: Peter Hardcastle
: Fitzmorton und der lächelnde Tote Kriminalroman
: Bookspot Verlag
: 9783937357256
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 232
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mord! Phileas Fitzmorton, der hinkende Inspektor von Scotland Yard, und sein Assistent Sergeant John Miller werden auf den Landsitz von Sir Travis Crimpleby gerufen. In dem vornehmen Gutshaus wurde ein pensionierter Oberst erschossen aufgefunden. Eines ist seltsam: Der Tote hält eine Bibel in der Hand, und er lächelt ... Eine scheinbare Idylle, unterdrückte Leidenschaften, verbotene Liebe und jede Menge Verdächtige - Inspektor Fitzmorton muss sich mächtig ins Zeug legen, um den kaltblütigen Mörder zu entlarven! Fitzmorton hat das Zeug zur schrulligen Kultfigur - sein erster Fall: humorvoll, schnörkellos und spannend erzählt!

Peter Hardcastle, Jahrgang 1950, verbrachte seine Kindheit in Afghanistan und Indonesien, in dieser Zeit Reisen im gesamten Mittleren und Fernen Osten. Nach dem Studium (Jura, Geschichte und Literatur) Besuch der Deutschen Journalistenschule in München. Sammelte als Regieassistent Theatererfahrungen, arbeitete als Journalist und Autor, lebt heute als Fachzeitschriftenverleger in München. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter Krimi-Anthologien und die Kriminalromane 'Fitzmorton und der lächelnde Tote', 'Fitzmorton und der sprechende Tote' und 'Fitzmorton und der reisende Tote', die alle im Bookspot Verlag erschienen sind.

Fitzmorton und der lächelnde Tote

Eine wirkliche Idylle, dieses Crimpleby Manor. Ein Tudorbau aus rotem Backstein, eingebettet in das saftige Grün eines gepflegten Gartens, um den sich einige in Naturstein erbauteältere Cottages gruppierten. Im hinteren Teil des Gartens stand ein weißes Gartenhaus, dessen pseudo-orientalischer Stil an Kurorte wie Baath erinnerte. Hübsch hier, dachte Detective Inspector Phileas Fitzmorton und genoss die morgendliche Idylle. Seufzend wandte er sich vom Fenster ab und seinem stillen Gastgeber zu. Der sehr blasse Sir Travis George Llewelyn Crimpleby, vierter Baron Crimpleby, Fideikommissherr und Lord of the Manor von Crimpleby Manor in Briswith-upon-Crye, nebenbei Brigadegeneral a. D. und Friedensrichter, konnte ihn nicht mehr willkommen heißen, denn er war tot.

Mit leicht nach vorne geneigtem Kopf saß er in einem schweren grünen Ledersessel mit Messingnagelverzierung am erloschenen Kamin. Die eine Hand hing schlaffüber der breiten Armlehne, die andere lag wie ein Lesezeichen in der geschlossenen Bibel in seinem Schoß.

Ein längliches Pferdegesicht unter straff nach hinten gebürsteten, grauen Haaren mit einer spitzen, leicht nach oben gebogenen Nase verlieh Sir Travis ein nahezu pubertäres Aussehen, das nur durch den kräftigen Schnurrbart gemildert wurde. Ein männliches Gesicht, doch gleichzeitig zu weich durch eine dicke Habsburger Unterlippe.

Inspector Fitzmorton hatte einmal einen Raubmörderüberführt, der eineähnlich dominante Lippe gehabt hatte. Höflich, leise und weinerlich war der Kerl gewesen, hinter dieser Maske aber verschlagen und eiskalt. Das waren oft die Gefährlichsten. Aber dieser da… ? Welche Geschichte verbarg sich hinter diesem Gesicht? Sir Travis war erst am frühen Morgen entdeckt worden. Seltsam.

Die Bibliothek mit den eleganten Regencymöbeln wirkte in der milden Morgensonne einladend. Der weiche, blutrote Afghanteppich mit dem Elefantenfußmuster, die hohen Mahagoniregale und die vielen Bücher, zum großen Teil mit kostbaren, goldgeprägten Ledereinbänden, die schweren Vorhänge, alles in diesem Raum atmete die typische Atmosphäre nobler Lebensart, die auf einem in Generationen angehäuften Reichtum gegründet war.

Hier war noch alles an seinem Platz und würde es wohl in hundert Jahren noch sein. Landadel, ererbter Wohlstand, Sicherheit, Langeweile.

Superintendent Pillbody Somerset-Jones von der County Police hatte dem Inspector verschwörerisch verraten:„Sir Travis war früher ein hohes Tier im Innenministerium. Erst hoch dekorierter Berufssoldat und später geheime Aufträge und so weiter, na, Sie wissen schon.“ Fitzmorton hasste diese Phrase, denn er wusste natürlich nichts. Wenn man seinen Tod in Betracht zog, dann war das Leben von Sir Travis bestimmt nicht langweilig gewesen und zuweilen wohl auch gefahrvoll.

Sir Travis lächelte. Inspector Fitzmorton versuchte in diesem seltsamen Lächeln einen etwas gequälten Zug zu entdecken, aber nein, der Tote lächelte einfach nur! Man hätte meinen können, er döse lediglich ein wenig vor sich hin, so friedlich zurückgelehnt lag er in seinem bequemen Ledersessel, der Kopf leicht nach vorne gesunken. Nur seine halb geöffneten Augen, die ins Nichts starrten, passten nicht so recht zu diesem eigenartigen Lächeln.

Fitzmorton hatte unwillkürlich den Eindruck, dass Sir Travis seinen Mörder gekannt und bis zur letzten Sekunde nicht wirklich ernst genommen hatte. Vielleicht so wie ein Vater, der sichüber die ersten amourösen Versuche seines frühreifen Sohnes mit dem Hausmädchen amüsiert. Er hatte noch nie ein Mordopfer mit einem derartigen Lächeln im Gesicht vor sich gehabt, und er hatte schon einige gesehen.

Sich etwas unschlüssigüber seinen dünnen Kinnbart streichend, hinkte Fitzmorton um den Sessel herum und betrachtete den Einschuss in der Schläfe des Toten aus nächster Nähe. Unter dem Ansatz der schütteren grauen Haare war ein kleines, fast kreisrundes Loch.

Nur wenig Blut war aus der Wunde ausgetreten,über der sich die blasse Haut schon wieder fast ganz zusammengezogen hatte. Ein dünner, verkrusteter Blutfaden war bis zum Kinn gelaufen. Dort war das Blut zu einem Schorfpunkt getrocknet. Noch nicht einmal der teuer aussehende Hausmantel war verschmutzt. Der Mörder musste ein ungewöhnlich kleines, aber dennoch sehr wirksames Kaliber benutzt haben. In jeder Hinsicht eine saubere Arbeit.

Ausnahmsweise einmal ein beinahe angenehmer Leichnam. Inspector Fitzmorton bemerkte zu seiner eigenenÜberraschung, dass ihn sein Magen entgegen der sonstigen Gewohnheit nicht mit aufkommenderÜbelkeit peinigte. Trotzdem empfand er ein spöttisch lächelndes Mordopfer als obszön, so als wolle der Täter damit einen geplagten Scotland Yard Detective verhöhnen.

Er betrachtete die auf den Knien des Toten liegende goldverzierte, in weinrotes Schweinsleder gebundene, anglikanische Bibel. Sie passte in ihrer gediegenen Ausstattung zur teuren, etwas abgetragenen grauen Tweedhose, die unter dem seidenen