Die Frau in der Ecknische starrt mich an.
Sie scheint schon älter zu sein, etwa 45, aber vielleicht ist auch ihr hartes Leben der Grund für ihr Aussehen. Viele Leute hier haben ein hartes Leben. Das Restaurant liegt schließlich nicht umsonst in Hunters Point.
Ihr Haar ist braun und strähnig, und trotz der Wärme, die im Diner herrscht, trägt sie noch immer einen zerschlissenen gelben Mantel. Der Raum ist erfüllt von klirrendem und schabendem Besteck, dem Schlürfen der Getränke und den dröhnenden Unterhaltungen der Arbeiter – eine Klasse, der auch ich früher angehörte –, doch nichts davon scheint die Frau zu erreichen. Es ist, als habe sie alles bis auf mich aus ihrem Bewusstsein verbannt. Ich bin das Ziel ihres Hasses, der der fürsorglichen, aggressiven Angst um ihr Kind entspringt.
Ihr kleiner rothaariger Junge bekommt von ihrem Starren nichts mit. Er hat Schmutzflecken im Gesicht und gibt genüssliche Geräusche von sich, während er eine Schale Schokopops verschlingt. Die roten Haare hat er wahrscheinlich von seinem Vater. Ich frage mich, ob die Schlampe überhaupt weiß, wer sein Vater ist.
Die meisten Menschen starren mich nur kurz oder aus den Augenwinkeln an. Wenn ich den Kopf hebe, sehen sie weg. Doch diese Frau nicht. Sie starrt mir geradezu ein Loch in den Schädel. Ich habe sie bereits zweimal direkt angesehen, einmal mit einem Lächeln und einmal mit aller Empörung, die ich in meinen Blick legen konnte, doch dieser zweite Blick dauerte nur wenige Sekunden, bevor ich mich abwenden musste. Ihr hasserfülltes Starren veränderte sich nicht im Geringsten. Wenigstens blieb sie so lange, bis sie ihre Mahlzeit beendet hatte. Die einzige andere Frau mit Kind in diesem Diner war aufgestanden und nach draußen gegangen, kaum dass ich mich an die Theke gesetzt hatte. Sie ließ einen Zwanziger für ihren Kaffee und ihren Bagel liegen und verschwand einfach. Dadurch blieben der Kellnerin nur zwei Dollar Trinkgeld. Das ist nicht viel, aber ich glaube nicht, dass sich die Frau viele Gedanken über die Gefühle der Kellnerin machte.
Es sind noch einige andere Gäste im Diner, und ich vermute, dass einige von ihnen wissen, wer ich bin. Diejenigen, auf die das zutrifft, kennen mein Gesicht aus den vielen Nachrichtensendungen von vor fünf Jahren. Einigen von ihnen ist klar, dass ich zu Unrecht verurteilt wurde. Sie wissen, dass ich kein Kinderschänder bin. Aber dieses Wissen scheint im kollektiven Gedächtnis der Öffentlichkeit nach und nach zu verblassen. Immer häufiger werde ich einfach nur angestarrt, oder mein Erscheinen sorgt dafür, dass die Leute ihre halb gegessenen Bagel zurücklassen und ihr fünf Jahre altes Kind an seinem mit Streichkäse verschmierten Ärmel aus dem Diner zerren.
Ich scrolle mich durch die digitale Speisekarte und betrachte die Fotos der verschiedenen Gerichte auf der Oberfläche der Theke. Am unteren Rand leuchtet eine Werbung für Rol-Aids auf, während Sportergebnisse und Aktienwerte oben von rechts nach links laufen. Meine Giants haben ihr fünftes und sechstes Match verloren; beide Begegnungen gehörten zu einem Doppelspieltag gegen Oakland. Einige Dinge ändern sich nie. GenTel ist um zwei dreiachtel Punkte gestiegen. Ich frage mich, was die starrende Frau sagen würde, wenn sie wüsste, dass ich durch diese kleine Wertsteigerung gerade um weitere Hunderttausend reicher geworden bin. Sie würde mir nicht glauben, wenn ich es ihr erzählte, aber ich bezweifle ohnehin, dass sie Inter