: Sandra McKee
: Das Leben, das man wählt
: Telescope Verlag
: 9783941139657
: 1
: CHF 8.00
:
: Erzählende Literatur
: German
: 266
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Stell dir vor, du hast alles, was du dir je gewünscht hast - und erkennst erst dann, was dir fehlt.
Theresa Winter hat bereits mit Ende 20 alles erreicht, was sie schon als kleines Mädchen für sich erträumte. Zusammen mit ihrem Mann Leo und den beiden Kindern Milla und Tom führt sie ein ruhiges Leben auf dem Lande. Um ihrer Alltagsroutine als Hausfrau und Mutter zu entfliehen, beschließt sie, für einige Tage allein nach Irland zu fliegen, um ihre beste Freundin Lena zu besuchen. Dort trifft sie in einem Dubliner Pub auf den Freigeist und Lebenskünstler Ian Cordes, wodurch ihr Leben eine unerwartete Wendung nimmt.

Sandra McKee ist das Pseudonym einer Autorin aus dem unterfränkischen Aschaffenburg, der mit 'Das Leben, das man wählt' ein vielversprechendes Debüt gelang. Zusammen mit ihrem Mann und den drei gemeinsamen Söhnen lebt sie in einem Dorf in der Nähe von Frankfurt. Sandra McKee schreibt momentan ihren zweiten Roman, einen Spionagethriller, der voraussichtlich 2014 erscheinen wird.

Kapitel 3

„Wie– er fährt nach Hamburg? Und was ist mit dir und den Kindern?“

Lenas Stimme klang selbst durch den Telefonhörer und trotz geschätzter 1.500 Kilometer, die Irland von Hallstadt trennten, entrüstet. Theresa zog die Beine an und kuschelte sich noch tiefer in die Polster des grauen Sofas, bevor sie antwortete.

„Nichts ist mit den Kindern und mir. Leo meinte, ich hätte ja schließlich noch meine Eltern zur Unterstützung.“

„Und er hat noch nicht einmal gefragt, ob es für dich in Ordnung ist, wenn er eine Woche mit Franz wegfährt?“

„Frank.“

„Was ist mit Schrank?“

„F-r-a-n-k, Lena, sein Chef heißt Frank. Und nein, Leo hat mich nicht um Erlaubnis gebeten, wenn du das wissen wolltest. Er ist erwachsen und es steht ihm zu, seine Entscheidungen selbstständig zu treffen. Ich kann ihn ja verstehen, es ist eine tolle Chance für ihn. Wer hat schon das Glück, auf Firmenkosten Urlaub machen zu dürfen? Auch noch ohne Kinder, was den Erholungsfaktor immens steigert.“

„Also findest du es vollkommen in Ordnung, dass er sich einen schönen Lenz macht, während du mit den Gremlins zu Hause hockst?“

„Gremlins…?“

„Na, Gremlins eben. Wie in dem Film. Die kleinen Monster, die ständig Schabernack treiben und auch sonst für allerhand Katastrophen verantwortlich sind.“

Theresa stutzte kurz, dann prustete sie los. Typisch Lena, sie hatte schon einen ganz eigenen Sinn für Humor. Dabei liebte sie die beidenGremlins, Tom und Milla, ebenso abgöttisch wie Theresa selbst es tat. Nicht umsonst war sie die Patentante der beiden geworden, leider eine zurzeit ziemlich weit entfernte Patin. Anfang des Jahres hatte Lena das Angebot bekommen, in der Marketingabteilung eines Dubliner Verlages zu arbeiten und sich spontan entschieden, den Job anzunehmen und Deutschland für einige Zeit den Rücken zu kehren.

Ein herber Schlag für Theresa. Lena war schon zu Schulzeiten ihre beste Freundin gewesen. Sie wussten alles voneinander und standen sich in jeder Lebenslage bei. Anfangs fühlte Theresa sich durch Lenas Entschluss gekränkt. Sie konnte nicht verstehen, warum sie nach Irland zog und sie, Leo und die Kinder einfach so verließ. Einen guten Job hätte sie auch in Deutschland gefunden.

Aber Leo, ihr vernünftiger Leo, hatte ihr eindringlich ins Gewissen geredet:„Theresa, du und ich, wir haben uns etwas aufgebaut. Wir sind eine Familie. Du kannst von Lena nicht verlangen, dass sie sich im Leben damit begnügt, zwei Mal pro Woche bei uns zu sein. Was ist mit den anderen 261 Tagen im Jahr, an denen sie nicht mit uns zusammen ist? Sie muss ihr eigenes Leben führen und wir müssen es akzeptieren und sie unterstützen. Genau so, wie sie es akzeptiert und dich unterstützt hat, als du begannst, dir deines aufzubauen, indem du mich geheiratet und Kinder bekommen hast.“

Natürlich hatte er recht. Also hatte Theresa ihren verletzten Stolz hinuntergeschluckt und ihre Freundin bei den Umzugsvorbereitungen unterstützt.

Nun lebte Lena schon seit zwei Monaten auf der grünen Insel und dank Telefon und Internet standen sie in regem Kontakt. Trotzdem fehlte sie Theresa sehr. Sie vermisste die Abende, an denen sie, wenn die Kinder schliefen, gemeinsam kochten und nach dem Essen bei einem guten Glas Wein zusammensaßen undüber das Leben philosophierten.

„Ach, Lena, ich vermisse dich so. Ich wünschte, du wärst hier“, seufzte Theresa in den Hörer.

„Ich vermisse euch doch auch ganz schrecklich! Mensch, Theresa, du müsstest einfach hier sein. Dublin ist wundervoll, es gibt hier so vieles, was ich dir zeigen will. Du würdest die Stadt lieben, in den Einkaufszentren hängen Bilder von Bono und…“

Schweigen.

„Lena, bist du noch dran?“

Theresa dachte schon, die Verbindung wäre unterbrochen worden, da hörte sie Lenas triumphierende Stimme:„Ich hatte gerade einen genialen Einfall. Theresa, du kommst mich besuchen! Allein. Ohne Leo, ohne die Kinder. Wenn er wegfahren kann, dann kannst du das doch auch!– Theresa? Bist du noch dran? Sag was! Was hältst du davon?“

Theresas Herz begann schneller zu schlagen.

Es wäre zu schön. Einmal den Alltag vergessen, ausschlafen, sich treiben lassen. Nur sie und ihre beste Freundin. So wie früher.

Theresa musste an ihren ersten gemeinsamen Urlaub ohne Eltern denken. Sie waren gerade mal 16 und hatten ihre Abschlussprüfungen der Schule erfolgreich hinter sich gebracht. Mit dem ICE fuhren sie für e