Kinder aus suchtbelasteten Familien stärken Das »Trampolin«-Programm
:
Michael Klein, Diana Moesgen, Sonja Bröning, Rainer Thomasius
:
Kinder aus suchtbelasteten Familien stärken Das »Trampolin«-Programm
:
Hogrefe Verlag GmbH& Co. KG
:
9783840925276
:
1
:
CHF 19.90
:
:
Psychologie
:
German
:
163
:
Wasserzeichen/DRM
:
PC/MAC/eReader/Tablet
:
PDF
Studien zufolge erhöht eine elterliche Substanzabhängigkeit das Risiko, dass betroffene Kinder später selbst einmal eine Abhängigkeitserkrankung entwickeln, erheblich. Das modularisierte Präventionsprogramm 'Trampolin' vermittelt Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien Informationen und Strategien, die die Resilienz der Kinder langfristig stärkt und die sie so dazu befähigen sollen, möglichst unbeschadet mit den Folgen der belastenden Lebensumstände umzugehen. Das Manual geht zunächst auf den aktuellen Stand der Forschung zum Thema 'Kinder aus suchtbelasteten Familien' ein und beschreibt dann die Durchführung der zehn Module des Trampolin-Programms. Die Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren erhalten Informationen zu den Wirkungen von Alkohol und anderen Drogen sowie dessen Auswirkung auf andere Familienmitglieder. Zudem erlernen sie effektive Stressbewältigungsstrategien, damit sie mit ihren Emotionen adäquat umgehen, erfolgreiche Problemlöse- und Verhaltensstrategien anwenden und nach Hilfe suchen können. Mit dem Gruppenprogramm sollen die psychische Belastung der Kinder sowie die Scham- und Schuldgefühle reduziert, die Selbstwirksamkeitserwartung der Kinder erhöht und ein positives Selbstkonzept aufgebaut werden. Das Manual beschreibt zudem die Durchführung von zwei begleitenden Elterntreffen, bei denen diese für die Auswirkungen der familialen Suchterkrankung auf ihre Kinder sensibilisiert werden sollen. Die Eltern erfahren, wie sie besser auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen können und werden in ihrem elterlichen Selbstwert und im Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz gestärkt. Die Wirksamkeit des Programms konnte im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Multicenter-Studie belegt werden. Es eignet sich insbesondere für den Einsatz in Beratungsstellen der Sucht-, Jugend- und Familienhilfe. Die beiliegende CD-ROM enthält alle Arbeitsmaterialien, die für die Durchführung benötigt werden.
Kapitel 2 Theoretische Grundlagen (S. 10-11)
2.1 Ziele und Überblick
Das Gruppenprogramm „Trampolin“ zielt übergeordnet darauf ab, dem Risiko für von elterlicher Sucht betroffene Kinder, später selbst einmal eine substanzbezogene Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, im Rahmen einer niedrigfrequenten Intervention präventiv zu begegnen. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Konzept für betroffene Kinder klar definierte und spezifizierte Unterziele, die die Erreichung des obersten Ziels der Suchtprävention unterstützen. Es handelt sich um ein zeitlich eng begrenztes Programm, dass auch mit wenigen Ressourcen durchführbar ist. Daher wurde der Schwerpunkt des modularisierten Präventionsprogramms auf jene Unterziele gelegt, die aus der Resilienzforschung (vgl. Kapitel 2.2.2) als besonders beeinflussbar gelten können. Im Einzelnen soll „Trampolin“ zu folgenden Veränderungen bei teilnehmenden Kindern beitragen:
• Verbesserung des Kenntnisstands der Kinder zu den Wirkungen von Alkohol und anderen Drogen, hinsichtlich des Krankheitsbildes „Sucht“ sowie dessen Auswirkung auf andere Familienmitglieder,
• Reduzierung der psychischen Belastung der Kinder durch Auflösung des Tabuthemas „Sucht“,
• Erlernen effektiver Stressbewältigungsstrategien, insbesondere – die Verbesserung des adäquaten Umgangs mit Emotionen,
– das Erlernen effektiver Problemlöse- und Verhaltensstrategien in der suchtbelasteten Familie,
– die Förderung eines erfolgreichen Hilfesuchverhaltens,
• Erhöhung des Selbstwerts und Aufbau eines positiven Selbstkonzepts,
• Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung.
