: Sandra Brown
: Wie ein reißender Strom Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641102555
: 1
: CHF 11.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 608
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Spiel der Gefühle kennt keine Regeln

Ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit erfährt Banner Coleman, dass ihr Verlobter sie schändlich betrogen hat. Aber Banner denkt gar nicht daran, sich in die Rolle der verlassenen Braut zu fügen. Aus Trotz verbringt sie ihre Hochzeitsnacht nicht wie geplant in seidigen Laken, sondern auf dem Heuboden im Stall – mit Jake Langston, einem Freund ihrer Eltern. Ein Skandal liegt in der Luft! Denn ihre spontan entflammte Leidenschaft weckt Erinnerungen an eine andere verbotene Liebe, die vor zwanzig Jahren die texanische Erde erbeben ließ …

Sandra Brown arbeitete als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman »Trügerischer Spiegel«auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der »New York Times«-Bestsellerliste erreicht! Ihr endgültiger Durchbruch als Thrillerautorin gelang Sandra Brown mit dem Roman»Die Zeugin«, der auch in Deutschland zum Bestseller wurde. Seither konnte sie mit vielen weiteren Romanen ihre Leser und Leserinnen weltweit begeistern. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.

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Es war Banner Colemans Hochzeitstag.

Sie fühlte sich jeder Zoll eine Braut, als sie, durch einen blumenbedeckten Wandschirm vor den Blicken der anderen verborgen, hinten in der Kirche wartete. Sie betrachtete die Leute, die einen Samstagnachmittag geopfert hatten, um zu sehen, wie sie Grady Sheldon heiratete.

Fast ganz Larsen war eingeladen worden. Und der Menschenmenge nach zu urteilen, die rasch die Kirchenbänke füllte, schienen alle, die eine Einladung erhalten hatten, ihren Sonntagsstaat angezogen zu haben und hierhergekommen zu sein.

Banner bewegte leicht die Füße; sie mochte das Rascheln des Seidenkleides um ihre Beine. Der Rock war modisch eng und über den passenden Satinpumps gerafft. Der üppige Stoff war hinten in einem weichen Bausch zusammengerafft, von dem eine kurze Schleppe herabfiel. Die Tüllpasse ihres Kleides, die sich unter ihrem Kinn wie der Kelch einer Lilie öffnete, war mit winzigen Perlen bestickt. An der sanften Wölbung ihrer Brüste war der Tüll auf die darunterliegende Seide aufgesetzt. Es war ein aufreizender Schnitt, zumal er Banners wohlgeformte Figur eng umschloss, er war aber auch von süßer Jungfräulichkeit. Der Spitzenschleier, der ihr Gesicht bedeckte, war von Larsens bester Schneiderin direkt in New York bestellt worden.

Normalerweise liebte Banner glühende Farben, aber das elfenbeinfarbene Hochzeitskleid bildete einen vollkommenen Kontrast zu ihrem rabenschwarzen Haar. Ihr Teint hatte die Farbe reifer Aprikosen – nicht buttermilchblass, wie es gerade Mode war –, weil sie gerne draußen in der Sonne verweilte, ohne den Schutz eines Schirmes, den wirkliche Damen als notwendig erachteten.

Von ihrer Mutter hatte sie die Neigung zu Sommersprossen auf der Nase geerbt. Dieser Makel wurde von den Damen in den Nähkränzchen heftig beklagt. »So ein hübsches kleines Ding, wenn sie nur besser auf die Sonne achten würde!« Banner hatte sich schon seit Langem mit ihrem Gesicht abgefunden. Es war nicht im klassischen Sinne schön, aber sie mochte es. Über so etwas Banales wie ein paar Sommersprossen konnte sie sich keine Sorgen machen. Außerdem hatte Mama sie auch. Und Mama war schön.

Ihre Augen hatte sie von beiden Eltern. Papas waren grün, Mamas whiskyfarben. Die Farbe ihrer Augen lag irgendwo dazwischen – gold mit grünen Einsprengseln. »Katzenaugen« nannten manche sie. Aber das stimmte nicht ganz, denn es war kein Grau in ihnen, nur ein dunkles Topasgold, das durch das Grün wirbelte.

Die Menge war voller Erwartung und wurde allmählich unruhig. Der Organist begann zu spielen. Der Blasebalg der Orgel pfiff nur leise. Ein Glücksgefühl stieg in Banner auf und färbte ihre Wangen pfirsichfarben. Sie wusste, dass sie wunderschön aussah. Sie wusste, dass sie geliebt wurde. Sie fühlte sich wie eine Braut.

Alle Bänke der Kirchen waren voll. Im Mittelflügel wurden die Leute höflich gebeten, näher zusammenzurücken, damit alle Platz fänden. Glücklicherweise kam von Süden eine Brise durch die hohen imposanten Fenster – sechs auf jeder Seite der Kirche –, die den Hochzeitsgästen an diesem warmen Frühlingsnachmit