: Guido Knopp
: Göring Eine Karriere
: C. Bertelsmann
: 9783641020682
: 1
: CHF 7.10
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hitlers Paladin: populär, hörig, größenwahnsinnig. Seit langem die erste große Göring-Biografie.
Er war der zweitmächtigste Nazi-Führer, zeitweilig beliebter als Hitler selbst; er war leutselig und brutal. Fast alle Gewaltaktionen sind mit seinem Namen verbunden: Hermann Göring ebnete Adolf Hitler den Weg zur Macht, verkörperte das joviale Gesicht der NS-Diktatur und verfiel dem Wahn absoluter Herrschaft. Guido Knopp stieß bei den Recherchen zu seinem Göring-Porträt auf unbekanntes Material - Filmaufnahmen aus Görings Privatbesitz, die seit Kriegsende als verschollen galten, bisher unzugängliches Archivmaterial und persönliche Notizen von Hitlers designiertem Nachfolger.
Knopp legt die schillernde Biografie des Mannes frei, der als hochdekorierter Fliegerheld des Ersten Weltkrieges 1922 in die NSDAP eintrat, zeitweise die SA befehligte und seinem Führer bis zur Selbstverleugnung diente. Göring stellte die Weichen für Terrorherrschaft, Holocaust und Großmachtpolitik. Doch Drogensucht schwächte schließlich seinen Einfluss ebenso wie die Ablehnung von Hitlers Kriegskurs, der Göring um seinen Reichtum, seine Schlösser, seine Kunstwerke fürchten ließ. Der 'Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches' zog sich angesichts der Niederlagen seiner Luftwaffe in ein bombastisch-bizarres Privatleben zurück. Nur seine ungebrochene Beliebtheit selbst angesichts von Kriegselend und sinkender Moral schützte ihn. Als Hauptangeklagter in den Nürnberger Prozessen zeigte er weder Einsicht noch Reue. Dem Tod durch den Strang entzog er sich durch Zyankali.
Guido Knopp enthüllt die vielen Gesichter des Hermann Göring und entwirft das Psychogramm von Hitlers Paladin, der trotz Terror, Machtwahn und hemmungslosem Luxus bis zum Ende der beliebteste NS-Führer blieb.

Prof. Dr. Guido Knopp war nach seinem Studium der Geschichte, Politik und Publizistik zunächst Redakteur der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' und anschließend Auslandschef der 'Welt am Sonntag'. Seit 1984 leitet er die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, mit der er vielbeachtete Fernsehserien wie 'Hitlers Helfer', 'Hitlers Krieger' und die Serie 'History' produziert; auf Phoenix erschien die Reihe '100 Jahre' über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Durch eine gelungene Verknüpfung von exakt recherchierter und gleichzeitig unterhaltender Information gelingt es ihm immer wieder, ein großes Publikum für seine Fernseh- und Buch-Dokumentationen zu begeistern. Guido Knopp hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Jakob-Kaiser-Preis, den Europäischen Fernsehpreis, den Telestar, den Goldenen Löwen, den Bayerischen Fernsehpreis, das Bundesverdienstkreuz und den Internationalen Emmy. Seine Bücher waren allesamt Bestseller. Zuletzt erschienen von ihm die Bücher zur ZDF-Serie 'Die Deutschen' sowie 'Geheimnisse des ?Dritten Reichs?'.

