: Andrea Schacht
: Die Gefährtin des Vaganten Historischer Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641070830
: 1
: CHF 5.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 528
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ränke, Rachsucht und Reliquien ...

März 1415. Drei Päpste hat die Welt. Doch nur einer reist zum Konzil in Konstanz an – und wird dort mit einer Anklageschrift konfrontiert. Ein guter Grund unterzutauchen. Aus dem Staub macht sich auch Bischof Hagan von Speyer, als ein heimtückischer Anschlag auf ihn verübt wird. Er schließt sich einer Vagantengruppe an, die in einem Gasthof unterkommt. Die misstrauische Wirtin Laure wird schon bald zu seiner Verbündeten auf der Suche nach den Verbrechern, denn mit ihren entlarvenden Karikaturen hält sie die Lösung in der Hand …

Andrea Schacht (1956 - 2017) war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie auch danach mit vielen weiteren Romanen eroberte.

2. Rillette vom Fisch

Laure musterte die starken Federkiele kritisch. Vier Stück hatten ihr ihre beiden Kinder in den vergangenen Tagen gebracht. Sie hoffte, sie hatten sie gefunden und nicht den Gänsen, die sie hüten sollten, ausgerupft. Die Vögel verloren diese Schwungfedern im Frühjahr meist von selbst. Auch einige Rabenfedern und eine von einem Schwan hatte sie gehortet.

Vorne im Hof zeterte Elseken mit einer Magd herum, und vorsichtshalber versteckte Laure die Federn, das Messer und die harten Holzstäbchen unter ihrer Schürze. Sie hoffte jedoch, dass die Frau ihres Stiefsohnes sich bald wieder in die Küche verzog, sodass sie in Ruhe die Kiele zuschneiden konnte.

Es schien so zu sein, und mit einem leisen Seufzer holte Laure ihr Handwerkszeug wieder hervor. Die Federkiele hatten einige Tage in Wasser gestanden, sodass sie nun mit einem spitzen Hölzchen das Mark herauskratzen konnte, um sie dann mit dem sehr scharfen Messer zuzuschneiden. Während sie dieser diffizilen Tätigkeit nachging, erhitzte sich in einer Tonschale feiner Flusssand über einem Feuerchen. Als sie zufrieden mit dem Zuschnitt war, steckte sie die feuchten Kiele in den Sand. Es zischte leise, und sehr sorgsam achtete sie darauf, dass die Federn langsam härteten, ohne Risse zu bekommen. Laure hatte Übung darin, sich ihre Schreibgeräte selbst herzustellen. Doch sie tat es mit Heimlichkeit, denn ihre Fähigkeiten, sie zu nutzen, sahen ihre Angehörigen nicht gerne.

Weshalb sie sich zu ihrer Herstellung meist hinter den Stall zurückzog.

Schließlich hatten die Spitzen der Kiele die durchscheinende Konsistenz von Fingernägeln angenommen, und Laure löschte das Flämmchen unter dem Sand. Die Federn steckte sie in ihre tiefe Schürzentasche, den Topf mit dem heißen Sand wollte sie in die Remise bringen, wo er unauffällig auf einem Bord auf seine nächste Verwendung warten würde.

Die Remise war ein geräumiges Gebäude, in dem die Gäste des Wirtshauses ihre Pferde, ja sogar zwei, drei Frachtkarren unterstellen konnten. Derzeit stand nur eine magere Mähre dort drin und malmte bedächtig etwas aus der Krippe. Laure stellte den Topf ab und wollte dem Pferd freundlich die Flanken tätscheln, als sie einen ungewöhnlichen Schatten bemerkte. Sie kniff die Augen zusammen, um im Halbdunkel zu erkennen, was dort anders war als sonst.

Und als sie näher trat, packte sie das Entsetzen.

Ein Mann schwebte dort.

Nein, er schwebte nicht.

Er hing.

An einem Strick.

Ganz still hing er dort, das Gesicht grässlich verzogen.

Der Gestank des Todes umgab ihn.

»Oh, mein Gott«, würgte Laure hera