: Eva Lukas
: Ti amo sagt man nicht Ein Sommer voller Liebe
: Coppenrath Verlag
: 9783649611400
: 1
: CHF 8.90
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Wenn man sich küsst, verliebt man sich. Und wenn man sich verliebt, hat man ein Problem. Jedenfalls dann, wenn es der Falsche ist.' Absturz. Ungebremster Aufprall. Totalschaden. So fühlt Julia sich, als Niklas aus heiterem Himmel mit ihr Schluss macht. Für sie steht fest: So schnell wird sie sich nicht noch mal verlieben. Als ihre Mutter aber hinter ihrem Rücken für sie einen Schüleraustausch nach Italien organisiert, trifft sie dort auf den Sunnyboy Marco, der allen Mädchen den Kopf verdreht. Julia verschanzt sich hinter ihren Büchern und lässt Marco eiskalt abblitzen. Doch mit einem Mal überschlagen sich die Ereignisse und Julia muss sich entscheiden: Ist sie bereit, alles für die Liebe zu riskieren? Eine turbulente und warmherzige Geschichte über die erste grosse Liebe, Freundschaft, das Erwachsenwerden und die Beziehung zu den Menschen, die man liebt.

Eva Lukas wurde 1981 in München geboren. Sie studierte Germanistik, BWL und VWL und absolvierte nebenher noch Auslandsaufenthalte in Australien und Südamerika. Mittlerweile ist sie in der Medienbranche tätig und lebt mit ihrem Mann in München. Schon als Kind dachte sie sich Geschichten aus und träumte davon, Bücher zu schreiben. 'Ti amo sagt man nicht' ist ihr erster Roman - die Idee dazu hatte sie bereits als Teenager.

Wie bist du auf die Idee gekommen, an einem
Schüleraustausch teilzunehmen?

Wie ICH auf die Idee gekommen bin? Ehrlich gesagt: Es war gar nicht MEINE Idee! Mama hat die ganze Sache angeleiert und mich dann mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt, und zwar genauübermorgen vor einem Jahr, an meinem 15. Geburtstag…

7. August, 08:49 Uhr. Sagt der Funkwecker. Wenn er meint.

Ich liege im Bett, starre an die Decke und hülle mich ein in das Gefühl, dass mir alles egal ist. Egal, dass ich heute fünfzehn werde. Egal, dass alle, mit denen ich gerne gefeiert hätte, verreist sind. Egal, dass Niklas mich nicht wie sonst Punkt Mitternacht angerufen hat, um mir alles Gute zu wünschen. Egal, dass es draußen regnet und stürmt wie im Oktober…

7. August, 09:05 Uhr. Wenn der Flieger pünktlich ist, landet Niklas jetzt gerade in London Heathrow. Mama hat vorgeschlagen, dass wir zum Flughafen fahren, um uns zu verabschieden. Ich habe es ihr ausgeredet. Mit Mama am Flughafen, das hat mir gerade noch gefehlt! Ich kenne Mama: Niklas ist so etwas wie ein zweites Kind für sie, sie würde in Tränen ausbrechen, wenn er durch die Sperre geht, und ich müsste sie trösten. Das packe ich einfach nicht.

Mama hat es nur gut gemeint. Sie weiß ja nicht, dass zwischen Niklas und mir nichts mehr so ist, wie es mal war. Niklas ist mein bester Freund gewesen, solange ich denken kann. Jetzt ist er gar nichts mehr für mich. Nur Luft.

Und alles nur, weil wir uns geküsst haben.

Es war Niklas’ Idee gewesen. Er war es, der mich geküsst hat. Er war es, der gesagt hat:»Wir sind perfekt füreinander!«, und es sich dann andersüberlegt hat. Er war es, der alles kaputt gemacht hat.

Es passierte an einem Freitagabend vor fünf Wochen.

