: Christian Loeffelbein
: Percy Pumpkin - Band 2 Der Mumienspuk
: Coppenrath Verlag
: 9783649611363
: 1
: CHF 10.80
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die mysteriösen Vorfälle im Schloss Darkmoor nehmen kein Ende, und so beschliessen Percy, John und die Zwillinge Claire und Linda kurzerhand, eine Detektivgruppe mit Namen 'Die Knochenbande' zu gründen, um hinter die Geheimnisse des Schlosses und ihrer verschrobenen Verwandtschaft zu kommen. Schon bald müssen die Kinder ein zweites Mal vor der gefährlichen Monsterkrake fliehen, sie erfahren, welch finstere Macht das verschollene Familienoberhaupt Allan Darkmoor seiner Zeit von einer Ägyptenexpedition mitgebracht hat, und treffen in den versteckten Gängen im Schloss auf eine merkwürdige Mumie, die ihnen nach dem Leben zu trachten scheint. Doch erst die Entschlüsselung einer rätselhaften Botschaft führt Percy schliesslich in den Geheimraum von Allan Darkmoor, tief unter den Gemächern von Darkmoor Hall ...

Christian Loeffelbein, geboren 1968, hat in Kiel und Berlin Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Anglistik studiert. Nach dem Studium arbeitete er an einem Spielfilmprojekt, das auf mehreren Festivals aufgeführt wurde. Neben dem Verfassen weiterer Drehbücher für Spielfilme und Hörspiele hat er als Journalist für die 'Tageszeitung', die 'Hamburger Rundschau', die 'Allegra' und als leitender Redakteur für die Verlagsgruppe Milchstrasse gearbeitet. 'Percy Pumpkin' ist sein erster Roman.

»Kommt ihr mal langsam?«, rief Linda ihnen von oben entgegen.»Wir essen unseren Christmas-Pudding sonst ohne euch auf. Jimstirbt vor Hunger!«

Percy räusperte sich verlegen. Er kam sich wie ein Angsthase vor und nahm nun mehrere Stufen auf einmal, um schnell zu den anderen zu gelangen. Am Ende der Treppe steuerten er und John auf eine geöffnete Tür zu, durch die Linda gerade verschwunden war. Als sie das Zimmer dahinter betraten, wurde Percy sofort klar, was John mitseltsam gemeint hatte. Noch nie im Leben hatte er so viele ausgestopfte Tiere in einem Raum versammelt gesehen, nicht einmal im Naturkundemuseum von London. Es gab Dachse, Wildschweine, Hasen, Rebhühner, Fasane, Füchse, Igel, Hirsche, Rehe und sogar einen riesigen ausgestopften Büffel, dessen Augen im Kerzenlicht funkelten, als wäre er lebendig. Die vielen Tiere hätten schon gereicht, um dem Raum eine sehr eigentümliche Note zu geben, doch seine geheimnisvolle und gruselige Stimmung verlieh ihm vor allem ein großer Baldachin, dessen lilafarbener Stoff von einem Kranz in der Deckenmitteüber alle vier Wände des Zimmers gespannt war. Percy kam sich vor wie in einem ungeheuer großen Zelt.

»Ui, ist das kalt hier«, sagte John.

»Wir wär’s dann, wenn du mir beim Feuermachen hilfst?«, erwiderte Linda, die vor dem Kamin kniete.

Während die beiden mit Streichhölzern und Zunder hantierten, hielten Percy und Claire das einzigelebendige Tier im Raum davon ab, den Christmas-Pudding aufzuessen.

Jim bellte vorwurfsvoll, aber Claire blieb hart.»Du bekommst erst etwas, wenn wir alle am Tisch sitzen.«

Lange brauchte sich der Hund allerdings nicht mehr zu gedulden. John war erstaunlich gut darin, ein Feuer zu entfachen, vielleicht weil er befürchtete, dass sein Christmas- Pudding sonst doch noch in Jims Magen landen könnte. Als schließlich alle mit ihren Kuchentellern um den kleinen Teetisch herumsaßen, verstand Percy, warum die Darkmoors so ein Theater um den Weihnachtsnachtisch machten. Für einen Moment vergaß er alles, was ihn bedrückte. Er hatte das Gefühl, dass jede Rosine, Mandel oder kandierte Kirsche in Brendas Christmas-Pudding ein kleines Feuerwerk in seinem Mund veranstaltete und dass die Aromen der Gewürznelken, des Zimts und der Orangen bald nicht nur seinen Mund, sondern seinen ganzen Körper ausfüllten.

