: Torsten Fink
: Drachensturm Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641064211
: 1
: CHF 11.70
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: Fantasy
: German
: 784
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Jahre 1532 betritt die blinde Mila im Gefolge von Francisco Pizarro und der letzten Drachenreiter das heutige Peru. Alle empfinden die scheinbar hilflose junge Frau lediglich als Belastung. Da erwählt der mächtige Drache Al-Nabu sie trotz ihrer Blindheit als neue Reiterin. Plötzlich hängen die Geschicke von Menschen und Drachen von ihren Entscheidungen ab. Mila muss ihre unerwartete Verantwortung rasch akzeptieren, will sie nicht für den Tod aller verantwortlich sein. Denn im Reich der Inka lauert etwas weitaus Gefährlicheres als Drachen!

Torsten Fink, Jahrgang 1965, arbeitete lange als Texter, Journalist und literarischer Kabarettist. Außerdem schrieb er unter seinem Pseudonym Arthur Philipp die Trilogie »Der graue Orden« um die Dunkelmagierin Feja. Er lebt und schreibt heute in Mainz.
Drittes Buch TANYAMARKA (S. 387-388)

42. Tag

Der Curaca von Tanyamarka war jung, nicht vielälter als Kemaq, und er war von bemerkenswerter Sturheit:»Es mag sein, dass Rumi-Nahui sich wünscht, dass wir ihm täglich frische Vorräte liefern, doch gilt meine Verantwortung zu allererst meinen eigenen Leuten, Chaski, und ich sage, wir haben ihm schon mehr gegeben, als wir sollten.« Kemaq sah den Mann nachdenklich an. Er redete schon eine ganze Weile auf den Curaca ein, bisher ohne Erfolg.

»Du weißt, wer Rumi-Nahui ist, oder?«, fragte er.»Natürlich, er ist ein berühmter Feldherr, gefürchtet bei seinen Feinden«, gab der Curaca, ein Mann namens Tunkapu, zurück.»Und möchtest du zu seinen Feinden zählen, Herr?«, fragte Kemaq ruhig. Er fror, denn es war kalt in dieser ganz aus grauem Stein gebauten Halle. Tunkapu war jedoch nicht sehr leicht einzuschüchtern.»Vor einigen Tagen hättest du diese Frage gar nicht erst stellen müssen, denn wir hätten ihm längst alles gegeben, was er verlangt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Pachakuti ist gekommen, die Zeitenwende, vor der die Söhne der Sonne schon so lange gezittert haben.

Atahualpa nennt sich noch Sapay Inka, ist aber doch nur ein Gefangener, und sein Reich geht schneller dahin als Schnee im Frühjahr. Sage mir, Chaski, wenn ich euch von unseren Vorräten gebe, wer schafft mir und meinen Leuten Ersatz? Früher, ja, früher hätte ich mich darauf verlassen können, dass ein Strom von Gütern aus anderen Städten hierhergeleitet worden wäre, um unsere leeren Speicher wieder aufzufüllen, doch heute? Es kommen ja kaum noch Nachrichten, geschweige denn Fleisch, Mais oder Bohnenüber die Straße. Nein, Tanyamarka ist abgeschnitten vom Tawantinsuyu, ja, ich behaupte, dass diese Stadt nicht einmal mehr zum Reich des Sapay Inka gehört.«

»Soll ich das etwa Rumi-Nahui sagen? Dass du deine Treue gegenüber Atahualpa schon vergessen hast?«, fragte Kemaq. Der Curaca lachte und erwiderte:»Ich hatte wenig Zeit, diese Treue zuüben, Chaski. Erst gehörte diese Stadt Atahualpas Vater Huanca Cápac, dann für vier Jahre seinem Bruder Huáscar, und erst seit zwei Jahren ihm. Doch das nur bis vor wenigen Tagen, denn da erfuhr ich, dass er ein Gefangener jener weißhäutigen Fremden ist, dieüber das Meer kamen. Es scheint, als seien sie die neuen Herren des Landes, und was hätte ich davon, wenn ich ihrem Gefangenen und seinem verirrten Heerführer helfe?«