: Vera Hierholzer
: Nahrung nach Norm Regulierung von Nahrungsmittelqualität in der Industrialisierung 1871-1914
: Vandenhoeck& Ruprecht Unipress
: 9783647370170
: Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft.
: 1
: CHF 76.90
:
: Neuzeit bis 1918
: German
: 399
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Im 19. Jahrhundert entstand eine neue Sensibilität gegenüber der Nahrungsmittelqualität, die sich in einer breiten öffentlichen Debatte niederschlug. Die zunehmend industrialisierte Nahrungsmittelherstellung, unzählige neuartige Produkte und der wissenschaftliche Fortschritt erzeugten ein Gefühl der Unsicherheit bei den Verbrauchern. Vera Hierholzer geht der Frage nach, wie die sich entfaltende Konsumgesellschaft mit dem wachsenden Misstrauen umging. Sie untersucht, welche neuen Formen der Vertrauenssicherung entstanden und nimmt nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch Normsetzungen anderer Akteure in den Blick. Die Studie zeigt, dass sich im Zusammenspiel von Staat, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbrauchern ein arbeitsteiliges Modell der Nahrungsmittelregulierung herauskristallisierte.
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Title Page1
41
Copyright1
51
Table of Contents1
61
Body1
121
Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen10
Vorworte12
Einleitung16
Die Wahrnehmung der Nahrungsmittelqualität im Deutschen Kaiserreich17
Fragestellung, Vorgehen und Forschungszusammenhang22
I. Ökonomische, soziale und wissenschaftliche Faktoren der öffentlichen Sensibilisierung34
1. Die Entschlüsselung der menschlichen Ernährung34
2. Die Veränderung der Ernährung unter dem Einfluss der Industrialisierung39
3. Fleischextrakt und Tengelmann: Industrialisierung und Professionalisierung des Nahrungsmittelgewerbes44
4. Diagnose: Wachsendes Misstrauen gegenüber der Nahrungsmittelqualität49
II. Regionale Disparitäten: Die Nahrungsmittelregulierung bis zum frühen Kaiserreich54
1. Die Nahrungsmittelaufsicht als Teil der Medizinalpolizei und der Zunftkontrolle56
2. Organisation der Nahrungsmittelüberwachung in den Territorien60
2.1 Musterstaat Bayern und rückständiges Preußen60
2.2 Die übrigen Territorien: Kurzüberblick70
3. Regelungen des Reichsstrafgesetzbuches74
4. Fazit77
III. Staatliche Gefahrenabwehr: Die Entstehung der reichseinheitlichen Nahrungsmittelgesetzgebung80
1. Das Nahrungsmittelgesetz von 187980
1.1 Expertengesetzgebung: Integrierung wissenschaftlichen Sachverstands in die Entscheidungsprozesse81
1.2 Zentrale Diskussionspunkte86
1.3 Endgültige Fassung des Gesetzes95
2. Die Implementierung des Nahrungsmittelgesetzes in den Einzelstaaten97
2.1 Bayern und Preußen: Systematisierung der Überwachung und aufholende Entwicklung98
2.2 Versuche der Harmonisierung109
3. Der Blick auf das Ausland: Orientierung, Abgrenzung und erste Ansätze zur Kooperation . .116
4. Partieller Kompetenzverlust: Rechtsprechung und juristische Literatur126
5. Die Bewertung des Gesetzes durch verschiedene Interessenkreise134
6. Spätere Korrektive zum Nahrungsmittelgesetz143
6.1 Verordnungen und Sondergesetze143
6.2 Die Margarinegesetze von 1887 und 1897148
7. Fazit159
IV. Anwälte der Verbraucher? Wissenschaftliche Regulierungen der Nahrungsmittelchemie164
1. Vom Forschungsfeld zur eigenständigen Disziplin: Die Professionalisierung der Nahrungsmittelchemie164
2. Selbstorganisation einer Wissensdisziplin: Institutionalisierung von Fachverbänden169
3. Fachlicher Wissensaustausch und Wissensvermittlung180
3.1 Wissensstandardisierung durch Publikationen und Fortbildungsangebote180
3.2 Der Aufbau wissenschaftlicher Netzwerke: Kongresse und Ausstellungen187
4. Allmähliche Verstaatlichung privater Normsetzung: Richtlinien zur Nahrungsmittelbeurteilung und -untersuchung191
4.1 Die »Vereinbarungen« der Freien Vereinigung bayerischer Vertreter der angewandten Chemie (1885)192
4.2 Die »Reichsvereinbarungen« (1897–1911)198
5. Fazit206
V. Zwischen Selbstverteidigung und Vertrauensbildung: Regulierungsstrategien der Nahrungsmittelwirtschaft210
1. Marketingstrategien des Nahrungsmittelgewerbes211
1.1 Qualität als Verkaufsargument213
1.2 Gesundheit, Natürlichkeit und Fortschrittlichkeit222
2. Selbstregulierungen einzelner Branchen230
2.1 Das »Qualitätskartell« des Verbandes deutscher Schokoladefabrikanten231
2.2 Qualitätsstandards als Wettbewerbsvorteil und Selbstschutz: Weitere Beispiele245
3. Branchenübergreifende Normsetzungen: Das »Deutsche Nahrungsmittelbuch«250
4. Fazit264
VI. Unmündige Konsumenten? Verbraucher zwischen Belehrung und Selbsthilfe270
1. Hilfe zur Selbsthilfe273
1.1 Wissenschaftliche Aufklärung274
1.2 Die Frauen als Ansprechpartner277
1.3 Rezeption der Belehrungen284
2. Frühe außerstaatliche Regulierungsversuche: Städtische Selbsthilfevereine290
3. »Natürliche Anwälte gegen Waarenfälschung«: Die Konsumvereine303
4. Fazit320
VII. Versuch der Vereinigung der verschiedenen Regulierungsmodelle . .326
1. Die Suche nach einem Kompromiss: Verhandlungen im Reichsgesundheitsrat (1911–1914/15)329
2. Ausblick: Die weitere Entwicklung bis zur Weimarer Republik . .337
Fazit: Die Nahrungsmitteregulierung als plurale Normsetzung340
Bildnachweis356
Abkürzungen358
Quellen- und Literaturverzeichnis360
Register392