Prolog
Der Tod war noch zu gut für ihn.
Schließlich stellte der Tod ein Ende, ja sogar eine Art Befreiung dar. Er würde zur Hölle fahren, und dort würde er ewig Qualen leiden, das stand für sie fest. Und das wünschte sie ihm auch, nur eben nicht sofort. Erst sollte er dort leiden, wo sie es mit eigenen Augen sähe.
Dieser verlogene, heuchlerischeHurensohn! Er sollte winseln, betteln und auf dem Boden kriechen wie die Ratte, die er war. Er sollte wie ein Mädchen schreien. Sie wollte seinen betrügerischen Schwanz zusammenknoten, während er um die Gnade flehte, die von ihr nicht zu erwarten war.
Sie wollte sein schönes, verlogenes Gesicht mit ihren Fäusten bearbeiten, bis nur noch eine eitrige, weiche Masse aus Blut und Knochen davon übrig war.
Dann, erst dann, dürfte der schwanz- und gesichtslose Bastard sterben. Einen langsamen, schmerzlichen, qualvollen Tod.
Niemand,niemand betrog Reva Ewing.
Sie musste den Wagen auf die Standspur der Queensboro-Brücke lenken und dort halten, bis sie wieder ruhig genug zum Fahren war. Weil jemand sie betrogen hatte. Der Mann, den sie geliebt, geheiratet und dem ihr uneingeschränktes Vertrauen gegolten hatte, trieb es – genau in diesem Augenblick – mit einer anderen Frau.
Berührte eine andere, küsste eine andere, trieb eine andere dadurch in den Wahnsinn, dass er seine straffen, betrügerischen Lippen, seine cleveren, unehrlichen Hände über ihren Körper gleiten ließ.
Nichtirgendeine andere. Sondern eine Freundin. Einen anderen Menschen, den sie geliebt, dem sie vertraut, an den sie geglaubt, auf den sie sich verlassen hatte.
Es machte sie nicht nur wütend, und es war nicht nur schmerzlich, dass ihr Mann und ihre Freundin direkt vor ihrer Nase ein Verhältnis miteinander hatten. Es war vielmehrbeschämend zu entdecken, dass sie dem uralten Klischee der betrogenen Ehefrau, des ahnungslosen Dummkopfes entsprach, der niemals argwöhnisch geworden war, wenn ihr Mann behauptet hatte, er müsste länger arbeiten, er hätte noch ein Geschäftsessen mit einem Kunden oder er müsste für ein paar Tage fort, um einen Auftrag unter Dach und Fach zu bringen oder eine Arbeit persönlich zu überbringen.
Unglaublich, dachte Reva, während der Verkehr an ihr vorüberzog, dass ausgerechnet sie so leicht zu täuschen gewesen war. Verdammt, schließlich war sie Sicherheitsexpertin. Schließlich hatte sie vor ihrem Wechsel in die Privatwirtschaft fünf Jahre beim Geheimdienst zugebracht und während dieser Zeit eine Präsidentin bewacht. Wo waren ihre Instinkte, ihre Augen, ihre Ohren nur gewesen, als es um ihren eigenen Mann gegangen war?
Wie hatte Blair nur jeden Abend von einer anderen Frau zu ih