Die Vereinigten Staaten von Amerika nahmen den ihnen von der Regierung Salinas de Gortari unterbreiteten Vorschlag zur Etablierung einer Freihandelszone nicht nur bereitwillig, sondern eifrig an. Nachdem sich der mexikanische Präsident trotz aller antiamerikanischen Stimmungen zu diesem Schritt überwunden[55] hatte, wollte sich Washington diese Chance auf eine Intensivierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Mexiko nicht entgehen lassen, zumal man nicht wusste, wann – und ob überhaupt – sich solche eine Gelegenheit wieder ergeben würde.[56] Ende August 1990 schlug Salinas den USA offiziell die Aufnahme von Verhandlungen vor, Präsident Bush informierte hierauf den amerikanischen Kongress.[57] Nachdem auch die kanadische Regierung über die mexikanisch-US-amerikanischen Absichten unterrichtet worden war, und sich schließlich entschloss, an Gesprächen über die Schaffung einer nordamerikanischen Freihandelszone teilzunehmen, konnten die offiziellen trilateralen Verhandlungen auf Ministerebene am 12. Juni 1991 in Toronto beginnen.[58] Der Verhandlungsablauf lässt sich in fünf Phasen unterteilen: Die Vorbereitungsphase, die zweite Phase mit ersten Vertragsvorschlägen, die dritte Phase der gegenseitigen Abstimmung der Vorschläge, die vierte Phase der Einigung in essentiellen Bereichen und schließlich die fünfte Phase der Schlussarbeiten und Ausräumung offengebliebener Fragen.[59] Die einzelnen Bereiche der NAFTA-Verhandlungen unterschieden sich hinsichtlich der Schwierigkeit, zu einer Lösung zu gelangen: So waren die Abschaffung von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen, die Regelung von Schutzmaßnahmen und die Standardisierung des Landtransports relativ problemlos. Weder einfach noch besonders schwierig waren die Bereiche Handel mit Textilien und Kleidung aus Mexiko, Vereinheitlichung von Qualitätsbestimmungen, Dienstleistungshandel, Telekommunikation, Schutz des geistigen Eigentums und Streitschlichtung. Relativ problematisch waren dagegen die Verhandlungen über die Ursprungsregelungen, das öffentliche Bestellwesen, den Energiesektor und den Handel mit petrochemischen Produkten, Subventionen und Handelsbeschränkungen, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Landwirtschaft, Investitionen und Automobilhandel.[60] In den letztgenannten Bereichen