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Das Innere des Ladens war erfrischend kühl und erfüllt vom Duft von Kaffee, Bohnerwachs und warmem Brot. Während sie das Wasser trank, das ihr Remke angeboten hatte, studierte sie ihn. Er sah nicht länger wie eine menschliche Rakete kurz vor der Explosion aus, sondern wirkte abgrundtief erschöpft.
Wie sie aus Erfahrung wusste, war das, wenn Menschen Gewalt begegnet waren, nur allzu oft der Fall.
»Wann haben Sie den Container zum letzten Mal benutzt?«, fragte sie.
»Gestern Abend gegen sieben, gleich nachdem ich den Laden geschlossen hatte. Normalerweise schließt mein Neffe immer ab, aber er hat diese Woche Urlaub. Wollte mit seiner Frau und seinen Kindern zum Disney Planet fliegen – der Himmel weiß, warum.«
Er stützte die Ellenbogen auf dem Tresen ab, legte den Kopf zwischen die Hände und bohrte seine Zeigefinger in die Schläfen. »Ich kriege das Gesicht von diesem Mädchen einfach nicht mehr aus dem Kopf.«
Das werden Sie auch nie, dachte Eve. Zumindest nicht völlig. »Wann waren Sie heute Morgen hier?«
»Um sechs.« Er stieß einen tiefen Seufzer aus und ließ die Hände sinken. »Ich habe den... Geruch sofort bemerkt und wütend gegen den Recycler getreten. Großer Gott, ich habe gegen den Container getreten, während sie da dringelegen hat.«
»Sie hätten ihr nicht helfen können, aber das können Sie jetzt. Was haben Sie dann getan?«
»Ich habe die Störung gemeldet. Habe das Mädchen am Telefon zur Schnecke gemacht. Costello und Mintz kamen ungefähr halb sieben, und wir haben uns furchtbar aufgeregt. Gegen sieben habe ich dann noch mal angerufen, weil bis dahin immer noch niemand da war. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich dort angerufen habe, und bis Poole dann endlich kam, stand ich kurz vorm Durchdrehen. Das war zirka zehn Minuten, bevor ich auf ihn losgegangen bin.«
»Sie wohnen über dem Geschäft?«
»Ja. Ich, meine Frau und unsere jüngste Tochter. Sie ist sechzehn.« Er atmete rau ein. »Ebenso hätte er sie erwischen können. Sie war gestern bis zehn Uhr abends weg. Zu dem Zeitpunkt muss sie immer zu Hause sein. Sie war mit ein paar Freundinnen und Freunden unterwegs. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn... ich weiß nicht, was ich machen würde.« Seine Stimme wurde krächzend. »Was macht man in einem solchen Fall?«
»Ich weiß, das ist sehr schwer für Sie. Haben Sie gestern Abend vielleicht irgendwas gehört, irgendjemanden gesehen? Fällt Ihnen irgendetwas ein?«
»Shelly kam auf die Minute pünktlich heim. Wir sind darin sehr streng, deshalb war sie Punkt zehn zu Hause. Ich habe das Footballspiel im Fernsehen gesehen – aber eigentlich habe ich eher auf sie gewartet. Um elf lagen wir alle drei im Bett. Ich musste in der Früh den Laden öffnen, deshalb habe ich mich beizeiten hingelegt. Ich habe, verdammt noch mal, nicht das Mindeste gehört.«
»Okay, erzählen Sie mir von Rachel. Was wissen Sie über sie?«
»Nicht viel. Sie hat seit ungefähr einem Jahr in der Drogerie gejobbt. Meistens tagsüber. Manchmal hatte sie auch Nachtschicht, meistens aber war sie tagsüber da. Wenn man in den Laden kam und sie hatte gerade nichts zu tun, saß sie über ihren Büchern. Sie wollte Lehrerin werden. Sie hatte ein unglaublich süßes Lächeln.« Erneut bra