: Rainer Greubel
: Treibjagd durch Unterfranken Ein Kriminalroman zwischen Fiktion und Realität
: Rainer Greubel
: 9783956901829
: 1
: CHF 8.40
:
: Fantasy
: German
: 212
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
Schauplatz des Geschehens ist ganz Unterfranken mit seinen Städten und Dörfern sowie den Mittelgebirgen Spessart, Rhön, Haßberge und Steigerwald.
„Treibjagd durch Unterfranken“ beginnt mit einer Leiche, die in der Badewanne eines Hotels liegt. Wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, ist der Tote ein reicher Geschäftsmann, der zunächst einer Sekte mit Sitz im unterfränkischen Raum beigetreten war, nun aber wieder aussteigen wollte.
Ferner geht es um einen skrupellosen Professor, der in seiner Privatklinik Organtransplantationen mit dubioser Herkunft der Organe durchführt. Außerdem leitet der Mediziner die Klinik und die Forschungsabteilung der Sekte. Um Macht und Geld zu mehren, ist ihm jedes Mittel recht.
Das Thema pro und contra Jagd bildet einen weiteren Handlungsstrang. Auf Pirschgängen und Treibjagden erfährt der Leser vieles über die heimische Natur und Geschichte.
Ein mutiger Reporter gibt Einblicke in unterfränkische Kommunalpolitik und zeigt in ironischen bis satirischen Kommentaren Fehlverhalten, Eitelkeiten, Bestechlichkeit und Machtstreben auf. Es geht um die Käuflichkeit von Entscheidungsträgern, die Egotrips von Bürgermeistern, Prestigeobjekte in Schweinfurt und Würzburg, den Bau von zahllosen Umgehungsstraßen und um zweifelhafte Umweltgutachten und Biotopkartierungen.
Die Handlungsstränge berühren sich immer wieder und führen schließlich zum Finale zusammen.

Kritik aus der Tageszeitung Main-Post:
„Der nach „Ihr Kunstbanausen!“ zweite Kriminalroman von Rainer Greubel greift eine Vielzahl von Themen auf, die in Unterfranken tatsächlich im Gespräch sind. Das Geschriebene durchdringt eine ironische bis sarkastische Zweideutigkeit, die viel Raum für Phantasie und Spekulationen beim Leser zuläßt.“

Autor: Rainer Greubel, Würzburg, im Selbstverlag als gedrucktes Buch erschienen 2006

Kapitel 2

Der achteckige Saal mit den gerundeten Ecken war nüchtern, der Boden kalt, die Decke klinisch weiß. Der Tür gegenüber hing an der Stirnwand ein metallenes Kreuz. Links und rechts waren je drei Wände von schmalen Rundbogenfenstern durchbrochen, deren Milchglasfüllungen das trübe Januarlicht mehr aussperrten als hereinließen. An der fensterlosen Stirnwand stand unterhalb des Kreuzes ein altarähnlicher Tisch,überdeckt mit einem frisch gestärkten weißen Tuch. Auf dem Tisch lagen V-förmig zwei schlanke Blumensträuße und innerhalb des Vs war das fast lebensgroße Schwarzweiß-Portrait von Marianne Schmücke-Hansen aufgestellt. Aus einem glatten Holzrahmen schaute die 47 jährige mit wachem Blick jedem der Anwesenden in die Augen. Der insgesamt neutrale Gesichtsausdruck verriet den Anlaß für die Entstehung dieses Photos: Ein Paßbild war es, aufgenommen vor einem halben Jahr für einen neuen Ausweis, das aktuellste Portrait, das es von Marianne Schmücke-Hansen gab. Das schwarze, schmale Band in der rechten oberen Ecke zeigte an, daß sie verstorben war.

49 Mitglieder der Glaubensgemeinde waren im Andachtsraum auf Gut Galgenberg bei Aub zusammengekommen, um zeremoniell Abschied von ihrer Schwester zu nehmen. Die Frauen und Männer trugen ihreübliche bäuerliche Arbeitskleidung. Sie saßen in sieben Reihen zu sieben Stühlen auf kargem Holz, die Aufmerksamkeit auf Kreuz, Tisch und Portrait gelenkt. Auf zwei Stühlen hatten rechts und links vor dem Tisch, der Trauergemeinde zugewandt, das Portrait der Verstorbenen zwischen sich, Professor Dr. Bernhard Hansen und Diana Körner-Esser Platz genommen.

