: Volker Boehme-Neßler
: Unscharfes Recht. Überlegungen zur Relativierung des Rechts in der digitalisierten Welt.
: Duncker& Humblot GmbH
: 9783428529384
: Schriftenreihe zur Rechtssoziologie und Rechtstatsachenforschung
: 1
: CHF 99.40
:
: Allgemeines, Lexika
: German
: 800
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Der Siegeszug der Digital-Technologie setzt sich unvermindert fort und ergreift immer neue Bereiche des Lebens. Neue Technologien verändern die Welt: Was bedeutet die Digitalisierung also für das Recht? Das ist die Kernfrage, welcher der Verfasser nachgeht. Der Autor arbeitet fünf Charakteristika von kultureller Digitalisierung heraus: Entgrenzung, Bilderflut, Immaterialisierung, Zeitlosigkeit und Vernetzung. Damit kontrastiert sie das Recht und das rechtliche Denken. Es wird klar, dass zwei Welten aufeinander treffen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Denn das Recht ist eher von Grenzziehungen, Bilderskepsis, fester Verkörperung, exakter Zeitbestimmung und kausalen, sukzessiven Gedankengängen und Argumentationsketten geprägt. Die Konfrontation mit der Digitalisierung verändert das Recht tief greifend. In der Summe wird das Recht unschärfer. Und was genauso wichtig ist: Es wird relativiert. Andere Bereiche der Gesellschaft übernehmen verstärkt Ordnungs- und Steuerungsfunktionen neben und an Stelle des Rechts. Beides ist eine Herausforderung für die Rechtspolitik, für die Dogmatik und die Rechtstheorie. In seiner Studie entwickelt der Verfasser erste Ansatzpunkte zu einer Dogmatik und Rechtstheorie des unscharfen Rechts.
Inhaltsübersicht8
Inhaltsverzeichnis12
Einleitung: Von der digitalen Welt zum digitalisierten Recht34
Digitale Kultur vs. Rechtskultur34
Rechtsetzung, Rechtsanwendung, Dogmatik, Rechtstheorie35
Gang der Untersuchung35
Transdisziplinarität und Methodenvielfalt36
Zwerge und Giganten37
1. Teil: Zusammenhänge40
A. Technik, Kultur, Recht42
I. Technik und Kultur42
1. Kultur – Förderer und Verhinderer von technischem Fortschritt42
2. Technik – Treiber kultureller Entwicklung44
II. Digitalisierung der Demokratie als Beispiel47
1. Technik als Risiko für die Demokratie48
a) Fragmentierung der Öffentlichkeit48
b) Digitalisierung und Mehrheitsregel49
2. Technik als Chance für die Demokratie49
a) Elektronische Demokratie49
b) Partizipation51
c) Gleichheit54
d) Demokratische Öffentlichkeit56
3. Fazit: Digitale Technik als Chance und Risiko für die Demokratie58
III. Technik und Recht58
1. Technik – Anpassungszwänge für das Recht58
2. Recht – Steuerung der technologischen Entwicklung61
a) Ermöglichung der Technik durch Recht61
b) Steuerung der Technik durch das Recht?63
B. Kulturtechnik und Recht – das Beispiel der Schrift67
I. Sprache und Denken – die Sapir-Whorf-Hypothese67
II. Von der oralen zur literalen Kultur69
1. Orale Gesellschaften – das Denken vor der Entwicklung der Schrift69
2. Literale Gesellschaften – das Denken und die Schrift73
a) Denken und Kultur74
b) Wirtschaft75
c) Verwaltung und Politik76
3. Die „Gutenberg-Revolution“78
a) Die Manuskriptkultur78
b) Das Ähnlichkeitsideal des Buchdrucks79
c) Bücher und Demokratie81
III. Vom gesprochenen zum geschriebenen Recht81
1. Tief greifende Wandlungen82