Als begleitende Effekte des Gruppensettings sollen die Kinder durch das Präventionsangebot Zuverlässigkeit, Klarheit, Struktur, Sicherheit und Kontinuität durch die Gruppe und die Kursleitung erleben. Ein weiteres wichtiges Element ist das Erfahren von stabilen Beziehungen in der Gruppe sowie die veränderte Wahrnehmung von Eltern- und Erwachsenenrollen durch das Vorbild der Kursleiter. Im Gruppensetting kann aber auch der Einfluss der Gleichaltrigen und die gegenseitige Unterstützung genutzt und von Lösungsstrategien der anderen Kursteilnehmer profitiert werden (Dies& Burchardt, 1991). Die Gleichaltrigengruppe soll dem Kind helfen, die eigene Identität zu formen, sich von den Erwachsenen zu distanzieren und am Erleben aus Kindperspektive teilzunehmen. Die Interaktion mit den Gleichaltrigen fördert die Entwicklung des Sozialverhaltens und trägt wesentlich zum Selbstverständnis (Selbstkonzept) der Kinder bei (Oerter, 2002).
Gruppenangebote ermöglichen betroffenen Kindern die Erfahrung, dass andere Kinder ähnliche Erfahrungen machen und können somit Schamoder Schuldgefühle reduzieren (Emshoff& Price, 1999). In der Gruppe erfahren Kinder Ablenkung, das Gefühl der Zugehörigkeit und sie bekommen Zugang zu sozialen Aktivitäten. Dies kann sozialer Isolation entgegenwirken (Lenz, 2005).
Ein wichtiges Ziel der begleitenden Arbeit mit den Eltern (Sack& Thomasius, 2002; Thomasius, 2004) – ob es jetzt der von Sucht betroffene Elternteil, der nicht suchtkranke Partner oder beide sind – ist es, dass die betroffenen Eltern für die Auswirkungen der familialen Suchterkrankung auf ihre Kinder sensibilisiert werden (Auflösung des Tabuthemas Sucht). Häufig sind diese Auswirkungen den Eltern nicht bewusst oder werden geleugnet. Bei „Trampolin“ erfahren sie, wie sie besser auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen können. Hierbei eine ressourcenorientierte Herangehensweise wichtig – die meisten Eltern wollen im Grunde etwas Gutes für ihr Kind. Sie sollen daher in ihrem elterlichen Selbstwert und im Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz gestärkt werden. Darüber hinaus werden sie ermutigt, weiterführende Unterstützung und Hilfe in der Erziehung in Anspruch zu nehmen.
Diese Ziele sollen schrittweise erreicht werden. So bauen die „Trampolin“-Inhalte aufeinander auf und führen behutsam zur konkreten Bearbeitung von möglichen Schwierigkeiten in suchtbelasteten Familien hin. Hierfür ist das Präventionskonzept modular aufgebaut. Jedes Modul behandelt jeweils einen zentralen Schwerpunkt. Die Ziele und Inhalte der Module sind in Tabelle 1 im Überblick dargestellt.
Kinder aussuchtbelasteten Familien stärken
1
Inhaltsverzeichnis
7
Danksagung
9
Kapitel 1: Einleitung
11
Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
12
2.1 Ziele und Überblick
12
2.2 Theoretische Fundierung des Präventionskonzeptes
14
2.3 Fazit
26
Kapitel 3: Rahmenbedingungen
27
3.1 Die richtige Zielgruppe erreichen
27
3.2 Gute Rahmenbedingungen schaffen
28
3.3 Frequenz und Dauer der Gruppensitzungen
29
3.4 Allgemeiner Ablauf der Module
30
3.5 Jedes Modul gut vorbereiten
33
3.6 Durchfu?hrung der Module
33
3.7 Umgang mit schwierigen Situationen während der Gruppenstunden
33
3.8 Abschluss der Gruppenstunden
35
Kapitel 4: Evaluationsergebnisse
36
4.1 Wirksamkeitsstudie
36
4.2 Zufriedenheit der Teilnehmer und Kursleiter
39
4.3 Fazit
41
Kapitel 5: Das Trampolin-Manual
43
5.1 Modul 1 – Vertrauensvolle Gruppenatmosphäre schaffen
43
5.2 Modul 2 – Selbstwert fördern
49
5.3 Modul 3 – Über Sucht in der Familie reden
53
5.4 Modul 4 – Psychoedukation zum Thema „Sucht“
57
5.5 Modul 5 – Adäquaten Umgang mit Emotionen fördern
63
5.6 Modul 6 – Probleme lösen und Selbstwirksamkeit erhöhen
69
5.7 Modul 7 – Verhaltensstrategien in der suchtbelasteten Familie erlernen
74
5.8 Modul 8 – Hilfe und Unterstu?tzung einholen
78
5.9 Modul 9 – Positives Abschiednehmen
83
5.10 Modul 10 – Eltern stärken
87
Literatur
100
Anhang
107
CD Arbeitsblätter
133