Horst Evers
Urlaub mit … Haus
Die Freunde haben ein Ferienhaus gemietet. An der Ostsee. Ein großes Ferienhaus. Und jetzt müssen wir mit ihnen da Urlaub machen. «Weil es sich sonst ja nicht lohnt.»
Das war die offizielle Begründung. Also mit diesen Worten wurden wir gefragt, ob wir nicht mit in dem Haus Ferien machen wollen. «Weil es sich sonst ja nicht lohnt.»
Alleine kriegen sie das Haus nicht genügend bewohnt. Wenn zu wenig Leute darin wohnen, fühlt sich das Haus unterfordert. Das sollte man nicht zulassen. Das ist wie mit Kindern in der Schule. Die darf man auch auf keinen Fall unterfordern. Sonst fangen die an, sich zu langweilen, werden unaufmerksam, machen Quatsch, sind abgelenkt, kriegen irgendwann überhaupt gar nichts mehr mit, werden dann immer schlechter in der Schule, bis sie völlig den Anschluss verlieren, keinen Abschluss hinkriegen, auf die schiefe Bahn geraten und dann beispielsweise mit Drogen handeln.
So, und damit dieses Ferienhaus an der Ostsee eben nicht irgendwann anfängt, mit Drogen zu handeln, müssen wir da jetzt also mit in den Urlaub. Damit sich das auch lohnt. Das Haus auffüllen.
Wie bei Einkäufen, wo man dann auch noch das eine oder andere dazunimmt, damit der Weg sich gelohnt hat. Also man ist los, weil man Milch und vielleicht noch Klopapier brauchte, aber am Ende nimmt man dann auch noch irgendwelchen Quatsch dazu, damit sich der Weg gelohnt hat. Ich habe mehrere Sorten Beuteltee zu Hause, die ich nur besitze, weil sich der Weg ja sonst nicht gelohnt hätte.
Es gibt riesige, weltweit agierende Unternehmen, deren Geschäftsmodell komplett auf den «Weil sich ja sonst der Weg nicht gelohnt hätte»-Käufen basiert.
IKEA zum Beispiel. Da wurden schon ganz seriöse Untersuchungen angestellt, die belegen, dass die «Weil man jetzt grad mal da ist, nehmen wir das doch schnell mal mit»-Käufe beiIKEA rund siebzig Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Das ist deren Trick. Ich kenne ein Paar, das bei denen ein Schlafsofa kaufen wollte, kein schönes gefunden hat und stattdessen mit sonstigen Einrichtungsgegenständen und Wohnacccessoires im Wert von ca. 1,75 Schlafsofas nach Hause gekommen ist. Ein halbes Jahr später haben sie dann doch ein Schlafsofa beiIKEA gekauft, weil das (wörtliches Zitat!) einfach am besten zu der restlichen Einrichtung ihrer Wohnung passt.
Wobei es sich ja auch für den Kaufgegenstand wahrscheinlich gar nicht so toll anfühlt, nur gekauft worden zu sein, weil sich sonst der Weg nicht gelohnt hätte. Also ich vermeide schon seit längerem den Blickkontakt mit meinen vielen Teebeutelpackungen. Ich spüre auch so, wie sie mich enttäuscht und vorwurfsvoll anstarren:
«Warum? Warum sind wir hier? Seit Jahren. Warum hast du uns gekauft? Hat dies alles irgendeinen Sinn? Komm, brüh uns auf! Übergieß uns mit heißem Wasser. Damit das Elend hier endlich ein Ende hat. Verbrüh uns! Oh ja, verbrüh uns!»
Eine ehemalige Freundin hat sich von mir mal mit den Worten getrennt, ich hätte sowieso nur auf dem Weg gelegen, also quasi, eigentlich hätte sie ohnehin einen meiner Freunde gewollt. Da der aber noch besetzt war, habe sie die Zwischenzeit eben erst mal mit mir überbrückt. Ich sei quasi so was wie ein Wartesemester gewesen.
Na ja, da ich seinerzeit in Beziehungsfragen aber ohnehin eher die Haltung «Erst mal nehmen, was man kriegen kann!» hatte, fand ich das gar nicht so schlimm. Ich würd’s genau so wieder machen.
Und deshalb habe ich auch keine Probleme, dieses Ferienhaus vollzumachen. So weiß ich doch wenigstens, dass die Ferien einen echten tieferen S