Prolog
Mai 1866
An jenem Tag, an dem die Tragödie ihren Lauf nahm, standen alle Schüler der Windfield School unter Hausarrest und durften ihre Zimmer nicht verlassen.
Es war ein heißer Samstag im Mai. Normalerweise hätten sie den Nachmittag auf dem Rasen im Süden des Internats verbracht, wo die einen Cricket gespielt und die anderen ihnen vom schattigen Saum des Bischofswäldchens aus zugesehen hätten. Aber es war ein Verbrechen geschehen. Vom Schreibtisch Mr. Offertons, des Lateinlehrers, waren sechs Goldmünzen gestohlen worden, und alle Schüler standen unter Verdacht. Bis zur Entlarvung des Diebes mußten die Jungen in ihren Zimmern bleiben.
Micky Miranda saß an einem Tisch, in den schon Generationen gelangweilter Schulbuben ihre Initialen geritzt hatten, und blätterte in einer Regierungsbroschüre mit dem TitelAusrüstung der Infanterie. Gewöhnlich faszinierten ihn die Abbildungen von Schwertern, Musketen und Gewehren, doch heute war es so heiß, daß er sich nicht konzentrieren konnte. Ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Tisches, sah sein Zimmergenosse Edward Pilaster von seinem Lateinheft auf. Er war gerade dabei, Mickys Tacitus-Übersetzung abzuschreiben. Mit einem tintenbeklecksten Finger deutete er auf die Vorlage und sagte: »Das Wort da kann ich nicht lesen.«
Micky sah sich das Wort an. »Decapitated, enthauptet«, sagte er. »Im Englischen das gleiche Wort wie im Lateinischen:decapitare.« Latein fiel ihm leicht, was daran liegen mo