Polizei!
Ben ahnte schon beim ersten Schritt ins Einkaufszentrum, dass hier etwas Eigenartiges vorging …
Alles wirkte wie immer. Allein das war schon ungewöhnlich.
Frank blieb stehen. Auch er spürte etwas Unheimliches.
»Seid ihr sicher, dass es keine Erwachsenen mehr gibt?«, fragte Achmed.
»Hast du unterwegs welche gesehen?«, fragte Jennifer zurück.
Das hatte Achmed ebenso wenig wie die anderen. Trotzdem schien alles genauso zu funktionieren wie sonst. Und dennoch: Irgendetwas war anders …
Das war auch Jennifer und Miriam aufgefallen. Obwohl sie nicht hätten sagen können, was das Besondere ausmachte. Was war hier passiert?
Achmed riss sie aus ihren Gedanken. »Krass, ey. Dann gibt es ja auch keine Verkäufer mehr. Geil, los, dann können wir doch …«
Kolja packte Achmed hart am Arm und sah ihn ernst an. »Mach jetzt keinen falschen Fehler!«
»Was denn, ey?«, beschwerte sich Achmed. »Ich meinte doch nur …«
»Wir haben das alles schon mal erlebt!«, erinnerte ihn Miriam. »Was wir jetzt wirklich nicht brauchen können, ist genau das Chaos, das du gerade anrichten willst! Glaub uns einfach und bleib ganz cool, okay?«
»Ja, ey! Schon gut!«, maulte Achmed.
»Wir sind hier, um Lebensmittel zu sichern!«, erinnerte Ben die anderen. »Kein Chaos, keine Schlachten, keine Modeschauen, einfach nur Lebensmittel sichern!«
»Okay, okay!«, versprach Achmed und hob versöhnlich die Hände.
Thomas bog nach rechts ab zum Gemüseladen, sah sich die Auslage an und schnappte sich einen Apfel.
»Finger weg!«, schrie ihn jemand an.
Thomas erstarrte mit offenem Mund.
»Erst zahlen, dann essen!«, fauchte die Stimme. Eine Hand entriss Thomas den Apfel und legte ihn zurück in die Auslage.
Thomas benötigte ohnehin immer etwas länger als andere Menschen, ehe er eine Reaktion zeigte. Jetzt aber schienen Minuten zu vergehen, ehe er begriff, was er soeben erlebt hatte.
Verdutzt zeigte er mit dem Finger auf die Person, die ihm den Apfel geraubt hatte, und stotterte: »Das … das … war doch ein Kind!«
Miriam hatte die Szene beobachtet und war ebenso fassungslos. Sie ging einen Schritt auf Thomas zu, da erschien der kleine Knirps mit der grünen Schürze schon wieder vor dem Eingang des Gemüseladens, stützte die Hände in die Hüften und bellte: »Die Äpfel kosten ein Euro das Stück. Untersteht euch, einen zu stehlen!«
»Ein Euro für einen Apfel?«, empörte sich Frank und vergaß ganz, dass er es nicht mit einem Verkäufer, sondern mit einem Kind zu tun hatte. »Ist der aus purem Gold?«
»Andere Zeiten, andere Preise!«, antwortete ihm der Knirps keck.
Thomas sah Hilfe suchend Miriam an, die sich allerdings auch erst einmal einen Moment besinnen musste, ehe sie blaffte: »Dir haben sie wohl ins Gehirn gehustet. An wen sollen wir denn zahlen? Ist dir schon aufgefallen, dass es keine Verkäufer mehr gibt, du Zwergenhirn?« Sie griff nach einem Apfel.
»Finger weg!«, schrie der Knirps. »Oder ich rufe die Polizei!«
Kolja packte den Kleinen sofort am Kragen und schüttelte ihn durch.
Miriam nahm sich einen Apfel. »Was denn für eine Polizei? Es sind keine Erwachsenen mehr da, du Gurkenkopf. Begreif das endlich. Und die Lebensmittel sind für uns alle da!« Demonstrativ biss Miriam in den Apfel.
»Jetzt langt’s!«, piepste der Knirps. Er fischte sich ein Handy aus der Schürzentasche, drückte eine Taste und keine zwei Minu