Philip traute seinen Augen nicht. Am Ende der steinernen Treppe befand sich tatsächlich ein Kellergewölbe, genau wie Dolores es ihm beschrieben hatte. Sein Herz begann, unangenehm schnell zu schlagen, und die Innenflächen seiner Hände wurden schwitzig, sodass ihm die Taschenlampe zu entgleiten drohte. Bei dem Gedanken, in diesem unheimlichen Gemäuer ohne Licht dazustehen, wurde ihm schwindelig. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und hielt sich an der feuchten Wand fest. Dann taumelte er die letzten Stufen nach unten.
Der Sarkophag stand aufrecht in der Mitte des Raums. Philip schnappteüberrascht nach Luft. Dolores hatte die Wahrheit gesagt! Erärgerte sich, dass er Dr. Fowler Glauben geschenkt und ihm sogar dabei geholfen hatte, seine Cousine ins Irrenhaus einzuweisen.
Der Schein der Taschenlampe warf bizarre Schatten an die Wände, und für einen Augenblick hatte Philip den Eindruck, dass der Deckel des Sarkophags sich langsamöffnete. Er schüttelte den Kopf, um das Hirngespinst zu vertreiben.
Da ließ ihn einÄchzen und Stöhnen erstarren. Der Deckel des Sarkophags bewegte sich tatsächlich! Philips Kehle war wie zugeschnürt und seine Beine versagten ihm den Dienst. Stocksteif stand er da und sah mit an, wie sich eine knochige Hand aus dem Grab hervorschob… Ein erneuter Schwindelanfallübermannte ihn und er schloss die Augen. Als er sie wiederöffnete, erkannte er, dass weder Dolores noch Dr. Fowler recht gehabt hatten: Vor ihm stand kein Sarkophag, sondern eine Eiserne Jungfrau, das schlimmste Foltergerät, das je gebaut worden war, mit spitzen Dornen, die sich in den Leib desjenigen bohrten, der darin gefangen war.
DasÄchzen und Stöhnen wurde lauter, und im nächsten Augenblick geschah das, wovor Philip sich so sehr gefürchtet hatte. Die Taschenlampe entglitt ihm und rollte unter einen Schrank. Schlagartig war der Gewölbekeller in tiefste Dunkelheit gehüllt…
»Hast du deinen Koffer gepackt, Liebling?«
Percy schreckte hoch. Seine Mutter hatte den Kopf durch die Zimmertür gesteckt und lächelte ihn fröhlich an.
Hastig klappte Percy das Buch zu und schob es unter die Bettdecke.»Alles fertig«, versicherte er ihr, obwohl das nicht ganz stimmte. Denn er wollte noch eins seiner neuen Bücher mit in die Weihnachtsferien nehmen, aber er konnte sich einfach nicht zwischenDer unheimliche Abt undDas blutige Leichentuch entscheiden.
Percy hatte seit einiger Zeit eine Vorliebe für Kriminal- und Schauergeschichten. Eigentlich durfte er sie noch nicht lesen, aber Miss Samson aus der Leihbücherei drückte meist ein Auge zu und gab sie ihm trotzdem mit. Seine Eltern merkten das nie, da sie sich nicht für Romane interessierten. Für sie war ein Buch wie das andere.
Schließlich entschied sich Percy für denUnheimlichen Abt, in dem er gerade gelesen hatte. Doch schon stand er vor dem nächsten Problem: Der Band war viel zu dick für seinen Koffer. So sehr Percy auch drückte und presste, der Lederdeckel ging einfach nicht zu.
»Hast du auch ganz bestimmt alle Pullunder eingepackt?« Der Kopf seiner Mutter war erneut in der Tür seines kleinen Zimmers erschienen.»In Worcestershire gibt es oft Schneeüber Weihnachten.«
»Ja