: Thomas Schmid
: Die Wilden Küken 4. Es spukt! Band 4
: Dressler Verlag GmbH
: 9783862727605
: Die Wilden Küken
: 1
: CHF 5.40
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gruselspaß für wilde Küken! Bandentreffen der Wilden Küken auf der 'Mystery'! Die Mädchen sinnen auf Rache, nachdem ausgerechnet Oberküken Lilli in eine besonders fiese Falle der Grottenolme getappt ist. Während die beiden Banden noch darum wetteifern, wer wem den größten Schrecken einjagen kann, machen die Küken eine aufregende Entdeckung: Im Straßengraben finden sie ein unheimliches Hexenbrett. Ob man damit tatsächlich die Geister aus dem Jenseits anrufen kann? Der vierte Band der 'Küken'-Abenteuer - toller Lesespaß für Mädchen!

Thomas Schmid, 1960 in Landshut/Bayern geboren, wollte als Kind entweder Stuntman oder Schriftsteller werden. Dann studierte er Literatur-, Theater- und Kommunikationswissenschaften und ist heute als freier Autor tätig. Außer Büchern für Kinder und Jugendliche schreibt er auch Drehbücher fürs Fernsehen, u.a. für 'Marienhof', und für den Hörfunk, u.a. für das satirische Kindermagazin 'Sonntagshuhn' des Bayerischen Rundfunks. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Niederbayern.

Lilli lag an Deck derMystery und blinzelte in die Wolken. Das Schiff schaukelte sanft auf dem Weiher, und die Seile, mit denen es am Steg vertäut war, knarrten leise. Am Ufer fuhr ein Windstoß rauschend in die Blätter der Weide, und Lilli fühlte sich so leicht, als würde sie schweben.

Enya balancierte auf der Reling und Bob kam gerade mit einem Strauß Löwenzahn in der Hand die Leiter heraufgeklettert. Very, die sich auf dem Dach der Kükenkajüte sonnte, blickte von ihrer Zeitschrift auf, streckte ihr langes Bein vom Dach und öffnete mit dem Fuß die Tür. Bussi flatterte gackernd aus der Kajüte und rupfte Bob sofort ein paar Blätter aus der Hand. Enyas Huhn Ines lugte neugierig um die Ecke.

Lilli schnappte sich erst Birdie und reichte sie zu Very hinauf, dann hob sie ihr eigenes Huhn Flocke aus seinem Nest. Sofort versteckte es den Kopf in Lillis Armbeuge. Lilli streichelte das weiße Bündel mit einem Löwenzahnblatt, bis Flocke neugierig den Kopf reckte und nach dem Grünzeug pickte.

»Willst du dein Horoskop hören, Lilli?« Very rettete ihre Zeitschrift vor Birdies Krallen und las laut vor: »Lust und Liebe: Löwen steht der Sinn nach Erlebnissen der besonderen Art. Venus und Jupiter sorgen für Gefühlsschwankungen und bescheren Single-Löwen leidenschaftliche Begegnungen.«

Lilli schüttelte ihre mahagonifarbenen Locken. »Ich glaub nicht an die Sterne!«

Very ließ ihre Stimme möglichst geheimnisvoll klingen. »Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als du denkst, meine Liebe!«

»Hört sich ganz nach deiner esoterischen Mutter an.« Enya zupfte ihrem Huhn den Schnürsenkel ihres Turnschuhs aus dem Schnabel. »Das ist kein Wurm, Ines!«

Bob beschattete mit der flachen Hand ihre Augen und blickte zu Very hinauf. »Hat es der neue Guru deiner Mutter inzwischen geschafft, allen bösen Spirit aus eurer Villa zu vertreiben?«

Very verdrehte die Augen. »Das ganze Haus stinkt schon nach seinen indianischen Räucherstäbchen. Hartmut hat gestern sogar in der Firma übernachtet.« Very nannte ihre Eltern nicht Mama und Papa, sondern Hartmut und Ilona. »Hartmut sagt, er ist allergisch gegen Präriebeifuß und Zedernspitzen, aber Ilona ist begeistert …«

»Pscht!«, machte Lilli so plötzlich, dass Flocke ihr aus dem Arm flatterte. »Habt ihr das gehört? Das kam vom Keltenwald!«

DieWilden Küken lauschten, hörten aber nichts mehr. Hatte Lilli sich getäuscht? Hastig kramte sie ein kleines Fernglas aus ihrem Rucksack und suchte damit den Waldrand ab. Aber außer einem auffliegenden Vogel konnte Lilli nichts Ungewöhnliches entdecken.

»Was ist das denn für ein altmodisches Ding?«, fragte Enya.

»Das ist ein Operngucker«, erklärte Very von oben. »Damit sieht man der Sängerin ins Dekolleté.«

Auf dem Kajütendach kniend, machte Very ein schmachtendes Gesicht und presste theatralisch die Hände an ihr imaginäres Dekolleté. »Oh, die Liebe, die Liebe, die Liebe hat mir das Herz gebrochen.«

»Fall nicht runter, sonst bricht sie dir auch noch das Bein!«, sagte Lilli und grinste.

Ein Sonnenreflex glänzte auf dem Messing des Opernguckers. Leider war der Riemen, mit dem man sich das Fernglas um den Hals hängen konnte, auf der einen Seite ausgerissen. Lilli hatte ihn provisorisch mit einem Stück Wolle an die Öse geknotet. Die Schrift auf dem spröden Leder