Als sie mit Essen fertig waren, schlug John vor, Murmeln zu spielen, Linda wollte eine Expedition in die Tiefen des Ostflügels veranstalten, und Claire meinte, ein merkwürdiges Geräusch im Garten gehört zu haben. Die drei redeten eine Weile wild durcheinander, dann lief Claire zum Fenster, John holte trotzig seine Murmeln aus der Tasche und Linda ging zu einer Tür neben dem Kamin.

Plötzlich gab Claire ein bedeutsames Zischen von sich und winkte die anderen zu sich heran.»Kommt her! Da passiert etwas vor dem Schloss!«

John stand schwerfällig auf, während Linda und Percy so schnell wie möglich zum Fenster liefen.

»Los, los, du Dickmops«, drängte Claire.»Wir müssen den Vorhang hinter uns zuziehen, sonst bemerkt man uns von draußen.«

Nun war auch John neugierig geworden und drängelte sich ohne eine Beschwerdeüber den»Dickmops« zu den anderen vor die Scheibe. Dann schloss Claire den Vorhang hinter ihnen.

»Man erkennt ja gar nichts«, nörgelte John, aber Claire stieß ihm den Ellenbogen in die Seite.

»Hättet ihr nicht so getrödelt, hättet ihr gesehen, was ich meine.« Sie drückte ihre Nase an der Fensterscheibe platt.»Irgendetwas geht da unten vor sich.«

»Was meinst du denn mitirgendetwas?«, wollte Linda wissen.

Jim bellte aufgeregt, weil er auch zum Fenster hinausschauen wollte. Er wedelte fröhlich mit dem Schwanz und stemmte seine Vorderpfoten auf die Fensterbank.

»Da war ein Schatten, der sich bewegt hat«, antwortete Claire leise, während sie in die Dunkelheit spähte.

»Da draußen sindjede Menge Schatten«, bemerkte John.

»Wir müssen kurz die Augen schließen.« Percy strich sich nervös durch seine Locken und kratzte sich an der Stirn. Irgendwie war erüberzeugt, dass Claire tatsächlich etwas Beunruhigendes entdeckt hatte.»Wenn wir sie dann wiederöffnen, haben sich unsere Pupillen an die Dunkelheit gewöhnt, und wir können viel besser sehen.«

»Schlaues Kerlchen«, sagte Claire und folgte seinem Vorschlag.

»Das macht der Held in dem Roman so, den ich gerade lese«, erklärte Percy.»Das Buch heißtDer unheimliche Abt und der Held befindet sich in einem Kellergewölbe mit einem Sarg. Also, er glaubt, dass es ein Sarg ist, aber dann stellt sich heraus, dass es eine Eiser…«

»Schon gut«, unterbrach ihn Claire.»Können wir die Augen jetzt wieder aufmachen?«

»Ich glaube, schon.« Percy blickte erneut aus dem Fenster und tatsächlich waren die steinernen Löwen und die Hecken nun viel besser zu erkennen.

»Es war dahinten«, sagte Claire.»Bei der Zugbrücke.«

»Stimmt, da kauert irgendetwas«, meinte Linda. Jim begann, leise zu knurren, obwohl er bei geschlossenem Fenster unmöglich eine Witterung aufnehmen konnte.

»Meine Güte!«, entfuhr es John. Der kauernde Schatten war auf einmal aufgesprungen und ins Torhaus gelaufen!

»Das muss der elende Spion der McMurdochs sein, der das Rezept von unserer Worcestershire-Sauce klauen will!«, rief Claire aufgeregt.»Los, den schnappen wir uns!«

Jim bellte ein paarmal und schien sich sehr darüber zu freuen, dass etwas Aufregendes passierte. Ganz im Gegensatz zu John.»Ich mache da nicht mit«, weigerte er sich.»Als wir letzte Woche auf eigene Faust Brendas Mörder schnappen wollten, ist Percy fast im Moor versunken und dann… He, jetzt wartet auf mich! Ihr könnt mich doch nicht allein zurücklassen!«

»Wenn wir uns nicht beeilen, entwischt er uns!«, schrie Claire und stürmte