: Michael Lederer
: Catharine Nicely
: Nichts ist mehr für die Ewigkeit
: PalmArtPress
: 9783941524316
: 1
: CHF 7.10
:
: Erzählende Literatur
: German
: 148
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Lederer beschreibt eine Welt und einenLebensrhythmus, die sich rasant auflösen. Erstützt sich dabei auf das Beispiel Spaniens inden boomenden 80er Jahren. Globalisierung,Interkonnektiv tät, Modernisierung undfinanzieller Druck setzen der gemächlicherenGangart, mit der sich die Menschen bis dahinbewegt haben, ein Ende ... ohne Zurück. In'Nichts ist mehr für die Ewigkeit' muss sicheine kleine Familie mit neuen Alternativenauseinandersetzen als ihr am Meer gelegenesGehöft, auf dem sie bereits seit Generationenlebt, von expandierenden Neubausiedlungeneingekesselt ist. Wie auch immer sie sichentscheidet, allein schon das Auftauchen derunerwarteten Alternativen bedeutet, dass dieDinge nie wieder so wie früher sein werden.'

Michael Lederer wurde 1956 in Princeton, NewJersey, geboren. Diesen Roman hat Michael Ledererin den Jahren 1984-1984 geschrieben, als er an dersüdspanischen Küste gelebt hat. Seine Sammlung vonachtzehn Kurzgeschichten Das Große Spiel wurderbereits 2012 von PalmArtPress in Berlin veröffentlicht.Er ist Gründer und Künstlerischer Leiter des DubrovnikShakespeare Festivals. Er lebt in Berlin und Cadaqués,Spanien

Zumindest begann alles wie an jedem anderen Tag. Die Sonne war noch nichtüber den Gipfeln der Sierra Nevada aufgegangen und nur das gleißende Licht des Mondes und der Sterne schien auf das kleineCortijo. Der Hahn mochte bereits seit gut einer Stunde krähen und die Grillen in den Olivenbäumen zirpten sich gegenseitig etwas vor.

Aurelio hatte die beiden Ziegen fertiggemolken und trug die Milch nun in einem alten Eimerüber den schmalen Trampelpfad zum Haus hinunter. Der Rest der Familie schlief noch. Um niemanden zu wecken, stellte der alte Mann den Eimer wie jeden Morgen behutsam auf dem Holztisch in der Küche ab und verließ auf leisen Sohlen wieder das Haus.

Noch war es draußen frisch und deshalb hielt er auf der Türschwelle einen kurzen Moment inne, um sich zu vergewissern, dass sein Pullover auch richtig zugeknöpft war. Dann lief er den kleinen Trampelpfad hinter der Scheune zurück, vorbei am Hühnerstall und an den Käfigen für die Tauben und die Hasen, bis er am Ende einer alten Bruchsteinmauer angelangt war. Diese Mauer hatte vorüber hundert Jahren Aurelios Großvater eigenhändig erbaut, und erst seit kurzem begann sie wegzubröckeln. Der alte Mann und sein Sohn Juanma waren sich bewusst, dass ganze Mauerabschnitte einzustürzen drohten, wenn sie nicht bald etwas unternahmen. Sie hatten sich immer wieder gefragt, woher sie die Zeit für die anstehenden Reparaturen nehmen sollten. Doch wie immer war auf demCortijo mehr zu tun, als sie und Concha, Juanmas Frau, allein schaffen konnten, und so musste die Sache mit der Mauer vorerst warten.

Aurelio bog vom Trampelpfad ab. Sehr behutsam, um auf keinen Fall auf dem Geröll auszurutschen, bahnte er sich entlang der Mauer seinen Weg bis zu einer Stelle, an der die Mauer noch relativ stabil und die Steine in der obersten Reihe recht glatt wirkten. Er zog ein kleines Stück Pappe aus seiner Hosentasche, faltete es auseinander und legte es auf die glattesten Steine, dann setzte er sich darauf. Der alte Mann liebte es, allmorgendlich von seinem angestammten Platz aus den Sonnenaufgang zu beobachten.

Er rutschte so lange hin und her, bis er die bequemste Haltung gefunden hatte, und verschränkte die Arme vor dem Bauch, um sich vor der kühlen Morgenluft zu schützen. Dann saß er reglos da und wartete auf die Sonne.

Vor ihm erstreckte sich den Hügel abwärts aufs Meer zu der kleine Olivenhain der Familie. Als hieße es, dem Licht des Mondes und der Sterne Paroli zu bieten, warfen die Bäume dunkle, lange, stulpenartige Schatten. Aurelios eigener Schatten fiel hinter ihn auf die andere Seite der Mauer und legte sich wie ein dunkler Saum um den kleinen Weinberg der Familie. Es war der Weinberg, auf dem Aurelio und Juanma die Trauben für ihrenVino del terreno ernteten, einen nicht angereicherten, sherryähnlichen Wein, auf den vor allem der alte Mann mächtig stolz war.

Noch etwas höher, hinter dem Weinberg, standen terrassenartig aufgereihte Avocado-, Zitronen- und Blutorangenbäume, und gleich dahinter befand sich rechter Hand der kleine Mandelwald der Familie. Wenn alle mit anfassten, waren sie durchaus in der Lage, auf ihrem Bauernhof alles zu erzeugen, was sie zumÜberleben brauchten. Und was der Hof ihnen nicht gab, das kauften sie eben mit dem Geld, das sie verdienten, indem sie einen kleinen Teil ihrer Oliven und den Großteil der Mandelernte an die Inhaber der kleinen Ma