Nach mehreren Minuten des meditativen Schweigens begann Diana Körner-Esser, wie eine Priesterin in ein langes Gewand gehüllt, mit der Zeremonie. Sie trug den Lebenslauf von Marianne Schmücke-Hansen vor. Lediglich in knappen Sätzen streifte sie die ersten 27 Jahre und ging ab dem Zeitpunkt des Eintritts„der Schwester“ in die Glaubensgemeinschaft in die Details. Vor zwanzig Jahren hatte man sie gemeinsam mit ihrem Mann Professor Dr. Bernhard Hansen aufgenommen. Beide hatten sich umgehend intensiv und akribisch dem Ausbau der medizinischen Leistungen der hauseigenen Klinik zugewandt, wobei sie die Verwaltung organisierte und er die medizinische Leitung innehatte.

Schnell, viel schneller als sonstüblich, sei Schwester Marianne auf der„Leiter der Erleuchtung“ emporgestiegen, was von tiefer Gläubigkeit und vorbildlich demütiger Hingabe an die Ideale der Glaubensgemeinschaft zeuge, sagte Diana Körner-Esser und fuhr fort mit der Lobpreisung der Verstorbenen.

Der frisch Verwitwete blickte derweil aufrecht sitzend zu den auserwählten Schwestern und Brüdern, die der Abschiedszeremonie beiwohnen mußten. Er schaute in Gesichter, die in starrem Blick und zementierter Mimik auf die Redende fixiert waren. Hörten sie tatsächlich zu, folgten ihre Gedanken dem Gesprochenen, setzten sie die Worte in Bilder um? Bernhard Hansen zweifelte daran.„Nein“, dachte er,„dieses gehirngewaschene Fußvolk hört nicht wirklich hin.“

Totengedenkfeiern gehörten in dieser Glaubensgemeinschaft noch nicht zum Alltag, da sie noch nicht sehr lange existierte, die obere Altersklasse noch klein und die Mitgliederzahlüberschaubar war. Außenstehende sprachen gerne von einer„Sekte“, wenn die Rede auf dieöffentlichkeitsscheuen Menschen kam, die sich in Oellingen und Gülchsheim im Landkreis Würzburg große Teile von Neubaugebieten erobert und als markanteäußere Zeichen runde Hausecken und rundbogige Fenster und Türen gebaut hatten.

Hansen war bewußt, daß jene 49 Mitglieder von der Führung bestimmt worden waren, der Andacht beizuwohnen. Persönliches oder Freundschaftliches hatte sie jedoch nicht mit seiner Ehefrau verbunden.

Bald würden sie den Raum ebenso wortlos verlassen wie sie ihn betreten hatten und ihre Arbeit mechanisch weiter erledigen. Die Stunde Verzögerung kümmerte niemanden. Sie mußten nach Feierabend sowieso wie Zwangsarbeiter zurück in ihre Unterkünfte und durften weder fernsehen noch Radio hören noch Zeitung lesen. Sie leisteten ihren täglichen Dienst, irgendwann gab es Abendessen, anschließend saßen sie pflichtgemäß in der Wort-des-Erleuchteten-Gruppe zusammen und bald hieß es: husch-husch ins Bettchen! Morgens mußten sie bald raus zum Arbeiten.

Professor Hansen gehörte wie die anderen hier im Raum der Glaubensgemeinschaft„Globale Liebe“ an, dem Deutschlandableger einer weltumspannenden Psychosekte mit Sitz in den USA. Er war nur unter bestimmten strategischen und wirtschaftlichen Bedingung eingetreten. Als Medizin-Koryphäe europa-, wenn nicht weltbekannt, stellte er der Globalen Liebe– kurz: GL– seine wissenschaftliche und gesellschaftliche Reputation in vielfacher Weise zur Verfügung: sein außergewöhnliches Fachkönnen in innerer Medizin und Chirurgie, seine visionären Forschungsarbeiten und sein Renommee in mehreren Zirkeln des&

Inhalt4
Kapitel 15
Kapitel 27
Kapitel 317
Kapitel 421
Kapitel 527
Kapitel 628
Kapitel 735
Kapitel 839
Kapitel 946
Kapitel 1049
Kapitel 1153
Kapitel 1260
Kapitel 1364
Kapitel 1471
Kapitel 1579
Kapitel 1683
Kapitel 1790
Kapitel 1893
Kapitel 1996
Kapitel 20102
Kapitel 21111
Kapitel 22117
Kapitel 23128
Kapitel 24135
Kapitel 25143
Kapitel 26151
Kapitel 27159
Kapitel 28174
Kapitel 29180
Kapitel 30184
Kapitel 31192
Kapitel 32201
Kapitel 33206