(S. 29-30)
Kurze Zeit später saß Sinja wieder neben Jared in seinem olivgrünen Aston Martin. Jared hatte sich umgezogen und trug jetzt ein Hemdüber einer schwarzen Stoffhose. Er wirkte seltsam abwesend. Sinja hatte die Seitenscheibe heruntergekurbelt und hielt ihr Gesicht in den Fahrtwind. Das Sommerwetter war angenehm, nicht zu kalt und nicht zu warm, obwohl es schon Nachmittag und damit die heißeste Zeit des Tages war. Während sie die kleine Ortschaft Hindon durchfuhren, in deren Nähe Fonthill Abbey gestanden hatte, fiel Sinja ein, dass sie versprochen hatte, Maja anzurufen.
Sie würde es heute Abend tun, wenn sie allein und ungestört in ihrem Zimmer war. Es tat ihr leid, das ruhige und verschlafene Hindon hinter sich zu lassen, das so malerisch in die nachmittäglichen Sonnenstrahlen getaucht schien. Hier hätte sie den Nachmittag viel lieber verbracht, doch das sagte sie Jared natürlich nicht.
Etwa zwei Kilometer, nachdem sie Hindon verlassen hatten und einer Straße gefolgt waren, die an moosüberwachsenenÜberresten von Mauern entlang führte, parkte Jared das Auto vor einem Rundbogentor und erklärte Sinja, dass dies einst das Haupttor zum Anwesen gewesen sei. Sinja starrte auf das steinerneÜberbleibsel und fühlte einen Stich im Magen. Alles wirkte irgendwie eingeschlafen und wie unter einer dicken Staubschicht erstarrt. Hier war die Vergangenheit unter altem Moder lebendig geblieben, und es schien eine sehr düstere Vergangenheit zu sein.
Schien die Sonne hinter diesem Tor weniger hell oder bildete sie sich das nur ein? Eine solch starke Atmosphäre hätte sie von einer Ruine nicht erwartet. Dieses Mal half Jared ihr nicht aus dem Auto, und Sinja war froh darüber. Tatsächlich war das Umland, in dem Fonthill Abbey gelegen hatte, schön. Es bestand aus denselben hügeligen und satten Wiesenlandschaften, die man hierüberall fand. Und doch meinte Sinja, etwas Bedrückendes und Dunkles zu spüren, das von dem gut zehn Meter hohen Torbogen ausging. Etwas pulsierte noch immer unter dem Staub, fast zweihundert Jahre nach dem Einsturz des Turmes ... schwer und langsam und hungrig!
Etwas in Sinja warnte sie davor, durch diesen Torbogen zu gehen. Ihre Augen blieben wie gebannt auf denüberwucherten Mauerresten haften, welche die Straße säumten. Jared trat an ihre Seite, und Sinja begann zu frösteln.„Das sind die Reste der Mauer, die den Wald und das Anwesen umgab. William Beckford ließ sie errichten, um Wilderer davon abzuhalten, in seinen Wäldern zu jagen. Er liebte Tiere, und vor allem die Jagd, müssen Sie wissen. Jeder adelige Engländer liebt die Jagd.“ |