: Brigitte Kanitz
: Oma packt aus Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641094430
: 1
: CHF 11.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was ist schlimmer als eine verrückte Familie? Zwei!

Seit die perfekt gestylte Großstadtpflanze Nele in die Lüneburger Heide und in den Schoß ihrer Familie zurückgekehrt ist, überschlagen sich die Ereignisse. Kaum wird ein Geheimnis gelüftet, schon sitzt Nele samt Oma, Großtante und der riesigen Dogge Rüdiger im VW-Bus auf dem Weg nach Süditalien. Einzig ihr Liebster Paul glänzt durch Abwesenheit. Doch zum Glück ist sie bald viel zu beschäftigt, um sich darüber Gedanken zu machen: Während sie versucht, eine verzwickte Geschichte aufzuklären, überfrisst sich Rüdiger an Tiramisu, und Oma zwingt den Dorfarzt mit dem Küchenmesser zur Notbehandlung …

Brigitte Kanitz wuchs in Rom, Lugano und Hamburg auf. Sie arbeitete als Redakteurin für diverse Printmedien, bevor es sie zurück nach Italien zog, wo sie seit vielen Jahren als freie Autorin lebt. Für Blanvalet hat sie bereits eine ganze Reihe von romantischen Komödien geschrieben.

1. Erstens kommt es anders

Es reicht!, dachte ich, lief über den Hof ins Haus und knallte die massive Eichentür so laut zu, dass die roten Backsteine knirschten und das alte Fachwerk knackte. Bildete ich mir jedenfalls ein. Vielleicht erzeugte ich die Geräusche auch selbst, indem ich die zusammengebissenen Zähne aneinanderrieb und die Fingerknöchel dehnte.

»Lass das nach«, befahl Oma Grete und hob drohend einen knorrigen Zeigefinger. Für die frühe Morgenstunde sah sie schon erschreckend munter aus. Fast wie ein junges Mädchen kam sie die steile Treppe heruntergeglitten und baute sich vor mir auf. Der Zeigefinger wedelte jetzt vor meinem Gesicht hin und her.

»In meinem Haus werden keine Türen geknallt, ist das klar?«

Ich verzichtete auf den Hinweis, dass sich die Besitzverhältnisse in der Familie Lüttjens vor Kurzem dramatisch geändert hatten, und klappte den Mund auf, damit meine Zähne nichts mehr zu reiben hatten.

Grete, die trotz ihrer achtundachtzig Jahre über ein feines Gehör verfügte, war noch nicht fertig mit ihrer Standpauke. »Fingerknöchelknacken ist ungezogen!«, sagte sie stotterfrei.

Mannomann! Die sprach mit mir wie mit einer Fünfjährigen! Zorn wallte in mir auf.

Gut so. Er lenkte mich wenigstens von dem anderen Gefühl ab. Es hatte ein bisschen was mit Angst zu tun. Nein, nicht nur ein bisschen; sogar ein bisschen mehr. Deswegen war ich ja eben ins Haus geflüchtet.

Geflüchtet?

Hm. Konnte man wohl nicht anders nennen.

»Und Zähneknirschen gehört sich auch nicht!«

Ist ja gut!

»Du hast dich angehört wie damals unsere beste Milchkuh Lotte beim Wiederkäuen.«

Ich klappte den Mund wieder zu und zwang meine Kiefermuskeln in eine vorübergehende Lähmung.

Es reicht!, dachte ich zum zweiten Mal innerhalb von zwei Minuten.

Hätte ich aber besser sein lassen. Musste gleich wieder an meine Flucht ins Haus denken.

Prompt kroch die blöde Angst unaufhaltsam an meiner Wirbelsäule hoch.

Eben gerade, als ich aus dem Stall gekommen war, hatte ich ihn wieder entdeckt.

Den Schatten.

Unsere beiden Ponys Ernie und Bert hatten mir noch hinterhergewiehert, so als wollten sie sich für den morgendlichen Hafer bedanken, da war mein Bl