: Tom Wolfe
: Back to Blood
: Karl Blessing Verlag
: 9783641096816
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 768
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?
Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Tom Wolfe, 1930 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. fürThe Washington Post,Esquireund arper's. In den 1960er-Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des"New Journalism". Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (National Book Award u.a.) war mit Büchern wieThe Electric Kool-Aid Acid Test (1968) international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er mitFegefeuer der Eitelkeiten(1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten mitHooking Upeine Sammlung von Essays und Erzählprosa (Blessing 2001) und weitere erfolgreiche Romane, darunterIch bin Charlotte Simmons(Blessing 2005) und der SPIEGEL-BestsellerBack to Blood(Blessing 2013). Zuletzt erschienDas Königreich der Sprache(Blessing 2017). Tom Wolfe verstarb im Mai 2018 in New York.

Prolog

Wir sind jetzt
in Mii-ah-mii

You …

You …

You … edit my life … You are my wife, my Mac the Knife — der Witz daran ist, dass er zwar der Chefredakteur vomMiami Herald ist, einer der fünf oder sechs bedeutendsten Zeitungen der Vereinigten Staaten, dasssein Chef aber sie ist. Sie … ist …sein Chef. Letzte Woche hatte er völlig vergessen, im Internat seines Sohnes Fiver anzurufen, in Hotchkiss, bei dem Rektor mit der sanierten Hasenscharte, und Mac, seine Frau, seine Mac the Knife, war verständlicherweise verärgert gewesen … aber dann hatte er ihr mehr schlecht als recht zur Melodie von »You Light Up My Life« seinen kleinen Reim vorgesungen.You … edit my life … You are my wife, my Mac the Knife — und da musste sie gegen ihren Willen lächeln, und das Lächeln löste ihre Laune in Luft auf, dieIch-hab-genug-von-dir-und-deiner-Liederlichkeit-Laune. Würde das jetzt vielleicht noch mal funktionieren? Würde er noch einmal den Mut dazu aufbringen?

Im Augenblick hatte Mac das Kommando. Sie saß am Steuer ihres geliebten und grotesk beengten, brandneuenMitsubishi Green Elf Hybrid, eines momentan todschicken und moralisch erleuchteten Fahrzeugs. Sie rollten auf dem Parkplatz des Balzac’s, Miamis Jahrhundertnachtklub des Monats gleich um die Ecke vom Mary Brickell Village, an lückenlosen Reihen mit Seitenspiegel an Seitenspiegel parkenden Autos vorbei und suchten vergeblich nach einem freien Platz.Sie fuhrihren Wagen. Diesmal war sie verärgert — und ja, wieder einmal verständlicherweise — weil seine Liederlichkeit dafür verantwortlich war, dass sie sich hoffnungslos verspätet auf den Weg zum Balzac’s gemacht hatten, weshalb sie darauf bestanden hatte, ihren Green Elf zu nehmen, um zum coolsten aller Nachtklubs zu fahren. Wenner fahren würde, in seinemBMW, würden sieniemals rechtzeitig ankommen, weil er nämlich ein dermaßen langsamer und zum Verrücktwerden vorsichtiger Fahrer war … und er fragte sich, ob sie damit nicht eigentlich ängstlich und unmännlich meinte. Wie auch immer, sie übernahm die Rolle des Mannes, und der Elf zischte zum Balzac’s wie ein geölter Blitz, und da waren sie nun, und Mac war gar nicht glücklich.

Drei Meter über dem Eingang des Restaurants war eine riesige Kunststoffscheibe angebracht, knapp zwei Meter im Durchmesser und knapp einen halben Meter dick, darin eingelassen eine Büste von Honoré de Balzac, eine »Nachempfindung« — so bezeichnen Künstler heutzutage ein Plagiat — der berühmten Daguerreotypie von Nadar. Balzacs Augen waren so verändert worden, dass sie genau in die Augen des eintretenden Gastes blickten, und die Lippen waren an den Mundwinkeln zu einem breiten Lächeln angehoben worden. Der »Nachempfinder« war ein begabter Bildhauer und hatte drinnen eine Lichtquelle angebracht, die die gewaltige Kunststoffscheibe mit einem goldenen Schimmer durchdrang.Tout le monde war begeistert. Das Licht hier draußen auf dem Parkplatz war allerdings miserabel. Industrielaternen auf hohen Masten schufen ein trübes elektrisches Zwielicht, das den Palmwedeln eine eitrig gelbe Farbe verlieh. »Eitrig gelbe Farbe« — na also. Ed fühlte sich klein, klein, klein … festgeschnallt auf dem Beifahrersitz, den er ganz hatte zurückschieben müssen, damit er in Macs klitzekleinem, grasig grünem Green Elf genügend Platz für seine langen Beine hatte. Er kam sich vor wie der Doughnut, der spielzeugkleine Reservereifen im Kofferraum des Elf.

Mac, ein großes Mädchen, war gerade vierzig geworden. Schon vor achtzehn Jahren, als er sie in Yale kennengelernt hatte, war sie ein großes Mädchen gewesen … kräftige Knochen, breite Schultern, groß, fast eins achtzig … schlank, geschmeidig, stark, eine Athletin hoch drei … sonnig, blond, voller Leben … Atemberaubend! Einfach umwerfend, sein großes Mädchen! In der Kategorie der um