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Es gibt Leute, die niemals ausrasten. Was müssen diefür ein schreckliches Leben führen.
Charles Bukowski
Max Fisher schlug die Augen auf, sah verschwommen den Saustall um ihn herum und dachte:Wo zum Teufel bin ich? Mühsam drehte er den Kopf und starrte auf eine Wand. Eine weiße Wand. Die Wände in seinem Apartment waren weiß– gut, wahrscheinlich war er zu Hause. Was für einen Tag haben wir? Montag, oder? Weil gestern Sonntag gewesen ist, richtig? Hatte er im Fernsehen nicht ein Footballspiel angesehen, in der Bar, wo er sich zugelitert hatte? Moment, nicht Football, Baseball war’s. Himmelherrgott noch mal, es war doch Juli. Der Vierte war doch erst… wann… letzte Woche gewesen? Er konnte sich an jede Menge Lärm, Explosionen, Feuerwerk erinnern. Genau, ganz bestimmt war jetzt keine Footballsaison.
Er rollte sich in Richtung Nachttisch, verschätzte sich und fiel aus dem Bett. Genau auf die Hüfte. Muss ein schlimmer Sturz gewesen sein, weil der Schmerz ihn fast umbrachte, obwohl er noch ziemlich dicht war.
»O Gott«, stöhnte er und zuckte zusammen. Er hatte den Geschmack von Erbrochenem im Mund.
Eine lange Zeit blieb er so liegen, war vielleicht sogar ohnmächtig geworden, dann schaffte er es, sich auf die Knie hochzukämpfen. Der Schmerz in der Hüfte war schier unerträglich, aber er dachte, wenn etwas gebrochen wäre, könnte er sich gar nicht mehr bewegen.
Unter Aufbietung seiner ganzen Energie schielte er zum Digitalwecker und versuchte, die Ziffern zu erkennen. Da war eine 7 und eine 1, und war das andere da eine 5? Nein, eine 8. 7:18. Hinter den Vorhängen war es schon hell, also war es Morgen– na also, allmählich wurde es ja. Dann entdeckte er die Buchstabenüber den Ziffern: MI. Scheiße, es war Mittwochmorgen– ein Arbeitstag. Er musste zu Besprechungen, Leute treffen, Geschäfte abschließen.
Er stütze sich am Bett ab und schaffte es mit letzter Kraft, auf die Beine zu kommen. Allerdings war es schwierig, aufrecht stehen zu bleiben. Was war denn mit dem Boden los? Er musste dringend duschen, einen Anzug raussuchen und ins Scheißbüro fahren. Er machte ein paar zaghafte Schritte und wäre beinahe hingefallen. Dann erinnerte ihn eine leise Stimme:Du arbeitest nicht mehr.
Schlagartig fiel ihm alles wieder ein. Wie sein ganzes Leben von seiner früheren Sekretärin– und kurzzeitigen Exverlobten– ruiniert worden war, von dieser griechisch-irischen Nutte Angela.
Angela. Am liebsten hätte Max diesen Namen komplett aus seinem Gedächtnis gestrichen, so wie in diesem SchwarzeneggerFilmTotal… Verdammt, wie hieß der noch mal? Nicht einmal mehr fernsehen konnte Max.Angela’s Ashes, Angela Lansbury, Angela Bassett. Alles wimmelte plötzlich von Angelas. Sogar auf der Straße erinnerte ihn alles an sie– die Haare, die Titten, der kotzige irische Akzent. Letztens hatte Max in der Nähe des Rockefeller-Centers gehört, wie ein Tourist zu einem Freund gesagt hatte:Eine Halbe würde mir jetzt gradtaugen. Am liebsten hätte Max diesen Guinness saufenden Arsch gleich an Ort und Stelle erwürgt.
Schon beim ersten Mal, als Max Angela und ihre unglaubliche Oberweite gesehen hatte, hätte er wissen müssen, dass allesübel enden würde. Große Titten bedeuten großenÄrger, das ist allgemein bekannt. Immer hatte Max auf seinen Instinkt vertraut, aber dieses eine Mal war er nachlässig gewesen– und rums!
Bevor sie aufgetaucht war, hatte alles wie am Schnürchen geklappt. Ja, er hatte ein klasse Leben geführt. Er war der Mann des Jahres gewesen, der große Boss, der Supermanager, da konnte man fragen, wen man wollte. Er war groß im Geschäft gewesen und hatte Wahnsinnspläne gehabt, mit denen er hätte absahnen können bis zum Sankt Nimmerleinstag. Eine erfolgreiche Computernetzwerkfirma und ein sensationelles Haus an der Upper East Side hatten ihm gehört. Dann war Angela aufgetaucht. Diese beschissene Angela. Sie war wie ein lebendig gewordener Fluch, ein gottverdammter Virus.
Und diese Fotze hatte nicht nur sein Leben in Chaos und Verwüstung verwandelt, nein, sie hatte ihm auch noch Herpes angehängt. Wenn er in der Früh beim Pissen diese Pusteln sah, dann sah er Höllenpein, dann sah er Terror pur.
Nachdem Angela nach Irland abgedüst war– das Flugticket hatte sie auf seine AmEx gebucht–, hatte er Rache genommen. Eines Abends hatte er in einer Bar an der Bowery eine Hexe kennengelernt. Glinda. Eigentlich hieß sie gar nicht Glinda– ihren richtigen Namen wusste er nicht–, er hatte sie nur für sich so genannt. Jedenfalls fragte Max sie:»Heißt das, Sie können Flüche verhängen?«
»Natürlich kann ich Flüche verhängen«, antwortete sie und tat ganz beleidigt.»Ich hab doch gesagt, ich bin eine Hexe.«
Max starrte sie an.»Ja, stimmt. Dann verhängen Sie doch den schlimmsten Fluch, der Ihnen einfällt,über meine Exverlobte. Machen Sie ihr und allen, die mit ihr zu tun haben, das Leben zur Hölle.«
Also sprach die Hexe einen Fluch aus, angeblich den brutalsten, den sie je jemandem angehängt hatte. Und danach? Hatte