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Samstage gehörten immer schon zu meinen Lieblingstagen. Als die Kinder noch zur Schule gingen, konnten wir ausschlafen und später gemeinsam frühstücken. Konrad ging, wenn überhaupt, erst gegen Mittag ins Büro.
Ausschlafen kann ich natürlich immer noch. Aber heute werde ich trotz des späten Zu-Bett-Gehens schon um sieben wach. Konrad schläft noch tief und fest. Meinetwegen kann er den ganzen Tag im Bett verbringen, dann muss ich wenigstens seine Launen nicht ertragen.
Leise stehe ich auf. Oscar freut sich über mein frühes Erscheinen. Wie jeden Morgen will er zuerst in den Garten, zur täglichen Revier-Markierung.
«Nachher machen wir einen ganz langen Spaziergang», verspreche ich ihm, als ich ihn rauslasse.
Während Oscar durch den Garten saust, wärme ich etwas Milch auf. Mehr brauche ich heute Morgen nicht. Ich bin nicht hungrig, das Buffet war doch sehr üppig. Mir fällt Dr. Preysings nettes Kompliment wieder ein. Ein Kochbuch schreiben! Ja, das wäre toll. Rezepte hätte ich jede Menge. Schon seit meiner Teenagerzeit kreiere ich eigene Gerichte und schreibe sie auch auf.
Aber wenn ich meine über die Jahre angewachsene Sammlung von Kochbüchern ansehe, frage ich mich: Gibt es nicht mehr als genug davon? In den Buchläden steht doch für jeden Geschmack etwas. Vor allem von berühmten Fernsehköchen. Wer würde da schon ein Kochbuch von einer ganz normalen Hausfrau kaufen? Ganz egal, wie phantastisch sie kochen kann. Was sollte sie dagegen zu bieten haben? Konrads Meinung nach vermutlich gar nichts.
Nachdem ich Oscar wieder ins Haus geholt habe, mache ich es mir mit der heißen Milch auf dem Sofa bequem. Von dort aus kann ich zwischen den Bäumen die Oktobersonne an einem türkis-rosa Himmel aufgehen sehen. Oscar ist mit einem Satz bei mir und legt sich auf meine Füße. Ich mag diese frühe Stunde, wenn der Tag noch unschuldig und voller Möglichkeiten ist. Eine gute Zeit, um nachzudenken.
Ob Konrad überhaupt merken würde, wenn ich alles stehen ließe, der Kühlschrank nicht mehr gefüllt wäre und sich das schmutzige Geschirr stapeln würde? Oder wenn er mich abends mal nicht zu Hause vorfände? Die Vorstellung lässt mich trotz meines warmen Flanellhemds für einen Moment frösteln. Wie komme ich nur auf derart ketzerische Gedanken? Genau wie gestern Abend vor dem Einschlafen. Schließlich führe ich doch das Leben, von dem ich als kleines Mädchen immer geträumt habe. Schon damals wollte ich heiraten, Kinder bekommen und in einem eigenen Haus mit Garten leben.
Plötzlich steht Konrad im Raum und scheucht Oscar mit forscher Stimme vom Sofa. «Los, alter Knabe, wir gehen laufen!»
Mein sportlicher Ehemann trägt einen gutsitzenden Sportanzug und nickt mir beiläufig zu, bevor er zum Kühlschrank marschiert, um seinen täglichen Energiedrink zu sich zu nehmen. Oscar eilt ihm schwanzwedelnd hinterher.
«Guten Morgen», begrüße ich ihn heiter und versuche, seine Unfreundlichkeit von gestern Abend zu vergessen.
«Morgen», kommt die knappe Antwort. Energisch zieht Konrad den Reißverschluss seiner anthrazitfarbenen Jacke hoch, aktiviert den Schrittzähler am Handgelenk, und schon sind beide draußen.
Ich bleibe etwas ratlos zurück. Gedankenversunken falte ich die Kaschmirdecke ordentlich zusammen und schüt