Geben
Über das glitzernde Mittelmeer glitt majestätisch eine schneeweiße Jacht mit messingglänzenden Beschlägen, in denen sich die Mittagssonne spiegelte. In einigen Kilometern Entfernung folgte ihr wie ein hässliches Entlein ein grauer Zerstörer der Royal Navy, von dem aus ein Helikopter mit knatternden Rotoren aufstieg. An seiner Unterseite trug er die Aufschrift„Buford Eagle“, damit auch jeder sofort sah, dass dieses Luxusgerät dem Milliardär Lord Buford of Weatherskin gehörte.
Lord Bufords Hubschrauber hatte von dem Zerstörer soeben eine kleine Reisegruppe abgeholt: Chiefinspector Sir Phileas Fitzmorton, Lady Judith Crimpleby und Detective Sergeant John Miller, alle drei sommerlich hell gekleidet, vereint in der munteren Neugier, was ihnen nun in der Welt der Superreichen bevorstehen würde. Selbst Lady Judith, die aus einem sehr wohlhabenden Elternhaus stammte, war noch nie auf einer derart noblen Jacht gewesen.
Bereits der Anflug auf das elegant mit schäumender Bugwelle durch das azurblaue Meer gleitende Achtzig-Meter-Schiff von Lord Isaak Buford of Weatherskin hatte sie etwas von dieser Welt erahnen lassen, in die sie nun eintauchen sollten, denn auch der Hubschrauber war luxuriös mit beigen Kalbsledersesseln und einem weichen cremefarbenen Teppich ausgestattet. Die Schlösser der Sicherheitsgurte schienen aus Gold zu sein, was zwar die Sicherheit nicht erhöhte, aber ungemein beeindruckend war. Es roch hier, nein, es stank geradezu nach Reichtum, etwas allzu aufdringlich für Fitzmortons dezenten Geschmack.
„Was macht Ihr Schnupfen?“, fragte Fitzmorton seinen Assistenten besorgt. Miller war viel zu aufgeregt, um seine Hypochonderrolle derzeit interessant zu finden.
„Wie weggeblasen, Sir! Ich fühle mich gesund wie ein junger Mops, mopsfidel sozusagen.“
„Nach Ihnen müssen sich die Mädels ja reihenweise umsehen, Sergeant!“, schmeichelte Lady Judith dem sanft errötenden John Miller, der mit seinem Panamahut und der verspiegelten Sonnenbrille aussah wie ein italienischer Mafioso.
Fitzmorton trug, auf Rat von Lady Judith, einen leichten, beigen Leinenanzug mit offenem, hellblauem Seidenhemd. Lady Judith, halb verborgen unter einem eleganten, elfenbeinfarbenen Hut, vervollständigte die Show mit einer brillantbesetzten Sonnenbrille und einem fünfreihigen Perlencollier mit einer brillantglitzernden Schließe. Ihre perfekten Beine wurden von einem blassrosa Seidenkleid umschmeichelt, an den Hacken ihrer Stöckelschuhe glitzerten winzige Steine, echte natürlich.
„Übertreibst du es mit deinem Outfit nicht etwas?“, hatte Fitzmorton sie gefragt.
„Ach wo, du wirst schon sehen, ich bin noch harmlos gegen das, was uns dort vermutlich erwartet.“ Fitzmorton begann, sich unwohl zu fühlen… er hätte diesen Fall lieber doch nichtübernehmen sollen.
Der Hubschrauber setzte am späten Nachmittag butterweich auf der mit Teakholz beplankten Landeplattform der„Piranha III“ auf. Ein blütenweiß uniformierter Steward riss den Türschlag auf und half allen aus dem Hubschrauber an Deck. Dann führte er sie zum Achterdeck, wo eine kleine Gruppe sie neugierig erwartete.
Während eine vor aufgeregtem Vergnügen vibrierende Lady Pamela Buford sofort Lady Judith in Beschlag nahm, um sie den Anwesenden vorzustellen, wurden Fitzmorton und Miller von Captain Wilkins unverzüglich und auf direktem Weg in den Privatsalon des Pressemagnaten geleitet. Ehe Fitzmorton etwas sagen konnte, nahmen sich lautlos herbeigeeilte Stewards ihres Gepäcks an.
Im Salon erwartete sie ein kleiner Mann mit Schmerbauch, geröteten Wangen und einem weißen Haarkranz, mit einer Zigarre zwischen den wulstigen Lippen.
„Willkommen die Herren, schnelle Reise nenne ich das. Heute Morgen angerufen und schon hier. Phil, John, einen Drink? Ich bevorzuge Whisky, aber …“
Lord Buford wies ihnen mit seiner Zigarre die Richtung zur Bar, die reichlich gefüllt war mit Flaschen aller Farben und Formen sowie einem schief lächelnden Dressman, der sich als Barmann Luigi vorstellte.
Fitzmorton begnügte sich mit einem Bitter Lemon, während Miller der Versuchung eines Glases Champagner nicht widerstehen konnte. Buford blickte zur Tür und augenblicklich verließ Luigi geräuschlos den Raum.
„Wir sollten uns wohl zuerst die Leiche ansehen, Mylord“, meinte Fitzmorton.
„An Bord bin ich Isaak oder Buffy für meine engen Freunde. Was die Leiche betrifft, die läuft uns nicht so schnell weg, ich hab sie auf Eis legen lassen, haha.“
„Oh nein, der Tatort…“, maulte Miller.
„Keine Sorge, junger Mann, hab vorher alles von einem Fachmann fotografieren lassen. Wir haben sonst nichts verändert oder weggenommen, der Conte liegt unten beim Hummer, haha, da gehört er doch auch hin, oder? Seine Kabine habe ich persönlich abgeschlossen und versiegelt. Seit heute Morgen steht ein verlässlicher Mann Wache davor, damit da niemand rumschnüffelt.“ Er warf Miller mit spitzen Fingern einen Schlüssel zu, als wär’s die Eintrittskarte zur Hölle.
„Also, Sir,äh, Isaak, Sie haben uns an Bord kommen lassen, a