»Und du bist dir auch wirklich sicher?«
»Finn!«, knurrte ich.»Wenn du mich das noch einmal fragst, dann drehe ich dir hundertprozentig die Gurgel um!«
Finn griff sich an den Hals, schluckte schwer– und schwieg. Sein Glück!
Vorm Zoo steppte der Bär.Überall schwirrten höllisch gut gelaunte Menschen herum. Mit Blagen im Schlepptau, die das Meerschweinchengehege, das sich auf dem Platz vorm Eingang befand, albern kichernd oder plärrend umlagerten.– Und die mir damit einen fetten Strich durch meinen eigentlich so astreinen Plan machten.
Verflixte Kaninchenkacke, hatten die denn alle kein Zuhause?
Apropos Eigenheim, nur deshalb waren Finn und ichüberhaupt hierhergekommen. Trick und Track, die beiden Minizwergkaninchen unserer Tierarztnachbarin Karli, brauchten nämlich eins. Also einen neuen Unterschlupf. Was leider unmöglich war, solange diese verpeilten Wirsind-ja-sooo-glücklich-Familien vor dem Meerschweinchengehege herumlungerten.
Und deshalb musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Dringend! Dumm nur, dass in meinem Schädel nichts weiter war als luftige Luft…
»Mierda!«, fluchte ich leise.»Was wollen die bloß alle hier?«
»In den Zoo gehen?«, faselte Finn oberklug daher und kratzte sich nachdenklich am linken Ohrläppchen.
»Mann, Finn«, schnaufte ich,»da wäre ich echt nicht drauf gekommen.«
»Gern geschehen!« Er zuckte frech grinsend die Achseln.
Den Spott in seiner Stimmeüberhörte ich großzügig. Ich musste mich konzentrieren.
Denk nach, Junge. Los! Lass dir was einfallen!
»Okay, Planänderung!«, erklärte ich schließlich.»Hier draußen ist es eindeutig zu stressig. Und saukalt noch dazu. Das schmeckt den kleinen Kerlchen hundertpro nicht. Hast du Geld mit?«
Finn nickte.
»Wie viel?«
»Fünfzig Euro.«
Ich starrte ihn fassungslos an.»Echt? Wo hast du denn so viel Kohle her?«
Finn runzelte die Stirn.»Äh… von meinem Konto«, erklärte er vorsichtig.»Ich möchte später noch in die Buchhandlung gehen.«
Fünfzig Euro für Bücher? Mann, Finn war ungelogen der Knaller.
Nur jetzt war der falsche Moment, um ihn deswegen aufzuziehen. Trick und Track mussten endlich aus dem Rucksack raus.
»Das mit dem Außengehege vorm Zoo als zukünftiges Trick-und-Track-Zuhause haut ja nicht hin, wie du siehst. Deshalb müssen wirinden Zoo und du musst die Karten kaufen. Ich warte da drüben auf dich.«
Finn klappte den Mund auf und wollte protestieren.
Doch ich hob schnell die Hände und zischte:»Oder willst du schuld sein, dass die beiden Knaben ihre nächste Mahlzeit im Kaninchen-Nirwana einnehmen müssen?«
Das zog– und wie! Finns Miene wurde noch eine Spur finsterer und dann düste er auch schon ab.
Die Schlangen an den Zookassen waren irre lang. Und Finn kam und kam nicht zurück. Allmählich begann ich, mir ein bisschen Sorgen um die Jungs in meinem Rucksack zu machen. Warum bewegten die sich nicht mehr? Waren die in eine Art Schockstarre gefallen? Oder waren sie inzwischen etwa längst– Hilfe!– erstickt, zerquetscht, mausetot?
Nach einer halben Ewigkeit kam Finn endlich mit den Eintrittskarten zurück.
»Das Geld bekomme ich von dir wieder«, maulte er.»So war das ja nicht geplant.«
»Klar doch«, log ich, weil ich gerade so was von blank war. Ich hatte weder was auf dem Konto noch ein proppenvolles Sparschwein. Nur so ein blödes Sparbuch, das Pa total unter Kontrolle hielt. Taschengeld war auch Fehlanzeige. Das hatte ich schon für die nächsten sieben Wochen im Voraus ausgegeben. Nur das musste ich Finn ja nicht unbedingt auf die Nase binden. Jetzt hieß es erst einmal, Trick und Track aus dem Rucksack zu holen und ihnen ein neues Zuhause zu beschaffen. Hauptsache, sie lebten noch…
»Los jetzt!« Ich düste Richtung Drehkreuze ab.
Hinter mir rief Finn:»Renn doch nicht so! Die werden ja richtig durchgeschüttelt.«