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»Lieber geh ich Blut spenden!«, grummle ich ungehalten.
Säßen wir bei mir zu Hause, würde ich laut werden, um hemmungslos Dampf abzulassen. Aber hier, in der Konditorei »Windbeutel«, einem angestaubten Tagescafé aus den späten sechziger Jahren, könnte undamenhaftem Benehmen ein Rauswurf folgen. Wo sollte ich mich dann mit meinen Freundinnen zum samstäglichen Cappuccino-Plausch treffen? Zurzeit der einzige Lichtblick meines öden Singlelebens. Der einzige Tag, an dem ich gutgelaunt aufstehe. Der einzige Tag, an dem ich mich aufbrezle, mir die Haare wasche, Make-up auflege und, wie heute, sogar die Zehennägel rot lackiere.
»Verstehe ich sehr gut.« Biggi gibt mir die silberbeschriftete Einladungskarte aus weißem Hochglanzkarton zurück. »Eine Feier mit den falschen Gästen kann einem den ganzen Abend versauen. Vielleicht sogar die Nacht.«
Traudl, die bisher noch nichts gesagt hat, außer um bei der Kellnerin einen Milchkaffee und ein Stück Mohnkuchen zu ordern, blickt mich mit großen Augen an. »Das ist hoffentlich nicht dein Ernst, Paula?« Es ist dieser geduldig-vorwurfsvolle Tonfall, der sanften Frauen wie Traudl zu eigen ist, die drei Kinder mit nichts als milden Worten großgezogen haben. »Das ist doch nicht irgendeine Veranstaltung. Es ist die Verlobung deines einzigen Sohnes!«, fügt sie noch an, als wäre ich komplett verkalkt.
»Daran musst du mich nicht er…« Ich breche ab, als ich die Bedienung mit unserer Bestellung kommen sehe.
Das blonde Mädchen setzt das Chromtablett auf dem Tisch ab. Wahllos verteilt sie Tassen und Kuchen. Wortlos beobachte ich ihr Tun. Auf junge blonde Frauen bin ich momentan nicht gut zu sprechen. Erst recht nicht, wenn sie so hübsch sind wie dieses Geschöpf. Bei denen steigt mir sofort die Galle hoch. Ja, ich bin ungerecht.Sie kann schließlich nichts dafür, dass mein Ex-Mann mit einer schönen jungen Blondine seinen zweiten Frühling genießt.
»Du wurdest unterbrochen«, sagt Traudl, als das Mädchen außer Hörweite ist und wir uns auf die Kuchenteller stürzen.
»Ich wollte bloß sagen, dass ich den Abend emotional nicht überleben würde«, erkläre ich zwischen zwei Bissen. »Nicht mal mit einer Überdosis Beruhigungspillen.« Biggi kramt in ihrer monströsen geblümten Tasche, in der sie wie immer tausend Unnötigkeiten mit sich herumschleppt. Sekunden später drückt sie mir einen glatten rosa Stein in die Hand. »Hier, das hilft.«
»Huch, das nenne ich mal eine Riesenpille. Aber im Ganzen bekomme ich die niemals runter.« Ich unterdrücke ein Grinsen.
Biggi ist Heilpraktikerin, sie hält Edelsteine für DAS Allheilmittel schlechthin. So weit ich es beurteilen kann, helfen sie gar nicht. Leider. Schaden tun sie aber auch nicht. Es sei denn, man schluckt tatsächlich einen hinunter, der so gro