1. Nachts ist das Leben nicht anders als am Tag
Als sie sich kennen lernten, stand der Mond am Himmel wie ein kreisrundes Herz in der Mitte der Nacht. Es war eine von jenen Begegnungen, denen wir anfangs nicht viel Bedeutung beimessen. Doch wenn wir später zurückschauen, entdecken wir dutzende von Hinweisen darauf, dass hier etwas geschah, das unser Leben verändern würde. Wenn wir es nur erlauben.
(Seite 1 des Romans »Von der Umkehr der Endgültigkeit«, Patricia Stracciatella)
Der Baum vor meinem Fenster spricht zu mir.
Tagsüber ist jetzt Wetter zum Drachensteigenlassen, dass es einem die Schnur aus der Hand reißen will.
Abends ist es die Zeit, um mit einer Wolldecke, weil es für Heizung im Oktober wirklich noch zu früh ist, auf dem Sofa zu liegen, einen ergebenen Hund zu Füßen, und ein unterhaltsames Buch zu lesen.
Ich starre auf die elektrostatisch aufgeladenen Flusen der Decke, die wahrscheinlich zum größten Teil aus Kunststoff besteht. Das unterhaltsame Buch in meinen Händen habe ich bereits vor einer ganzen Weile abgelegt, Schrift nach unten. Statt zu lesen, lausche ich hinaus. Horche durch die Mauern und Fensterscheiben des Hauses, was der Baum mir sagen will.
Die Sache ist die, dass ich zuerst gar nicht wusste, dass er es ist. Zuerst war es mir nämlich irgendwie unheimlich.
Komische Geräusche, fand ich. So ein Geknarre und Geächze. Und selbst wenn meine liebe Vermieterin, Frau Silber, in ihrer Wohnung unter meiner mal wieder Renovierungsarbeiten vornehmen sollte, war es dafür viel zu spät am Abend.
Ich war in der Nacht aufgewacht und hatte diese beängstigenden Geräusche wieder gehört und mich gewundert.
Lag wach und blickte schlafblind zum Fenster.
Sagte mitten in der Nacht plötzlich laut »Ah!«, weil ich in dieser Sekunde endlich begriff, woher diese Töne kamen. Laut »Ah!«, ohne daran zu denken, dass ich jemanden wecken könnte damit. Vielleicht auch, weil ich schon verinnerlicht hatte, dass ich niemanden damit wecken würde. Denn ich schlief wieder allein.
Nach langer Zeit wieder allein zu schlafen, ist gewöhnungsbedürftig. Selbst dann, wenn der ehemalige Freund und Bettnachbar hin und wieder im Schlaf mit den Zähnen geknirscht und ich ihn aus diesem Grund mehr als einmal auf den Mond gewünscht hatte.
Weil ich auch nach sieben Wochen immer noch nicht gut allein schlafen kann, halte ich mich häufig auf dem Sofa auf. Auch weil Loulou, meine gefleckte Mischlingshündin, die Erlaubnis besitzt, auf dem Sofa Platz zu nehmen, während das Bett für sie verboten ist.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich nachts um halb eins hier sitze und,