Auf der Freilichtbühne im Schulhof hat gerade die Premiere des neuen Stücks unserer Theater-AG stattgefunden. Ich bin mit Niklas und ein paar anderen hingegangen. Nach der Aufführung hat Niklas mich nach Hause gebracht, so wie immer, wenn wir abends zusammen unterwegs sind…

Es ist erst kurz nach neun Uhr. Mama ist noch nicht zurück, sie ist bei einer Kollegin zu einer Grillparty eingeladen. Im Kühlschrank steht ein Krug Eistee für uns. Wir setzen uns mit zwei großen Gläsern auf den Balkon und redenüber das Stück. Und dann, ganz plötzlich, beugt Niklas sich vor und küsst mich– einfach so, ohne Vorwarnung! Seine Lippen liegen sanft und zugleich herausfordernd auf meinen, und sie bringen mich völlig aus der Fassung, weil ich nicht weiß, was ich davon halten soll, davon, dass sich zwischen Niklas und mir etwas nicht vertraut anfühlt, sondern fremd– verwirrend fremd, aufregend fremd!

Der erste klare Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, ist: Verdammt, Bea hat also doch recht gehabt!

Bea ist das hübscheste Mädchen der ganzen Klasse, wahrscheinlich sogar der ganzen Schule, Typ Manga-Prinzessin. Sie kann sich vor Verehrern kaum retten und beansprucht für sich die oberste Autorität in Liebesangelegenheiten– vor allem in denen anderer Leute. Seit Wochen behauptet sie, dass Niklas total auf mich steht. Und seit Wochen wiederhole ich immer ein und denselben Satz:»Wir sind nur Freunde, Niklas und ich…« Und jetzt das!

Wie um Himmels willen kommt Niklas dazu, mich zu küssen? Er weiß doch ganz genau, dass ich vom Küssen nichts halte. Wenn man sich küsst, verliebt man sich. Und wenn man sich verliebt, hat man ein Problem. Jedenfalls dann, wenn es der Falsche ist. So wie bei Mama. Als Papa sie vor zwei Jahren verlassen hat, hat sie gelitten wie ein Schwein. Darauf habe ich keine Lust! Und ich habe schon genug Probleme, auch ohne dass ich mich verliebe!

»So wie du aussiehst, bin ich ein ganz miserabler Küsser!«, stellt Niklas fest; er grinst, als ob er sich nichts daraus macht, aber ich weiß genau, dass er nur den Gleichgültigen spielt. Er will immer der Beste sein, in der Schule, beim Sport– ganz egal, worum es geht. Er kann nichts dafür. Seine Eltern haben ihn so erzogen.

»Das ist es nicht…«, murmle ich,»ich weiß nur nicht, ob… ich meine, bist du dir sicher, dass wir…«

»Ganz sicher!«, unterbricht er mich.»Ich habe mir alles genauüberlegt. Du und ich, wir sind perfekt füreinander. Hundert Prozent.«

Ganz im Ernst: Welches Mädchen kann der Versuchung widerstehen, sich zu verlieben, wenn ein gut aussehender, intelligenter Junge sagt:»Wir sind perfekt füreinander. Hundert Prozent.«?!

Und dann nimmt er auch noch meine Hand und drückt sie und sagt:»Vertrau mir einfach!«

Ich versuche, logisch zu denken: Gibt es irgendeinen Grund, der dagegen spricht, Niklas zu vertrauen? Mir fällt, ehrlich gesagt, keiner ein…

Ich schließe die Augen. Niklas küsst mich noch einmal. Diesmal küsse ich ihn zurück. Es fühlt sich ganz gut an, sogar ziemlich gut, sehr gut, genauer gesagt! Nicht nur, weil Niklas gut küssen kann, sondern auch und vor allem deshalb, weil in meinem Leben endlich mal wieder etwas nach Plan läuft– zugegeben, nicht nach meinem Plan, sondern nach Beas, aber immerhin!

Ich bin so