2. Kapitel
ZWEI TAGE ZUVOR
Jaden blickte durch das Sichtfenster derSchrottkiste. Sein Spiegelbild überlagerte die kleiner werdenden Sphären des Eismondes und des blauen Gasriesen, den er umkreiste. Er starrte sein eigenes Abbild an, zum ersten Mal seit Monaten imstande, seinem eigenen Blick standzuhalten. Er hatte auf dem Eismond Finger verloren, sich Knochen gebrochen, aber er hatte auch seine Furcht dort zurückgelassen und im Zuge dessen seinen Geist geheilt.
Jetzt wurde ihm bewusst, dass seine Zweifel bezüglich seiner Verbindung zur Macht kein Schwert der Schwäche waren, die seiner Entschlossenheit zusetzten und ihn auf die Dunkle Seite trieben. Stattdessen waren sie ein Schild der Selbstbetrachtung, die ihn genau davor schützten. Er würde der Dunklen Seite niemals anheimfallen, weil er sie dafür zu gut verstand.
Meister Katarn hatte indirekt versucht, ihm das zu vermitteln, doch Jaden hatte diese Lektion erst zur Gänze gelernt, als er zu einem unkartografierten Mond in den Unbekannten Regionen gereist und machtnutzenden Klonen die Stirn geboten hatte, die aus Sith- und Jedi-Genen gezüchtet worden waren. Er hoffte, Meister Katarn bald wiederzusehen. Es war schon zu lange her. Jaden hatte sie so weit auseinanderdriften lassen, dass sich ihre Umlaufbahnen schon nicht mehr kreuzten. Hier würde er Abhilfe schaffen.
Er hielt seine Hände vor sich, eine gesund, die andere verstümmelt – die Stümpfe seiner verlorenen Finger besaßen noch immer die schwarzrote Färbung von verkohltem Fleisch. Er wusste, dass er nie wieder mitansehen würde, wie sich unfreiwillig Machtblitze aus seinen Fingerspitzen entluden. Nicht, weil Machtblitze der Dunklen Seite zugeschrieben wurden – für Jaden war die Macht ein Werkzeug, weder hell noch dunkel –, sondern weil die unkontrollierte Entfesselung einen Mangel an Verstehen darstellte, einen Mangel an Verständnis für die Macht und für sich selbst.