a) Die Herrschaft des Rechts82
b) Von der strukturellen Relativität zur Rechtsgleichheit84
c) Schriftliche Rechtsquellen und literale Organisation85
d) Formalismus und Komplexität86
e) Gerichtsverfahren – die Reduktion der Welt87
2. Juristisches Denken89
a) Generalisierung, Abstraktion, Dekontextualisierung89
b) Entscheidung statt Kompromiss90
c) Von der Gemeinschaft zum Individuum91
3. Vom oralen zum literalen Rechtsdenken: Eine Bilanz92
a) Vertrauen durch Stabilität92
b) Abstraktion – größere Gestaltungsfreiheit und Wirklichkeitsferne94
c) Flexibilität und Uneindeutigkeit94
2. Teil: Digitalisierung des Rechts98
A. Facetten der Digitalisierung100
I. Digitalisierung als technologisches und kulturelles Phänomen100
1. Digitale Technologie100
2. Digitale Kultur101
II. Der kulturelle Kern der Digitalisierung101
B. Ubiquität und Recht103
I. Digitalisierung – Entgrenzung und Ubiquität103
1. Ubiquität und Entgrenzung als Merkmal von Digitalisierung103
2. Ubiquitous Computing und Affective Computing105
a) Ubiquitous Computing und Augmented Reality – Grundlagen und Visionen106
b) Anwendungsmöglichkeiten109
c) Probleme und Gefahren110
d) Affective Computing – weitere Entgrenzungen112
3. Dimensionen der digitalen Entgrenzung113
a) Räumliche Entgrenzung113
b) Soziale und psychologische Entgrenzungen114
aa) Transnationale soziale Räume115
bb) Sozialpsychologie – der flexible Mensch115
cc) Exkurs: Entgrenzung des Gedächtnisses116
c) Staatspolitische Entgrenzung – vom Atom-Staat zum Bit-Staat117
4. Entgrenzung und Konvergenz118
a) Konvergenz als Folge der Entgrenzung118
b) Digitalisierung: Konvergenz als technisches Phänomen118
c) Globalisierung: Konvergenz als soziokulturelles Phänomen119
5. Grenzen von Entgrenzung119
a) Physische und politische Grenzen der Entgrenzung120
b) Grenzen als anthropologische Konstante121
c) Kulturelle Bedingtheit von Grenzen124
d) Fazit: Grenzen der Entgrenzung125
6. Neue Grenzen durch Community-Building125
II. Recht und Grenzen127
1. Das Recht als Grenzziehung128
2. Äußere Souveränität: Grenzziehungen zwischen Staaten128
a) Nationale Souveränität als Schlüsselkategorie des Völkerrechts129
b) Geografisch begrenztes Recht als Regel130
c) Grenzüberschreitung als (immer wichtigere) Ausnahme131
3. Innere Souveränität: Grenzziehungen innerhalb von Staaten134
a) Verfassungsrechtliche Zuständigkeitsordnung134
b) Rechtsstaat und Demokratie – Grenzziehung im Inneren135
III. Das Ende der (geografischen) Grenzen?135
1. Staat und geografische Grenzen136
a) Personenverbandsstaat136
b) Territorialstaat137
2. Funktionswandel geografischer Grenzen: Von der klaren Trennung zur diffusen Verbindung139
IV. Das Ende des Staates?141
1. Ein langfristiger Trend: Bedeutungsverlust des Staates141
a) Chaos als notwendige Folge?141
b) Relativierung des Staates durch Einbindung142
aa) Kollektive Sicherheitspolitik: Transnationalisierung aus militärischen Sachzwängen142
bb) Menschenrechte: Begrenzung des Staates zugunsten des Individuums144
cc) Europäische Integration: Supranationalität als Extremfall der Einbindung145
dd) Die neue Staatsräson: Selbstbehauptung durch Einbindung146
c) Relativierung des Staates durch Technologie146
d) Relativierung des Staates durch Konkurren