: Christiane Geldmacher
: Love@Miriam Facebook-Krimi
: Bookspot Verlag
: 9783937357843
: 1
: CHF 1.80
:
: Spannung
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Harry Weingarten verbringt ein trostloses Silvester allein mit seiner Mutter. Seit einiger Zeit versucht er zwar, seine Ex-Freundin Miriam zurückzugewinnen, doch bisher ohne Erfolg. Er klickt sich auf dem sozialen Netzwerk Facebook bei ihr ein und hier tut sich für Harry eine ganz neue Welt auf - und eine neue Miriam. Die einen neuen Freund hat: Ben. Tag für Tag muss Harry nun mitlesen, was das glückliche Paar alles unternimmt. Sie machen Urlaubspläne, Wochenendausflüge, sie planen die Gründung einer Familie. Aktuelle Statusmeldungen wirken wie Tretminen. Spannungen bleiben nicht aus. Es kommt zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Harry und Ben. Und eines Tages steht die Mordkommission vor Harrys Tür. Die Ermittler Axel Keller und Oswald Skokan haben da ein paar Fragen an Harry ... Christiane Geldmacher beleuchtet die Alltagswelt in den sozialen Medien. Sie schaffen zwar neue Gemeinschaften, sind aber auch voller kommunikativer Fallstricke. In lakonisch dichter Sprache folgt sie ihren Protagonisten auf vielschichtigen Opfer-und-Täter-Irrwegen von Liebe, Eifersucht und Verrat. Was passiert, wenn man sich gegenseitig Tag und Nacht in Echtzeit beobachten kann? Der erste Facebook-Krimi - psychologisch hintergründig, mit lebendigen Charakteren und extrem spannend!

Christiane Geldmacher lebt und arbeitet als Autorin, Journalistin und Lektorin in Wiesbaden. Nach dem Studium der Germanistik, Amerikanistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften führten sie ihre Reisen durch Europa, die USA und Australien. Seit 2001 schreibt sie Kurzgeschichten, bloggt, facebookt und twittert. Mehr über die Autorin unter christiane-geldmacher.de - und natürlich auf ihrem Facebook-Profil!

 [1. Februar]


Begegne Miriam mit ein paar Freunden in der Kneipe. Ben ist natürlich dabei. Er trinkt viel Bier. Diese Leutchen von Miriam sind ein zähes Völkchen. Nicht einfach, mit denen ins Gespräch zu kommen. Gott sei Dank habe ich ein flashiges nachtblaues Schimmerhemd an. Die sind alle gut angezogen.

»Hi, Odile! Was geht?«, frage ich Miriams magersüchtige Freundin. Sie schaut mich an, als ob ich»Guten Abend, Schlampe!« gesagt hätte.

Von den anderen bekomme ich nur dürftigeJa/Nein-Antworten.

Ich mache mich an Thomas ran und halte ihm eine Kettlebell-Rede– Kraft geht bei Männern immer–, was aber kind of useless war, weil er in der Stadt diese Kettlebell-Workshops macht.

»Hör mal, Thomas…«

»Tom.« Er tippt lächelnd was in sein Smartphone.

»Tom. Cool.Also, hör mal…«

Er starrt weiter auf sein Smartphone.

Ach, Mist, denke ich, der Typ nervt.

»Ich hab mir letzte Woche die zweite Kettlebell bestellt. Wegen dem Nackencurl, you know! Dafür brauch ich’ne leichtere Kugel… Für den Snatch und den Turkish Get-Up nehm ich die 20er… was nimmst du denn für den Snatch, eh?«

Tom nimmt die 32er für den Snatch und die 40er für den Turkish Get-Up. Den Nackencurl macht er nur zum Aufwärmen.

Ich erwähne ein paar Namen von Kettlebell-Koryphäen, die ihm aber entweder nichts sagen oder die er nur Durchschnitt findet. Dann versuche ich es mit ein paar einschlägigen Kettlebell-Locations, die gerade Topratings haben, Köln, Hamburg, München, von den USA ganz zu schweigen, aber Tom hat sich Ben zugewandt, der seine fetten Pranken um Miriam gelegt hat.

»Lustige Farben haben die Kugeln!«, sage ich tapfer, als Tom sich wieder umdreht.

Ich meinte die Reebok-Kettlebells, aber Tom benutzt natürlich nur die puristisch-schwarzen Kanonenkugeln.

»Kennst du die von Reebok? Sie haben einen Haufen Klickzahlen gerade…«

Natürlich kennt er sie, immerhin ist er eine der Kettlebell-Koryphäen in einem Umkreis von hundert Kilometern, aber das muss einem ja auch erst mal gesagt werden.

»Ich stehe nur auf die schwarzen.«

»Ich habe die mandarinenfarbene am liebsten«,überlege ich, als hätte er nichts gesagt.»Das ist die 24er, glaube ich.«

»Reebok ist– wie gesagt– nicht meine Marke«, lächelt Tom.

»Hast du eine Lieblingsfarbe? Sagen wir mal– die schwimmhallenblaue?«

Das sei die 16er, erfahre ich, und Tom lässt durchblicken, dass die 16er so oder so nicht sein Niveau ist.

Ich versuche, mich an die Farbe der 32er zu erinnern. Er wird doch mal mit dem Gedanken gespielt haben, sie sich auch zu holen oder irgendeiner der Typen in seinen verdammten Kursen hatte eine? Gelb? Mit der hatte ich damals angefangen.

»Gelb? Die taugt doch nur zum mit-einer-Hand-Hochwerfen.«

»PINK! Die 32er-Reebok!«

Tom hat die Unterhaltung mit mir satt und redet jetzt mit Benüber irgendein Konzert, auf dem sie letzte Woche zusammen waren.

Habe dann noch ein paar Handy-Fotos von der ganzen Truppe gemacht und mich später an der Bar volllaufen lassen. Der Barkeeper kannte die Kettlebell auch und wir unterhielten unsüber die Herkunft des Turkish Get-Up.

Als ich die Fotos morgens auf Facebook bringe, kassiere ich fünf»NIMM DAS SOFORT WIEDER RUNTER!«

Ach, wisst ihr was?

Ihr könnt mich mal.

 

[2. Februar]


Caro wirft mit Schlagwörtern wieAssessment,Monitoring undControlling um sich und treibt mich in den Wahnsinn.

»Auf was für einem Planeten lebst du eigentlich?«, frage ich.»Wir befüllen hier Druckerpatronen! Schalt einen Gang runter! Halt die Luft an!«

Dauernd schleicht sie sich von hinten an mich ran. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Bruno hat sie darauf angesetzt, meine Arbeitsleistun