: Sandra Brown
: Nachtglut Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641107468
: 1
: CHF 2.70
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Atemberaubende Spannung, Tempo und prickelnde Leidenschaft: ein Thriller der Extraklasse!

Er kann warten, er ist schlau – und er hat finstere Rachepläne. Als es Carl Herbold gelingt, aus dem Gefängnis auszubrechen, hat er nur ein Ziel: die Vernichtung der Familie Corbett, dessen Oberhaupt ihn und seinen Bruder einst verstieß. Auf dem Weg nach Texas erfährt er, dass nun eine junge Frau auf der Corbett-Ranch wohnt: Anna, die Witwe von Corbetts Sohn. Dass ihm ausgerechnet die taubstumme Anna bei seiner Rache in die Quere kommt, damit hat Herbold jedoch nicht gerechnet …

  • »Es ist, als wäre man bei der Lektüre an eine Hochspannungsleitung angeschlossen!« (Kirkus Reviews)


San ra Brown arbeitete als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman »Trügerischer Spiegel«auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der »New York Times«-Bestsellerliste erreicht! Ihr endgültiger Durchbruch als Thrillerautorin gelang Sandra Brown mit dem Roman»Die Zeugin«, der auch in Deutschland zum Bestseller wurde. Seither konnte sie mit vielen weiteren Romanen ihre Leser und Leserinnen weltweit begeistern. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.

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»Myron, hörst du mir überhaupt zu?«, fuhr Carl Herbold seinen Mithäftling gereizt an. Er schüttelte ungeduldig den Kopf und brummte: »Blödmann!«

Myron Hutts, offenbar taub für die Beleidigung, grinste weiter leer vor sich hin.

Carl schob sein Gesicht näher an seines heran. »Hey, hör auf, so dämlich zu grinsen, Myron! Die Sache ist ernst. Ist davon irgendwas bei dir angekommen? Hast du auch nur ein gottverdammtes Wort kapiert?«

Myron biss in seinen Schokoriegel. »Klar, Carl. Du hast gesagt, ich soll genau zuhören und gut aufpassen.«

»Okay.«

Carl beruhigte sich etwas, auch wenn er ziemlich sicher war, dass Myron nicht einmal einen Bruchteil dessen, was er ihm zu sagen hatte, verstehen würde. Myron war nicht gerade einer der Hellsten; genau gesagt war er total unterbelichtet.

Trotz seiner Kraft und ständigen Beflissenheit stellte er mit seinem Spatzenhirn ein Risiko für Carls wohldurchdachte Pläne dar. So ein Komplize hatte seine Nachteile.

Andererseits benötigte Carl Myron Hutts’ Hilfe. Er brauchte einen, der nicht fähig war, selbstständig zu denken, und tat, was man ihm sagte – ohne lange zu überlegen, ohne Fragen, Widerreden oder Skrupel. Eben deswegen war Myron letztlich doch der perfekte Partner. Selbst wenn er ein gottverdammter Einstein gewesen wäre – aber er hatte kein Gewissen.

Gewissen, das war »innerer Dialog«. Klasse, der Ausdruck, was? Carl hatte ihn aus einem Artikel in einer Zeitschrift. Er hatte ihn sich eingeprägt und schwups!, aus dem Hut gezogen, als er das letzte Mal vor dem Ausschuss für bedingte Haftentlassung antanzen musste. Fünf Minuten lang hatte er sich des Langen und Breiten über seine inneren Dialoge bezüglich seiner vergangenen Missetaten und des Unheils ausgelassen, das er in seinem eigenen Leben und dem anderer angerichtet hatte. Aus diesen Dialogen habe er erkannt, auf dem falschen Weg gewesen zu sein; sie hätten ihn ins Licht der Selbsterkenntnis und des Verantwortungsbewusstseins geführt. Er bereue, was er getan habe, und wünsche, dafür zu büßen.

Die Ausschussmitglieder hatten sich von den großen Worten nicht beeindrucken lassen. Sie hatten gemerkt, dass er ihnen nur einen Haufen Mist auftischte, und seinen Antrag auf bedingte Haftentlassung abgelehnt.

Aber mal angenommen, das Gewissen war tatsächlich ein innerer Dialog. Das verlangte abstrakte Vorstellungen, die Myron in seiner Beschränktheit nicht einmal in Erwägung zog. Doch Carl war es sowieso egal, ob Myron ein Gewissen hatte oder nicht. Der Typ tat, was ihm gerade in den Kopf kam, und basta. Genau deshalb hatte Carl ihn ausgewählt. Myron würde keine Muffen kriegen, wenn es unappetitlich wurde.

Der Kerl war selbst ein ziemlich unappetitlicher Typ, um nicht zu sagen grottenhässlich, mit seiner beinahe haarlosen weißen Haut. Nur die wulstigen Lippen leuchteten unnatürlich rot; die Iris seiner Augen hingegen waren praktisch ohne Farbe. Spärliche helle Augenbrauen und Wimpern ließen seinen ohnehin einfältigen Blick noch einfältiger wirken. Sein Haar war dünn, aber von grober Beschaffenheit, und stand, fast weiß, drahtartig von seinem Kopf ab.

Einen besonders unappetitlichen Anblick bot er gerade jetzt, wo ihm der zähe Saft der Nugatfüllung des Schokoladenriegels aus den Mundwinkeln troff.