Der Putschist


Das Fliegerass a. D. suchte in den Monaten nach Kriegsende Unterschlupf bei seiner verwitweten Mutter in München. Wie noch oft in seinem Leben war es sein Ruhm als Jagdflieger, der ihm weiterhalf. Anfang 1919 flog Hermann Göring als Repräsentant der Fokker-Flugzeugwerke zu einer Flugschau nach Kopenhagen. Er blieb in Skandinavien, wo er bei Flugschauen mit gewagten Kunststücken glänzte und auch bei Gesellschaften eine gute Figur machte. Der einstige Kriegsheld verdingte sich als Vertreter für eine Fallschirmfirma und kam schließlich bei der schwedischen Fluglinie Svenska Lufttrafik als Pilot unter. Reiche Schweden zahlten für das Privileg, sich vom letzten Kommandeur des berühmten Richthofen-Geschwaders durch die Lüfte kutschieren zu lassen. Am 20. Februar 1920 flog er den bekannten schwedischen Forschungsreisenden Graf Eric von Rosen von Stockholm zu dessen 70 Kilometer südwestlich gelegenem Landgut Rockelsta. Das Wetter war stürmisch, und nur mit Mühe gelang es Göring, das Flugzeug sicher auf dem zugefrorenen Bavensee in der Nähe des Schlosses zu landen. Da an einen Rückflug nicht zu denken war, nahm er gerne die Einladung des Grafen an, die Nacht auf dem Landsitz zu verbringen.
Im Schloss war gerade die Schwägerin des Grafen zu Gast, Carin von Kantzow. Die dreiunddreißigjährige, schwärmerisch veranlagte Adelstochter war mit einem schwedischen Offizier eher unglücklich verheiratet und hatte einen Sohn. Für die Offiziersgattin und den Flieger war es ein schicksalhaftes Zusammentreffen. Eine Schwester Carins, Fanny Gräfin von Wilamowitz-Moellendorf, beschrieb das erste Kennenlernen ziemlich schwülstig als ein Aufeinandertreffen wahlverwandter Seelen: »Hermann Göring stand vor dem offenen Kamin und sah in die Flammen hinein. … Die Treppe hinunter kommt eine hohe Gestalt, eine Frau mit edler körperlicher Haltung, die Schwester der Hausfrau: Carin. Ihre tiefen blauen Augen begegnen Hermann Görings suchendem Blick. … Schweigend und ehrfurchtsvoll stand er da. Ihm war, als hätte er sie immer gekannt. Eine solche Liebe kann nicht erklärt oder besprochen werden. Auch sie lebte im Blute, in der Seele! Lange saß man zu Tisch an jenem Abend. … Bis spät in die Nacht blieb man noch beisammen. … Viel hat Hermann Göring mit Carin an diesem Abend nicht sprechen können. Dazu war ihm die Seele zu bewegt.«
Er ist der Mann, von dem ich immer geträumt habe.
Carin von Kantzow nach der ersten Begegnung mit Göring
Die Liebesaffäre zwischen dem Deutschen und der fünf Jahre älteren Offiziersgattin geriet zum Skandal der schwedischen Gesellschaft. Ohne Rücksicht auf Mann und Sohn reiste Carin im Sommer 1920 nach Deutschland, wo sie und ihr »einziger ewig Geliebter« die Sommerfrische in einem Ferienhaus in Bayrischzell genossen. Zurück in Schweden, beichtete sie ihrem gehörnten Ehemann die neue Liebe. Der war bereit, die Eskapade zu vergessen, wenn sie zu ihm zurückkehre, doch Carin weigerte sich entschieden. »Immer mehr erkenne ich, wieviel Du mir bedeutest«, schrieb sie an Göring. »Ich liebe Dich so sehr. Du bist alles für mich. Es gibt niemanden, der so ist wie Du, für mich bist Du in jeder Hinsicht mein Ideal. Alles, was Du machst, ist so lieb. … Wenn ich das alles bloß mit Küssen und Umarmungen ausdrücken könnte. Liebster!« Göring, ebenso verliebt wie sie, bedrängte Carin, ihren Mann zu verlassen und mit ihm nach Deutschland zu gehen. Diese willigte zum Entsetzen ihrer Eltern ein und ließ ihren achtjährigen Sohn Thomas beim Vater zurück. Im Sommer 1921 übersiedelte sie mit Göring nach Bayern, wo sich das Paar ein Haus in der Reginbaldstraße in München-Obermenzing kaufte. Nachdem Carins Scheidung rechtskräftig geworden war, wurde am 3. Februar 1923 im Standesamt von Obermenzing die Ehe geschlossen. Für beide begann ein neuer Abschnitt ihres Lebens.
Links: »Eine hohe Gestalt, eine Frau mit edler körperlicher Haltung«: Carin von Kantzow mit ihrem Sohn Thomas
Rechts: »Wie Tristan und Isolde«: Carin und Hermann Göring im Jahr 1922 in Österreich
In der Republik von Weimar war einem dreißigjährigen Hauptmann a. D. eine ungewisse Zukunft beschieden. Mehr aus Verlegenheit als aus Neigung immatrikulierte sich Göring an der Universität München in den Fächern Geschichte und Volkswirtschaft, ohne sich jedoch zu einem ernsthaften Studium aufraffen zu können. Stattdessen schrieb er Aufsätze über seine Erfahrungen als Jagdflieger im Krieg und versuchte, eine politische Partei ehemaliger Offiziere zu gründen. Er sehnte sich zurück nach Kameradschaft, Heldentaten und vor allem einem »starken Mann«, der Deutschland wieder zu alter Macht verhalf. Diesem »neuen Kaiser« begegnete Göring im Oktober oder November 1922 bei einer politischen Kundgebung auf dem Münchner Königsplatz. Göring hörte, wie ein Herr Hitler in seiner Nähe die Aufforderung ablehnte, auf das Rednerpodium zu kommen, um über die militärischen Beschränkungen Deutschlands infolge des Versailler Friedensvertrags zu reden. Es sei doch sinnlos, Proteste in die Welt hinauszuschreien