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»Ich habe eine Wassermelone getragen.«
(Dirty Dancing)
Ich heiße euch herzlich willkommen zum Anfängerinnenkurs«, strahlt die sympathische Frau vor uns. »Ich bin Mona, eine der beiden Chefinnen hier. Ich werde euch also einführen in die Welt des Langsamen und des Wiener Walzers, vom Foxtrott über Tango, Jive und Cha-Cha-Cha bis zur Samba. Uh, sagt ihr jetzt bestimmt, das ist aber ganz schön viel Zeug! Aber keine Bange, wir werden uns gemeinsam langsam rantasten an die Standard- und die Lateinamerikanischen Tänze.«
Auf allen neun Gesichtern am Tisch erscheint ein erleichtertes Lächeln.
Auf meinem nicht.
Ich vermute, ich werde heute gar nicht mehr lächeln. Vielleicht auch nie wieder.
Es ist Sonntagabend.
Ich sollte gemütlich auf meinem Sofa sitzen. Mit einem Tee. Etwas restlichem Spritzgebäck vom fast leer genaschten Weihnachtsteller, den meine Mutter uns Kindern immer noch jedes Jahr zusammenstellt. Ich könnte meine reichhaltige DVD-Sammlung durchforsten und aus Entscheidungsnot gleich zwei Filme schauen. Oder der Roman, den ich gerade lese, könnte superspannend werden. Ich sollte in meinem ganz normalen Leben sein, wie an allen anderen bisherigen Sonntagabenden.
Stattdessen sitze ich hier neben Toni in der Ecke dieses großen Saals. Nein, großer Saal ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Riesiger Saal würde es wahrscheinlich besser treffen. Und am besten wäre er beschrieben mit ›riesiger, verspiegelter Saal‹, denn an zwei Seiten, einer Längst- und einer Querseite ist die Wand vom Boden bis zu einer Höhe von etwa zwei Meter zehn komplett verspiegelt. Wenn ich rüberlunze, kann ich mich sogar sehen, wie ich inmitten der Schar dieser verschreckten Lesben hier