: Peter Mayle
: Ein diebisches Vergnügen
: Karl Blessing Verlag
: 9783641045647
: 1
: CHF 13.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Spannende Handlung mit südfranzösischem Flair: lustvoll und unverschämt raffiniert

Einen solch heiklen Fall hat die ebenso intelligente wie attraktive Elena Morales noch nie in ihrer Versicherung bearbeiten müssen: Als Sanitäter getarnte Diebe haben den Weinkeller eines reichen Anwalts aus Los Angeles leer geräumt und sind in einem Krankenwagen mit 600 Flaschen edelsten französischen Weines im Wert von drei Millionen Dollar entkommen. Als Komplize dabei war der Hausmeister des Anwalts, der den Dieben das Tor öffnete.

Elena will den Schaden vorerst nicht begleichen, zu obskur scheint ihr der Fall, zu schleppend laufen die polizeilichen Ermittlungen an. Glücklicherweise ist ihr Teilzeitgeliebter Sam Levitt frankophil und ein Weinkenner von hohen Gnaden. Da er zwischenzeitlich auf die schiefe Bahn geraten ist und dringend Geld braucht, kann er Elenas Angebot nicht ausschlagen: Er soll den gestohlenen Wein aufspüren. Nur im Erfolgsfall erhält er einen Lohn. Die Intuition sagt ihm: Wenn ausschließlich französischer Wein geraubt wurde, muss es sich um eine Art patriotischen Diebstahl handeln, um eine Rückführung des Weines in seine Heimat. Die Spur führt nach Marseille, und Sam nimmt sie auf seine Weise auf: lustvoll, unkonventionell und unverschämt raffiniert.

Peter Mayle wurde 1939 in Brighton geboren. Er war Kellner, Busfahrer und erfolgreicher Werbetexter, bevor er 1975 dauerhaft in die Provence zog und Schriftsteller wurde. Seine Bücher wie"Ein guter Jahrgang" (Blessing, 2004) wurden internationale Bestseller. Mit"Ein diebisches Vergnügen" (Blessing, 2010) begann Peter Mayle eine neue Serie um den mit detektivischen Fähigkeiten ausgestatteten Anwalt Sam Levitt und seine Freundin Elena Morales.

3. Kapitel
Der Aufenthalt in Aspen war für Roth vergnüglicher als jemals zuvor. Jede Menge Prominenz der A-Liste tummelte sich in dem Nobel-Skiort, um sich in ihrer sündteuren Ausrüstung auf der Piste und bei Après-Aktivitäten in Szene zu setzen, und es gelang ihm, die Kontakte zu drei oder vier potenziellen Mandanten zu pflegen. Zu seiner Überraschung trug der Artikel in derLos Angeles Times erheblich dazu bei. Obwohl die Ausgabe bereits im September erschienen war, gab es in diesem Jahr Promis wie Sand am Meer, die den Artikel über Roths Sammlung gelesen und nun nach eigenen Angaben ihr »Faible für Wein« entdeckt hatten. Die althergebrachten Themen in Aspen – Ehebruch, Börsentipps, Schönheitschirurgie, die Diebstähle in den Filmstudios – wurden von Plaudereien über Weinkeller und Spitzenjahrgänge, Bordeaux versus kalifornische Produkte, optimale Alterungszeiten und natürlich über Weinpreise verdrängt.
Roth stellte fest, dass er seine Reden überwiegend vor einem kleinen, aber hingerissenen Zuhörerkreis vom Stapel ließ, hochkarätige Namen, die sich normalerweise ein wenig außerhalb seiner gesellschaftlichen Reichweite befanden, und die daraus resultierenden geschäftlichen Möglichkeiten wusste er zu nutzen; schließlich galt es das Eisen zu schmieden, solange es heiß war. Heute mochte es um Wein gehen, doch morgen konnte durchaus eine skandalträchtige Krise um Vertragsgrundlagen auf der Tagesordnung stehen. Während der verschneiten Weihnachtswoche blieben Roths Ski unangetastet, und Michelle hatte den Privatskilehrer ganz für sich allein.
Die Roths traten gemeinsam mit einem Paar, das sie flüchtig aus L.A. kannten, im Privatjet den Heimweg an. Als sie verrieten, wie sehr es sie beeindruckt hatte, ihn in so illustrer Gesellschaft zu sehen, tat Roth ihre Schmeicheleien mit einer Handbewegung ab und beklagte leutselig, dass er zu beschäftigt gewesen sei, um Ski zu fahren. Daraus folgerten die beiden stillschweigend, dass es dabei nicht um Bordeaux, sondern um berufliche Belange gegangen sein müsse, und Roth ließ es gern dabei bewenden. Die befriedigende Woche hatte damit ein noch befriedigenderes Ende gefunden.
Seine gute Laune hielt bis zum Abend an, als er mit seiner Frau in das Haus in Hollywood Heights zurückkehrte und entdecken musste, dass Rafael nicht da war, um sie zu begrüßen. Und darüber hinaus hatte er nicht einmal eine Nachricht hinterlassen, die seine Abwesenheit erklärte. Das war ungewöhnlich, ja besorgniserregend. Doch als sie von Salon zu Salon schritten, begannen sie sich zu entspannen. Die Warhols hingen an den Wänden, der Giacometti versteckte sich auf der Terrasse, und das Haus schien unberührt. In Rafaels winziger Souterrainwohnung hingen die Kleider ordentlich im Schrank, und das Bett war akkurat gemacht. Nichts deutete auf einen plötzlichen Aufbruch hin. Danny und Michelle Roth gingen früh schlafen, ein wenig verwirrt, irritiert, jedoch nicht über Gebühr beunruhigt.
Erst am folgenden Morgen stieg Roth in den Keller hinab.
»Oh Gott!« Der qualvolle Aufschrei hätte um ein Haar zur Folge gehabt, dass Michelle von ihrem Stairmaster heruntergefallen wäre. Sie eilte aus dem Fitnessraum in den Keller, wo sie Roth vorfand, der wie hypnotisiert auf eine Wand mit gänzlich leeren Stellagen starrte.
»Mein Bordeaux! Jede gottverdammte Flasche! Alles weg.« Der Anwalt begann, hektisch hin und her zu laufen, wobei er in seiner ohnmächtigen Wut immer wieder die Fäuste ballte. Ein Mann mit üppigerem Bewuchs hätte sich die Haare gerauft. »Wenn ich diesen Mistkerl in die Finger kriege, bringe ich ihn um. Ich reiße ihm das Herz aus dem Leibe.« Noch schaurigere Todesdrohungen murmelnd, hastete er nach oben und macht sich auf die Suche nach seinem Blackberry.
In zügiger Abfolge benachrichtigte er den Wachmann im Pförtnerhaus, das zuständige Polizeikommissariat in L.A. und seine Versicherungsgesellschaft.