersunterschied zwischen ihnen störte bisher niemanden - doch das ändert sich, als Michelin offenbart, was ihr in ihrem Leben noch fehlt: ein Baby! Angela, bereits mit einer erwachsenen Tochter geschlagen, sträubt sich mit Händen und Füßen gegen diesen Plan. Auch die Freundinnen aus der Szene begegnen dem Kinderwunsch mit sehr gemischten Gefühlen. Und schließlich stellt sich ja auch die Frage: Wie soll das gehen, mit dem Kind - wenn kein Mann im Spiel ist?

Zweites Kapitel


»Michelin!« Frauke eilt mit großen Schritten, die bei ihren langen Beinen wirklich gewaltig sind, den Flur meiner Altbauwohnung entlang und schlittert durch die Tür zu unserem gemeinsamen Büro. Knapp hinter ihr erscheint das haarige Gesicht ihrer Mischlingshündin Loulou. Die ist normalerweise eigentlich die Erste von den beiden, die morgens bei mir im Büroraum ankommt. Heute scheint es Frauke wirklich enorm eilig zu haben.

»Hoppla!«, grinse ich. »Was gibt’s denn so Wichtiges?«

Es ist der Montagmorgen nach unserem gemeinsamen Trip in den Funpark unter der Regenbogenflagge.

»Ich hab die Lösung gefunden! Irgendwie ging es mir nicht aus dem Kopf. Und als ich heute Morgen wegen dieser verfluchten Hitze nicht mehr schlafen konnte, hab ich mich zu Hause an denPC gesetzt und ein bisschen gesurft. Es gibt ja viel weniger Material dazu, als ich gedacht hatte. Aber ich denke, ich hab das Perfekte gefunden: Hier!«

Triumphierend lässt sie einen Zettel aus ihrer großen, schlanken Hand auf meinen Schreibtisch segeln. Es flattert genau vor meiner Nase nieder und bedeckt die Unterlagen zu lactosefreier Ernährung, die ich gerade für ein Kochmagazin durcharbeite.

»Was soll das sein?«, lache ich.

Frauke wirkt so niedlich, wenn sie aufgeregt ist.

»Eine Klinik in Dänemark. Die scheint super zu sein. Die Frau, die das Ganze aufgebaut hat, ist selbst lesbisch und scheint sowohl rechtlich als auch menschlich echt fit zu sein. Die Preise sind entsprechend. Aber schließlich ist es eine Privatklinik. Und die Betreuung scheint spitze zu sein. Na, was sagst du? So problematisch wäre es also gar nicht.«

Ich starre auf den Zettel vor mir, auf dem in Fraukes ordentlicher, aber dennoch etwas ungelenker Handschrift eine Webadresse und noch ein paar weitere Notizen stehen.

Das fehlt mir gerade noch.

Unser kurzes Gespräch vom Samstag hat mich sowieso das ganze Wochenende immer mal wieder beschäftigt.

Angela war gestern sogar schon recht mürrisch, weil sie ›den Eindruck hatte, ich sei meilenweit von ihr entfernt und sage nicht, wieso‹.

Daher hatte ich mir am Abend fest vorgenommen, nicht mehr darüber nachzudenken und das Thema zusammen mit den