: Benedikt Speer
: Grenze und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im historischen Kontext. Eine explorative politikwissenschaftliche Studie am Fallbeispiel des Pyrenäenraums.
: Duncker& Humblot GmbH
: 9783428530854
: Schriftenreihe der Hochschule Speyer
: 1
: CHF 72,20
:
: Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Verfassungsprozessrecht
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Die Politikwissenschaft, aber auch andere Disziplinen einschließlich der Geschichtswissenschaft, haben die historische Dimension grenzüberschreitender Zusammenarbeit bislang nur unzureichend erschlossen. Generalisierenden Aussagen über Ursachen, Entwicklung und Rahmenbedingungen grenzüberschreitender Zusammenarbeit fehlt daher häufig eine empirische Absicherung. Vor diesem Hintergrund legt Benedikt Speer eine explorative, mit politikwissenschaftlichen Methoden arbeitende Studie vor und dehnt am Beispiel des Pyrenäenraums den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen der Forschung systematisch aus. Zunächst hinterfragt der Autor kritisch die 'geographische Konzentrierung', die 'Regionenzentriertheit' und die 'Annahmegestütztheit' als aktuelle Forschungstendenzen und setzt sie mit den zentralen Fachtermini der Grenze, des Grenzraums und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Beziehung, um Forschungslücken zu identifizieren. Eine vertiefende Fallstudie behandelt die Entwicklung von Grenze(n) und grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Pyrenäenraum über acht Jahrhunderte hinweg. Dadurch kann u. a. die große rechtliche Kontinuität grenzüberschreitender Zusammenarbeit trotz zahlreicher politischer Brüche von den mittelalterlichen lies und passeries bis zu den geltenden völkerrechtlichen Grenz- und Kooperationsverträgen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Die differenzierte Untersuchung von Akteuren, Einstellungen, Zwängen und sonstigen Einflussfaktoren mündet in leitsatzartige Überlegungen zur weiteren Fachdiskussion über Grenzen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
Abkürzungsverzeichnis16
Einleitung18
Teil 1: Untersuchungsgegenstand, zentrale Begrifflichkeiten und Erkenntnisinteresse21
A. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand: Tendenzen und Lücken in der Forschung21
I. Die „geographische Konzentrierung“24
II. Die „Regionenzentriertheit“27
1. „Regionenzentrierte“ Akteursverständnisse28
2. Gründe für die „Regionenzentriertheit“ in der deutschsprachigen Forschung30
3. Gründe für die „Regionenzentriertheit“ in der europäischen Forschung33
4. Auswirkungen der „Regionenzentriertheit“ auf die Forschung35
a) Die sachgegenständliche Dimension36
b) Die akteursbezogene Dimension37
c) Die zeitlich-historische Dimension39
III. Die „Annahmegestütztheit“41
IV. Zwischenergebnis zu Teil 1, A.43
B. Grenze, Grenzraum und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Diskurs44
I. Die völkerrechtliche Grenze als Bezugspunkt grenzüberschreitender Zusammenarbeit45
1. Grenzsaum oder Grenzlinie?46
2. Von der lehnsrechtlichen Herrschaftsverschränkung zum Ideal der natürlichen Grenze48
3. Die völkerrechtliche Lineargrenze zwischen nationalstaatlichem Denken und europäischer Integration50
II. Die räumlichen Wirkungen von Grenzen und der Grenz- oder Grenzkooperationsraum54
1. Typologische Ansätze54
2. Räumliche Ansätze56
3. Politisch-administrative Ansätze und ihre räumlich-funktionale Ergänzung61
III. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit als besondere Form internationaler Beziehungen63
1. Akteursbezogene Aspekte64
a) Der Staat als Akteur der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit64
b) Die Abgrenzung zum Akteursverständnis des Transnationalismus und des „Transnationalen Regionalismus“66
2. Raumbezogene Aspekte69
a) Der unterschiedliche Raumbezug der grenzüberschreitenden und der interregionalen Zusammenarbeit69
b) Die Abgrenzung der grenzüberschreitenden von der grenznachbarschaftlichen Zusammenarbeit im Sinne des Artikels 24 Absatz 1 a GG70
3. Handlungsbezogene Aspekte72
a) Handlungsfelder72
b) Handlungsformen74
4. Motivationsbezogene Aspekte76
a) Strukturell-funktionale Akteursmotivationen76
b) Politisch-individuelle Akteursmotivationen77
5. Merkmale grenzüberschreitender Zusammenarbeit: Versuch einer Konklusion78
IV. Zwischenergebnis zu Teil 1, B.79
C. Erkenntnisinteresse, Methodik und Erkenntniserwartungen der Untersuchung80
I. Erkenntnisinteresse und Methodik81
1. Erkenntnisinteresse81
2. Methodik und Quellenproblematik83
II. Fallbeispiel und Erkenntniserwartungen86
1. Das Fallbeispiel: Grenze und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Pyrenäenraum86
2. Erkenntniserwartungen und Erkenntnishoffnungen88
III. Zwischenergebnis zu Teil 1, C.89
Teil 2: Grenze(n) und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Pyrenäenraum zwischen dem Mittelalter und dem Ende des 19. Jahrhunderts91
A. Der Pyrenäenraum: Eine Einführung94
I. Die Pyrenäen als Barriere95
1. Das Massiv als geophysische Barriere95
2. Barrierewirkungen des Massivs am Beispiel der gegenwärtigen Siedlungs- und Verkehrsstrukturen96
3. Das Massiv als politisch-administrative Barriere98
II. Die Pyrenäen als grenzübergreifender Raum99
1. Die relative Einheitlichkeit gegenwärtiger Lebensverhältnisse in den Pyrenäen99
2. Die Pyrenäen als historisch nach innen integrierter Raum102
III. Zwischenergebnis zu Teil 2, A.104
B. Die Herausbildung von Grenze(n) und von grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Pyrenäenraum zwischen dem Mittelalter und dem Pyrenäenfrieden (1659)104
I. Tal und Talschaft als historische Träger der lokalen politisch-ökonomischen Grundordnung im Pyrenäenraum105
1. Die innere Ordnung: casa- oder (h)ostal-System, Talversammlung und Gemeinbesitz105
2. Die äußere Ordnung: Foralregime und Ermächtigung zum Abschluss tälerübergreifender Abkommen110
II. Die Herausbildung vor-völkerrechtlicher Gebiets- und Herrschaftsgrenzen im Pyrenäenraum112
1. Frühe lokale Gebietsgrenzen in den Pyrenäen113
2. Vor-völkerrechtliche Herrschaftsgrenzen in den Pyrenäen115
a) Die Herausbildung der mittelalterlichen Pyrenäengrenze(n)115
b) Der Vertrag von Corbeil (1258)118
c) Frühe Ansätze einer expansionistischen Grenzideologie in Frankreich120
d) Grenzveränderungen im Pyrenäenraum zwischen dem Vertrag von Corbeil (1258) und dem Pyrenäenfrieden (1659)121
aa) Das Valle de Arán123
bb) Die Teilung Navarras123
cc) Das Roussillon und die Cerdagne124
III. Formen vor-völkerrechtlicher grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Pyrenäenraum (vom 12. Jahrhundert bis 1659)125
1. Die mittelalterlichen lies und passeries als Prototyp grenzüberschreitender Abkommen in den Pyrenäen125
a) Die Notwendigkeit der lies und passeries in einem konfliktiven Umfeld126